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Malen und Wein trinken: Diese deutschen Mallorca-Auswanderer öffnen die Tore zu ihrer Finca

Beim "Sip and Paint-Event" treffen auf einem Landhaus zwischen Felanitx und Manacor Kunst und Genuss aufeinander – beim Smalltalk erwacht die Leinwand zum Leben

Kleines Foto: Sabine Brill (r.) und Claudia Fink-Wolter haben ihr kreatives Hobby ausgeweitet und damit die Türen für andere Malbegeisterte geöffnet. | Foto: Privat

| Felanitx, Mallorca |

Beim "Sip and Paint-Event" treffen auf einer Finca zwischen Felanitx und Manacor Kunst und Genuss aufeinander – beim Smalltalk erwacht die Leinwand zum Leben. Ein Selbstversuch von MM-Mitarbeiterin Ricarda Hollain:

In der schönen, bunten Welt von Instagram und TikTok sind Events wie Töpfern, Kerzengießen oder Malen allgegenwärtig. Sie erleben ein Comeback, denn schon in den 80er Jahren waren solche Freizeitaktivitäten äußerst beliebt. Ich selbst erinnere mich an missglückte Schalen und Becher aus Ton, getöpfert in einem dunklen Gemeindezentrum in Deutschland, und an scheinbar endlosen Kunstunterricht in der Schule, bei dem am Ende oft nur die Frage blieb: Ist das Kunst oder kann das weg?

Und doch habe ich mich nun selbst für ein solches Event angemeldet. Neudeutsch heißt es Sip and Paint – also Wein schlürfen und malen. Die Veranstalter versprechen ein ungezwungenes Beisammensein mit Leinwand, Pinsel, Weinen aus inseleigenen Trauben und hausgemachten Tapas.

Die Location liegt fernab der Hauptstadt, auf dem mallorquinischen Land zwischen Felanitx und Manacor. Genau hier standen Claudia Fink-Wolter und ihr Mann vor gut acht Jahren, als sie sich ein Baugrundstück ansahen. Der weite Blick auf Berge, Ebene, Himmel und sattes Grün faszinierte sie so sehr, dass sie das Grundstück kauften. Kurz darauf entstand das Haus, dessen Türen sich heute für Besucher öffnen.

15 Personen kommen zu dem privaten Mal-Event

15 Personen haben sich diesmal für das Malevent angemeldet. "Jemandem Unbekannten die Türen zu öffnen, muss man wollen. Wir machen das gerne, wir sind gesellige Menschen", sagt Fink-Wolter. Dabei betont sie, dass ihr Angebot kein klassischer Malkurs sei, sondern vielmehr ein entspanntes Gemeinschaftserlebnis: "Wir machen das mit Gleichgesinnten, um gemeinsam einen schönen Nachmittag zu verbringen. Dahinter steckt kein wirtschaftlicher Gedanke. Es ist einfach ein Herzensprojekt."

Und das spürt man sofort: Alles ist liebevoll vorbereitet, unzählige Farbflaschen und Pinsel liegen bereit. Jeder Teilnehmer erhält eine kleine Holzstaffelei und eine quadratische Leinwand. Pappteller zum Mischen der Farben warten auf ihren Einsatz.

Dann geht es los. Eine konkrete Malanleitung gibt Fink-Wolter bewusst nicht: "Wir wollen, dass die Teilnehmer ohne Vorgaben einfach drauflosmalen und keine Grenzen spüren." Bevor wir jedoch den ersten Pinselstrich setzen, gibt es – ganz nach dem Motto Sip and Paint – zunächst ein Glas Wein von einem lokalen Weingut. Danach fällt der Einstieg deutlich leichter, obwohl ich zunächst ratlos vor der weißen Leinwand sitze und nicht weiß, was ich eigentlich malen möchte. Andere hingegen haben ihre Motive längst im Kopf. Schnell entstehen an den Tischen erste Gespräche – über Farben, Techniken und irgendwann auch über ganz Persönliches. Alle Altersgruppen seien willkommen, erzählt Fink-Wolter: "In einem Kurs waren sogar Großeltern, Eltern und Kinder gemeinsam dabei."

Die Zeit vergeht wie im Flug. Nach zwei Stunden halten wir unsere Kunstwerke in den Händen – im guten Gefühl, etwas Kreatives geschaffen und gleichzeitig neue Menschen auf Mallorca kennengelernt zu haben. Das Fazit einer Teilnehmerin: „Die Atmosphäre hier ist besonders inspirierend.” Und tatsächlich fühlt sich dieser Nachmittag ganz anders an als ein nüchterner Malkurs im Gemeindezentrum.

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