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Deutsche ekeln ersten spanischen Ballermann-Sänger gnadenlos weg!

Nach mehreren Jahren an der Playa erhebt Sänger Playa Charlie schwere Vorwürfe gegen die Ballermann-Szene und spricht von fehlenden Chancen für spanische Künstler

Pedro Martinez wollte als Ballermann-Barde durchstarten – jetzt wirft "Playa Charlie" das Handtuch. | Foto: Instagram @playa.charlie

| Mallorca | |

Noch vor wenigen Jahren wollte Pedro Martinez, besser bekannt als "Playa Charlie", die Partymeile auf Mallorca an der Playa de Palma erobern. Mit Songs wie "Heute wollen wir Bier holen", "Milf vor Elf" oder "Heute wollen wir saufen" hatte der 54-Jährige die passenden Ballermann-Hits im Gepäck – und fiel zudem durch seine verblüffende Ähnlichkeit mit Schauspieler Charlie Sheen auf. Doch der ganz große Durchbruch auf der Insel blieb aus. Nach nur wenigen Saisons zieht der Entertainer nun einen bitteren Schlussstrich – und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Partyszene an der Playa.

"Wenn einheimische Künstler systematisch weniger Chancen bekommen, wenn Netzwerke unter sich bleiben, wenn Herkunft mehr zählt als Talent – dann ist das kein Zufall mehr. Korruption scheint an jeder Ecke mitzuschwingen. DJs entscheiden nicht nach Talent, sondern nach Geld. Wer als Newcomer gespielt werden will, zahlt – unter der Hand", sagt Playa Charlie im Gespräch mit MM.

Der Sänger bezeichnet sich selbst als den "einzigen waschechten spanischen Ballermann-Sänger". Doch trotz aller Bemühungen habe er sich in der Szene nicht durchsetzen können. Seine Kritik formuliert er offen und schonungslos: "Wo bleibt da die faire Chance für neue Stimmen? Für spanische Künstler bleibt kaum Platz. Kein Feature. Kein Duett. Keine echte Möglichkeit, sich zu beweisen. Wenn du willst, dass dein Song überhaupt läuft, brauchst du einen Umschlag mit Geld, den du Entscheidern zusteckst. 400 Euro für den Vormittag. Bis zu 5000 Euro, wenn du auch abends stattfinden willst. Das ist die Realität."

"Playa Charlie" (M.) ist als Musiker am Ballermann gescheitert – die Verantwortung dafür sieht er jedoch nicht bei seinen Fans, sondern bei den Strippenziehern der Partyszene. (@playa.charlie)

Pedro Lopez Martinez wurde zwar in Köln geboren, seine Eltern stammen jedoch vom spanischen Festland. "Mein Vater kommt aus Malaga und meine Mutter aus Madrid", erzählt der Entertainer. Zwischen Köln und Mallorca sieht er bis heute viele Gemeinsamkeiten: "Ich glaube, der Kölner fühlt sich auf Mallorca pudelwohl. Diese Mentalität, der kölsche Humor und das spanische Temperament ergänzen sich wirklich gut und passen irgendwie zusammen."

Bereits 2019 versuchte Playa Charlie erstmals, als Sänger auf Mallorca Fuß zu fassen. Die Insel kannte er schon lange: "Ich kannte Mallorca seit den 1990er Jahren bestens, da ich hier in meinem früheren Job als Eventmanager stets über Monate tätig war."

Mit Songs wie "Milf vor Elf" wollte Playa Charlie die Playa erobern

Dass es jedoch so schwer werden würde, sich in der deutschen Partyszene durchzusetzen, habe er anfangs unterschätzt. "Wie soll ein spanischer Newcomer hier weiterkommen – kämpfend gegen Windmühlen wie Don Quijote? Ich habe es selbst erlebt: Es gab Momente, in denen ich auf Bühnen geholt wurde – kleine Chancen, die gezeigt haben, dass es auch anders gehen könnte. Doch selbst diese wurden gestoppt. Ein Booker untersagte weitere Auftritte."

Nicht das Publikum sei das Problem gewesen, betont der 54-Jährige. Vielmehr spricht er von einem abgeschotteten System aus Bookern, DJs und Veranstaltern, in dem es vor allem um Geld und Macht gehe. "Auch Produzenten spielen dieses Spiel. Sie verkaufen Träume, sprechen von Netzwerken und DJ-Pools. Doch am Ende läuft alles auf dasselbe hinaus: Geld gegen Aufmerksamkeit."

Besonders frustriert zeigt sich Playa Charlie über die fehlende Unterstützung etablierter Künstler: "Und selbst wenn du Talent hast – selbst wenn du Songs hast – bleibt eine Tür besonders fest verschlossen: Gemeinsame Songs mit angesagten Künstlern der Playa? Keine Chance. Die größten Namen arbeiten nur unter sich – oder mit den DJs direkt von der Playa. Ein geschlossenes System, das sich selbst am Leben hält." Hinter diesem Netzwerk stünden seiner Ansicht nach vor allem Akteure aus Deutschland und Österreich. Für ihn sei deshalb klar: Der Traum von der großen Karriere am Ballermann ist geplatzt.

Ganz aufgegeben hat Playa Charlie dennoch nicht. Zwar sieht er seine Musikerlaufbahn bereits enden, bevor sie richtig begonnen hat – doch für Mallorca selbst hat er weiterhin einen Wunsch: "Mallorca ist Spanien. Doch der Ballermann wirkt wie eine Parallelwelt. Und vielleicht ist jetzt genau der Moment, umzudenken."

Mit Blick auf die aktuellen Proteste vieler Mallorquiner gegen Massentourismus appelliert der Sänger an mehr Offenheit und Fairness: "In Zeiten, in denen Mallorquiner auf die Straße gehen, sollte man anfangen, Brücken zu bauen statt Mauern hochzuziehen. Vielleicht sollte man einem Einheimischen endlich die gleiche Chance geben. Nicht als Ausnahme. Sondern als Selbstverständlichkeit. Für mehr Fairness. Für echte Chancen. Und für Respekt."

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