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"Verantwortungslos und gefährlich": Entsetzen über deutschenfeindliche Schmierereien auf Mallorca

An Geschäften, Kunstgalerien und Autos in der Deutschen-Hochburg Santanyí sind mehrere Graffiti sowie Aufkleber mit Parolen gegen Bundesbürger aufgetaucht. MM sprach mit betroffenen Residenten

Parolen wie "Deutsche raus" sind in Santanyí an zahlreichen Geschäften, Kunstgalerien und Läden von Bundesbürgern angebracht worden. | Foto: Ultima Hora

| Santanyí, Mallorca | |

Eine Reihe von deutschenfeindlichen Übergriffen hat auf Mallorca für Entsetzen gesorgt. In Santanyí, der Deutschen-Hochburg im Süden der Insel, sind am vergangenen Wochenende zahlreiche Graffitis und Aufkleber mit ausländerfeindlichen Parolen angebracht worden. Vor allem Immobilienbüros, Autos mit deutschen Kennzeichen und Kunstgalerien waren betroffen. "Go home", "Deutsche raus" sowie "Raus" lauteten die Schmierereien. MM sprach mit betroffenen Residenten.

Unter den Opfern ist der deutsche Kunstgalerist und Unternehmer Frank Krüger, der seit 34 Jahren auf Mallorca lebt. "Ich zahle pünktlich meine Steuern, meine Tochter ist hier groß geworden und fühlt sich als Spanierin. Das ist ein rassistischer Übergriff", sagt er sehr deutlich. An seiner Kunstgalerie im Zentrum von Santanyí sind ebenfalls Graffitis gesprüht worden. "Im ersten Moment bin ich sehr erschrocken, jetzt versuche ich, es nicht persönlich zu nehmen", sagt er im Gespräch mit dem Mallorca Magazin. Zeitgleich verstehe er den Frust der Aktivisten auch: Wohnungsnot, Immobilienkrise, gestiegene Lebenshaltungskosten, die Überfüllung der Insel.

An zahlreichen Restaurants, Läden, Geschäfte und Autos mit deutschen Kennzeichen in Santanyí sind Aufkleber und Graffiti mit deutschenfeindlichen Parolen angebracht worden. Foto: UH

"Zum ersten Mal fühle ich mich aus Ausländerin"

Eine weitere betroffene Residentin aus Santanyí schilderte anonym ihre Erlebnisse. Auf ihrem Auto mit deutschem Kennzeichen waren in der Nacht von Freitag auf Samstag Aufkleber angebracht worden, auf denen "Deutsche raus" zu lesen ist. Die Deutsch-Spanierin erzählt: "Ich bin in Madrid geboren und in Deutschland aufgewachsen. Ich lebe seit fast drei Jahren in Santanyi, arbeite und zahle Steuern." Sie scheint fassungslos zu sein: "In all den Jahren, die ich in Deutschland gelebt habe, habe ich mich nie wie eine Ausländerin gefühlt. Jetzt, in meinem Vaterland, fühle ich mich wie eine Ausländerin."

Unter deutschen Residenten und Urlaubern, aber auch in der kommunalen Politik, haben die ausländerfeindlichen Parolen für Unmut gesorgt. Die rechtspopulistische Partei Vox verurteilte die "zutiefst besorgniserregender Vorfälle" und ordnete sie als "verantwortungslos und gefährlich" ein. Wer hinter den Angriffen steckt, wird aktuell noch seitens der Polizei ermittelt. Anwohnern zufolge soll es bereits eine Spur zu Verdächtigen geben. Die Vorfälle haben auch in den deutschen Medien hohe Wellen geschlagen.

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