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Meer und Unterwasserwelt

Geheime Superkräfte: Im Meer vor Mallorca wächst eine echte Power-Pflanze

Eine neue Studie beleuchtet das Potenzial von Seegraswiesen, Kohlenstoff zu binden. Was Forscher dazu sagen und welches Potenzial das birgt

Unterwasseraufnahme einer Seegraswiese. | Foto: Archiv

Palma, Mallorca |

Die Forscherin Nerea Piñeiro-Juncal des Institutes IMEDEA auf Mallorca, das sich mit dem Mittelmeer beschäftigt, hat das Ausmaß untersucht, in dem Seegraswiesen und Küstenlandschaften in Spanien und Portugal dazu in der Lage sind, Kohlenstoff zu binden. Piñeiro-Juncal kommt in ihrer Studie "Bestandsaufnahme blauen Kohlenstoffs in Spanien und Portugal für dessen Berücksichtigung in nationalen Klimaschutz-Strategien" zu dem Schluss, dass unter anderem Seegraswiesen ungefähr die Menge speichern können, die einem Viertel der jährlichen CO2-Emissionen der beiden genannten Länder entspricht.

Auf den Balearen kommen besonders viele Wiesen der Seegras-Art Posidonia oceanica vor. Diese speichern über Jahrhunderte hinweg Kohlenstoff im Gesteinsboden des Mittelmeeres. Gemeinsam mit sumpfigen Küstenlandschaften bilden sie Ökosysteme, die auch "Blauer Kohlenstoff" genannt werden.

"Die Seegraswiesen sind langfristige Kohlenstoffsenken", kommentiert Forscherin Piñeiro-Juncal. "Unter den 'Blauen Kohlenstoffen' bindet in ganz Spanien keine Gruppe mehr Kohlenstoff als die der Balearen, wodurch sie erheblich dazu beiträgt, dass sich die Natur an den Klimawandel anpasst." Piñeiro-Juncal zufolge macht der Meeresgrund auf den Balearen rund ein Drittel aller Seegraswiesen und Küstenlandschaften in Spanien und Portugal aus, die CO2 speichern.

Die Studiengruppe schätzt, dass die untersuchten Ökosysteme um die Iberische Halbinsel und die Spanien zugehörigen Inselgebiete in ihrer Biomasse und dem ersten Meter Boden dauerhaft 95 Teragramm CO2 speichern. Diese Menge entspricht ungefähr 25 Prozent der CO2-Emissionen von Spanien und Portugal in 2022. 1 Teragramm entspricht 1 Million metrischen Tonnen. Des Weiteren gehen die Forscher davon aus, dass die Ökosysteme durchschnittlich 0,15 Teragramm (150.000 Tonnen) Kohlenstoff pro Jahr sammeln, was 0,04 Prozent der Emissionen der beiden genannten Länder in 2022 entspricht.

Auf den Balearen stellen der Druck durch Tourismus, das Ankern von Wasserfahrzeugen, Verschmutzung und die Umgestaltung der Küsten einige der hauptsächlichen Bedrohungen für die Posidonia oceanica dar. Laut Piñeiro-Juncal "geht der Wert dieser Ökosysteme über den Kohlenstoff hinaus. Sie sind grundlegend für die Gesundheit der Küsten und Schlüsselbranchen wie den Tourismus." Außer ihrer klimatischen Funktion seien die Seegraswiesen essenziell für die Balearen: Sie beschützen die Strände vor Erosion, verbessern die Wasserqualität und dienen als Rückzugsort für zahlreiche Meeresarten.

Die Ergebnisse dieser Studie betonen, wie wichtig es sei, das Seegras auf den Balearen weiter zu bewahren, wo es bereits besonderen Schutz genießt. Damit erhalte man nicht nur die Landschaft und die Biodiversität der Inseln, sondern trage auch direkt dazu bei, das globale Klima auszubalancieren.

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