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Döner acht Euro, Liter Bier knapp 17 Euro: So saftig sind die Preise zum Ballermann-Opening

Erste Eindrücke von der Feiermeile am Ballermann zeigen ausgelassene Partystimmung bei 21 Grad, verstärkte Sicherheitsmaßnahmen im Megapark sowie kräftig angezogene Kosten

Touristen und Straßenverkäufer vor dem Megapark am Ballermann. | Foto: UH

| | Playa de Palma, Mallorca |

Beim Rundgang zum Saison-Opening auf Mallorca am sogenannten Ballermann am Samstag zeigt sich zunächst das gewohnte Bild: 21 Grad, frühsommerliche Temperaturen, der Alkohol fließt in Strömen. Deutsche Party-Urlauber und internationale Touristen prägen das Geschehen.
Menschenmassen ziehen über die Promenade, darunter Frauengruppen, die ihren Junggesellinnenabschied in Kostümen feiern, sowie ausgelassene Männergruppen in typischer Feierkleidung – mit "Bierkapitän"-Binden, weißen Socken, Badelatschen und Propeller-Caps.

Euphorische Party-Stimmung in der "Schinkenstraße" am Ballermann ... ausgelassen und laut.

Dazwischen einzelne Fahrradgruppen in Vereinskluft. In der "Schinkenstraße" versuchen die sogenannten "Helmuts", die nordafrikanischen Straßenverkäufer, Sonnenbrillen und Uhren an den Mann zu bringen, während auch einige wenige Handwerkergruppen auf der Walz durch die Feier-Szene ziehen. Am dritten Opening-Tag im Megapark sind unter anderem Auftritte von Capital Bra, Marc Terenzi mit Sixx Paxx, Rumbombe sowie Fire Squad (zwei der früheren Frontmänner von Culcha Candela) angekündigt.

Straßenhändler bieten bieten am Ballermann Waren wie Fußballtrikots und Uhren an und sprechen Passanten aktiv zum Verkauf an. Einige der "Helmuts" verkaufen sogar vermutlich Drogen.

Auf den ersten Blick also das gewohnte Bild. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich Veränderungen: Der Megapark hat seine Sicherheitsmaßnahmen deutlich verstärkt. Am Eingang stehen gleich vier Security-Mitarbeiter mit auffälligen, schwarzen, zentimeterdicken Schutzwesten. Zudem wurde der Eintrittspreis auf 25 Euro erhöht. "Dafür gibt es ein Getränk und ein T-Shirt", erklärt eine junge Verkäuferin am Eingang. Die Besucher scheint das kaum zu stören, die Menschen strömen weiterhin in den Partytempel, viele von ihnen schon leicht betrunken.

Der Schatten des Partytourismus an der Playa de Palma zeigt sich im hohen Müllaufkommen und der starken Verschmutzung der Umgebung – sehr zum Ärger vieler Anwohner.

Auch im Umfeld der Imbissstände sind gestiegene Preise zu beobachten. Ein Döner kostet mittlerweile rund acht Euro, selbst in der einfachsten Standardvariante. Im Bierkönig ergibt sich ein ähnliches Bild: Ein Liter Bier kostet in dieser Saison mittlerweile 16,50 Euro, feiernde Besucher, zwei, drei leicht bekleidete Gogo-Tänzerinnen auf den Tischen, die zu DJ-Beats tanzen und mitsingen. Später sollen dort unter anderem Frenzy, Julian Sommer und Calvin Kleinen auftreten. (Das Opening fand dort bereits in der Vorwoche statt.)

Ein Straßenhändler vor den Partylokalen in der "Bierstraße".

Anwohner berichten erneut von Lärm, Müll und Überfüllung

Auch aus Sicht der spanischsprachigen Journalistenkollegen der MM-Schwesterzeitung Ultima Hora zeigt sich mit dem Saisonstart an der Playa de Palma ein altbekanntes Muster. Mit den ersten großen (zumeist deutschsprachigen) Besucherwellen kehren jene Probleme zurück, die spanische Anwohner, Gewerbetreibende und Beschäftigte auf Mallorca seit Jahren begleiten. Und die sich aus ihrer Wahrnehmung eher zuspitzen als abflauen.

Das Foto zeigt die Polizeistation an der Playa de Palma. Anwohner bemängeln, dass die Polizeipräsenz in der Partyzone weiterhin nicht ausreichend sei.

Schon zu Jahresbeginn wurde an der Playa de Palma erneut von einem wachsenden Unsicherheitsgefühl berichtet, sowohl entlang der Strandpromenade als auch in den Nebenstraßen. Zur Sprache kommen dabei unter anderem Diebstähle aus Fahrzeugen, Einbruchsversuche in Geschäfte und Wohnungen sowie vereinzelte Hausbesetzungen, die bereits in den Wintermonaten für erhebliche Unruhe sorgten. Parallel dazu erreicht auch der Radtourismus derzeit auf dem Eiland seinen saisonalen Höhepunkt, während die Hotels der Gegend nahezu vollständig ausgelastet sind.

Mit dem steigenden Touristenaufkommen verschärfen sich aus Sicht vieler Betroffener die bekannten Begleiterscheinungen erneut. Wiederkehrend ist die Rede von Taschendiebstählen und Gelegenheitsdelikten im Umfeld alkoholisierter Urlaubergruppen. Hinzu kommt eine in einzelnen Bereichen sichtbar werdende Straßenprostitution, die die ohnehin angespannte Lage zusätzlich belastet.

Auch Führertrikots wieder im Angebot

Ein weiteres Dauerthema bleibt der illegale Straßenhandel, etwa mit Fanartikeln und Fußballtrikots. Vereinzelt tauchen dabei auch Kleidungsstücke mit provokanten oder extremistischen Symbolen auf, darunter etwa NS-Bezüge oder entsprechende Aufschriften ("Führer").

Auch der Konsum und Handel mit Drogen gilt weiterhin als strukturelles Dauerproblem, das sich in den Sommermonaten deutlich verstärkt. In Kombination mit hohem Alkoholkonsum führen diese Faktoren nach Angaben spanischer Anwohner immer wieder zu eskalierenden Situationen, mit sehr sichtbaren Folgen im öffentlichen Raum, etwa in Form von Müll und massiven Verschmutzungen entlang von Strand und Promenade.

Seit Langem fordern Anwohner eine deutlich stärkere Präsenz der Sicherheitskräfte. Kritisch gesehen werden dabei unter anderem die zeitweise eingeschränkte Verfügbarkeit der Polizeidienststellen in der Umgebung sowie organisatorische Engpässe, etwa bei der sprachlichen Verständigung im Kontakt mit Touristen und Verdächtigen.

Unterm Strich entsteht so, zumindest nach Wahrnehmung vieler Betroffener, jedes Jahr ein vertrautes Bild aus Lärm, Verschmutzung und Regelverstößen, das sich in der Hochsaison hartnäckig wiederholt. Spanische Bürgerinitiativen und Nachbarschaftsvereine mahnen seit geraumer Zeit strukturelle Lösungen an. Bislang jedoch überwiegt der Eindruck, dass diese auf sich warten lassen, und die Probleme stattdessen eher an Brisanz gewinnen.

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