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Gentrifizierung

Von reichen Ausländern verdrängt: Tausende Mallorquiner ziehen nach Nordspanien – und sorgen dort für Ärger

Immer mehr Insulaner kehren ihrer Heimat den Rücken und kaufen Wohnraum auf dem Festland. Warum das zunehmend zum Problem für diese Regionen wird

Idyllisches Dorf in Nordspanien. | Foto: Archiv

| | Palma, Mallorca |

Immer mehr Mallorquiner kehren ihrer Heimat den Rücken – steigende Mieten und unbezahlbare Immobilien treiben sie aufs spanische Festland. Besonders Deutsche stehen für viele Einheimische sinnbildlich für den Boom auf dem Wohnungsmarkt. Die Folge: Kein bezahlbarer Wohnraum für mehr auf der Insel, dafür ein regelrechter Ansturm auf den vergleichsweise günstigen Norden Spaniens.

Vor allem die Region Asturien rückt zunehmend in den Fokus. Dort sind Immobilien noch erschwinglich – und das bei deutlich geringerer touristischer Belastung und einem angenehmeren Klima. Was für viele Mallorquiner nach einer einmaligen Chance klingt, sorgt jedoch bereits für erste Diskussionen über mögliche Nebenwirkungen. Denn in diesem Fall sind die Mallorquiner nicht mehr Opfer der Gentrifizierung, sondern treiben diese voran!

Mehr Geld für ein komfortables Leben

Der Geografie-Professor Jesús González von der Universität der Balearen (UIB) spricht von punktuellen Gentrifizierungsprozessen. Immer mehr Inselbewohner nutzen die Gelegenheit, ihre oft hochpreisigen Immobilien auf Mallorca zu verkaufen und sich auf dem Festland neu niederzulassen. Besonders Ruheständler profitieren davon: Sie tauschen ihre Immobilie gegen günstigeren Wohnraum ein – und gewinnen gleichzeitig finanziellen Spielraum für ein komfortableres Leben.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum der Norden so attraktiv ist: In Asturien liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei rund 1326 Euro. Häuser haben dort im Schnitt etwa 105 Quadratmeter Wohnfläche und kosten rund 139.000 Euro. Auf den Balearen dagegen kostet der Quadratmeter mehr als 4100 Euro. Bei durchschnittlich 121 Quadratmetern ergibt sich ein Preis von knapp 500.000 Euro. Anders gesagt: Für den Preis eines Hauses auf Mallorca lassen sich im Norden fast vier kaufen.

Auch der Präsident des Immobilienmaklerverbands der Balearen (API), José Miguel Artieda, bestätigt den Trend. Neben Asturien seien auch Regionen wie Galicien zunehmend gefragt. Für viele Mallorquiner ist der Schritt aufs Festland längst keine Ausnahme mehr, sondern eine reale Alternative geworden.

Doch die Entwicklung hat zwei Seiten. Während Mallorquiner im Norden von günstigem Wohnraum profitieren, können genau diese Zuzüge dort neue Dynamiken auslösen. Gentrifizierung beschreibt den Prozess, bei dem ehemals günstige Wohngebiete durch neue Käufer aufgewertet werden – häufig mit der Folge, dass die ursprüngliche Bevölkerung verdrängt wird. Laut González sind dafür nicht zwingend wohlhabende Käufer nötig: Schon ein moderater Zuzug kann in kleineren Orten spürbare Veränderungen bewirken.

Lage auf Mallorca verschärft sich

Gleichzeitig verschärft sich die Lage auf Mallorca selbst weiter. "Die Gentrifizierung verdrängt zunehmend die unteren und mittleren Einkommensschichten von der Insel", warnt der Experte. Bereits Mietsteigerungen von wenigen hundert Euro monatlich könnten für viele das Aus bedeuten. Was auf dem Papier wie eine moderate Anpassung wirkt, komme für Betroffene oft einer indirekten Zwangsräumung gleich.

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