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Teures Mallorca

"Zu teuer, um alt zu werden": Immer mehr Menschen müssen von Mallorca aufs Festland auswandern

Wie explodierende Lebenshaltungskosten immer mehr Menschen – vor allem Ältere – von den Inseln vertreiben

Auf den Balearen liegt die Durchschnittsrente mit knapp 1300 Euro zu den geringsten in Spanien | Jens Kalaene/dpa

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Mallorca, Ibiza, Menorca – für Touristen ein Traumziel, für viele Rentner inzwischen ein Albtraum. Wer hier alt wird, muss entweder reich sein oder seine Koffer packen. Denn während Luxushotels sprießen und Ferienwohnungen boomen, werden Senioren zunehmend verdrängt. Die Gewerkschaft UGT fordert eine Ausgleichsprämie, doch die eigentliche Frage ist: Wie konnte es so weit kommen?

Ein Leben zwischen Palmen und Existenzangst

Pedro Berruezo, Generalsekretär der Gewerkschaft der Rentner und Pensionäre der UGT auf den Balearen, schlägt Alarm. Viele ältere Menschen, die ihr Leben lang auf den Inseln gearbeitet haben, sehen sich gezwungen, in ihre Herkunftsorte auf dem Festland zurückzukehren. Dort sei das Leben deutlich günstiger, die Mietpreise moderat, und die Lebenshaltungskosten verschlingen nicht den Großteil der Rente. Besonders die nördlichen Regionen Spaniens wie Galicien oder Extremadura erweisen sich als neue Zufluchtsorte für die Vertriebenen aus dem Mittelmeerparadies.

Das Problem ist hausgemacht: Wer im Ruhestand kein Wohneigentum auf den Balearen besitzt, steht vor einer kaum zu bewältigenden finanziellen Herausforderung. Die Mietpreise explodieren, getrieben von spekulativen Immobilienmärkten und einem ungebremsten Zustrom an Touristen. Immer mehr Vermieter setzen auf lukrative Kurzzeitvermietungen statt auf langfristige Mietverträge – ein Trend, der vielen Rentnern die Wohnungsnot erst beschert hat.

Wenn die Rente nicht mehr reicht

Das Kernproblem liegt jedoch nicht nur in den steigenden Wohnkosten, sondern auch in der niedrigen durchschnittlichen Altersrente. Laut Daten der Sozialversicherung liegen die Renten auf den Balearen unter dem Landesdurchschnitt bei knapp 1300 Euro. Nur in wenigen anderen Regionen Spaniens, darunter Valencia, Andalusien oder Murcia, bekommen Rentner noch weniger ausgezahlt. Ein krasser Gegensatz zu den Rentnern im Baskenland, die mit durchschnittlich über 1800 Euro monatlich über deutlich mehr finanzielle Mittel verfügen.

Die Renten steigen zwar, aber nicht schnell genug. So bleibt vielen älteren Menschen nur der soziale Abstieg oder die Abwanderung. „Es kann nicht sein, dass wir jahrzehntelang arbeiten, Steuern zahlen und dann im Alter gezwungen werden, unsere Heimat zu verlassen, weil das Leben hier unbezahlbar geworden ist“, kritisiert Berruezo.

Die Gewerkschaft UGT fordert daher eine Ausgleichsprämie für Rentner auf den Balearen – eine Art finanziellen Puffer, um die höheren Lebenshaltungskosten auszugleichen. Während Arbeitnehmer oft Zuschläge für die Insellage erhalten, gehen Rentner leer aus. Doch ob eine solche Prämie tatsächlich umgesetzt wird, bleibt fraglich. Viel eher könnte sich die Lage weiter zuspitzen, wenn der Immobilienboom und die Tourismusabhängigkeit der Balearen ungebremst bleiben.

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