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Glücklich im Kartoffeldorf: Wie dieser Deutsche sein Mallorca-Leben zwischen Bergen und Strand genießt

Der Fotograf Christoph Höhmann lebt seit mehr als sechs Jahren in Sa Pobla. Die Liebe zu seiner Wahlheimat hat er in einem Fotobuch ausgedrückt. Kürzlich eröffnete er hier zudem ein Fotolabor

Christoph Höhmann wurde 1976 in Kassel geboren. Mallorca lernte der Werbeschaffende vor rund 20 Jahren kennen. | Foto: plo

| Sa Pobla, Mallorca |

Schöne Ansichten, aber auch skurrile Aufnahmen vereint der deutsche Fotograf Christoph Höhmann in seinem Fotobuch "¡Viva sa Pobla!" über das Dorf, dessen Ruf maßgeblich durch den Kartoffelanbau geprägt ist. Dabei waren es andere Gründe als das Lebensmittel, die den Hessen vor bald sieben Jahren in den Norden der Insel verschlugen, wo er heute deren einziges analoges Fotolabor betreibt.

"Nach 20 Jahren in Hamburg kam mir die Idee, meinen Job als Fotograf und Filmer, der sich immer mehr vor dem Computer abspielte, an einem klimatisch angenehmeren Ort auszuüben", erinnert sich Höhmann an seinen Beweggrund, nach Mallorca zu kommen. Kurzum entschloss er sich Ende 2019 zu einem Immobilienkauf in Sa Pobla. "Ich habe mir dieses Dorf ausgesucht, weil die Lage zwischen den Bergen und der Playa de Muro unschlagbar ist. Des Weiteren ist Sa Pobla relativ untouristisch und super angebunden mit Autobahn, Zug und Bus."

In Höhmanns Bildband "¡Viva sa Pobla!" wird die Nähe des Dorfes zum Tramuntana-Gebirge deutlich, die den Autor begeistert. Foto: Christoph Höhmann

Nach seiner Ankunft in Sa Pobla begann Höhmann, beiläufig und überwiegend mit seinem Smartphone, das Dorf zu fotografieren. "Die Aufnahmen sind zum Beispiel auf dem Weg zum Supermarkt, zur Bushaltestelle oder zu Freunden entstanden", erinnert sich der Deutsche. "Es wurden immer mehr Fotos und dann habe ich mit ihnen einen Instagram-Kanal eröffnet."

Höhmann erinnert sich: "Irgendwann kam dann die Idee, ein Buch mit all diesen Aufnahmen zu veröffentlichen” und nach gut einem Jahr Arbeit erschien das Werk Ende 2024 im Eigenverlag. "¡Viva sa Pobla!" wurde unter anderem in der Bücherei des Caixa-Forums in Palma verkauft. Am Ende der rund 140 Seiten findet sich ein geografisches Verzeichnis, mit dem die Leser nachvollziehen können, wo jedes der Fotos entstanden ist. "Das Buch hat auch historischen Charakter, weil es manche Dinge nicht mehr so gibt, wie ich sie festgehalten habe", bemerkt Höhmann.

Die Aufnahmen reichen von gefällig wie blauer Himmel, Natur und urige Straßenzüge bis hin zu kaputten Fassaden und Wänden sowie herunterhängenden Kabeln. Höhmann betont, dass sein Buch einen "anderen Blick" auf die Gemeinde bietet. "Wenn Du neu irgendwo hinziehst, hast Du ganz frische Augen und siehst all das, was des Fotografierens wert ist." Ein großes Thema seien unter anderem auch wegen Hausbesetzungen zugemauerte Fassaden sowie Türen.

Das "Laboratorio Mallorca" in Sa Pobla. Foto: Christoph Höhmann

Höhmann kennt Mallorca seit circa 20 Jahren durch diverse Fotoreisen. Bevor der Werbeschaffende auf die Insel kam, wurde er 1976 in Kassel geboren. Als Kind wohnte der Deutsche in Brasilien, wo er einen Bezug zu romanische Sprachen entwickelte und zu einem Leben in der Hitze. Seitdem er auf Mallorca lebt versucht Höhmann, "so oft wie möglich" nach Palma zu fahren, um den Anschluss an eine städtische Kunstszene zu halten.

"Mallorca ist für mich ein Paradies", schwärmt Höhmann von seiner Wahlheimat. "Die Natur um Sa Pobla ist so toll, dass ich mich jeden Tag zwicken muss." Dort, wo er sich aufhalte und bewege, bekomme er kaum etwas vom Massentourismus mit. "Die Playa de Muro erlebe ich meistens völlig verlassen." In den Bergen, die er als geneigter Wanderer aufsucht, sei das ähnlich. "Ich genieße hier jeden Tag und bin hier sehr glücklich!"

Mallorca liebt Höhmann vor allem wegen seines Lichtes, das der Fotograf als "Offenbarung" bezeichnet. Darüber hinaus sei die Insel im Bereich der Landschaftsfotografie "sehr beeindruckend", besonders an den Küsten und im Gebirge. "Für Fotoshootings ist Mallorca perfekt."

In seinem Bildband hat Höhmann den rustikalen Charme von Sa Pobla eingefangen. Die Aufnahmen auf rund 140 Seiten entstanden alle innerhalb von vier Jahren und waren vor der Veröffentlichung des Buches auf einem Instagram-Kanal zu sehen. Foto: Christoph Höhmann

Im Herbst 2025 startete Höhmann sein aktuelles Labor-Projekt. Gemeinsam mit einem Einheimischen aus Sa Pobla bekam er von der Gemeindeverwaltung Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, die das Duo für Ausstellungen und Workshops nutzt. Letztere finden in drei Sprachen statt – Spanisch, Englisch, Deutsch – und richten sich an alle Welt. Es handelt sich um Kurse über Schwarz-Weiß-Fotografie. Weitere über Kameras im Großformat, das Belichten auf Glasplatten sowie über Lochkameras sind angedacht.

Die "sehr persönlichen" Kurse, so Höhmann, sind auf vier Teilnehmer begrenzt. Bei der Intensivwerkstatt bringen diese ihre belichteten Schwarz-Weiß-Filme mit, die anschließend entwickelt werden. Dieser Teil dauert etwa dreieinhalb Stunden. Am nächsten Tag wird das Material vergrößert, was mehr als vier Stunden in Anspruch nimmt. Daneben gibt es gelegentlich auch Termine, an denen Höhmann ausschließlich fertige Negative vergrößert. Preislich liegen die beiden Angebote bei 150 Euro einschließlich Material, beziehungsweise 85 Euro.

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