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Von der Straße ins Badezimmer

In Portals trafen sich die Stars der Streetart

Zadok bei der Arbeit.

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Der lesende Mann mit den hochgelegten Beinen und der Melone (dem Hut, nicht der Frucht) auf dem Kopf stammt von Nick Walker und dürfte etwa 60.000 Euro Wert sein, sagt der Engländer Leon Seesix, der den "Beach Art Jam" in der Ruine des ehemaligen Aquamarina-Hotels in der Cala Portals auf Mallorca organisiert hat.

Im kommenden Jahr wird an derselben Stelle ein Luxushotel der Kameha-Gruppe aus Frankfurt stehen, das Kameha Bay Portals Bay. Dann wird der lesende Mann nur noch Staub, das Gemälde einfach verschwunden sein. Es wird ein Buch und einen Film über den Jam geben, mehr nicht, sagt Seesix.

Vergänglichkeit ist Bestandteil dieser Kunst. "Der Künstler gibt sein Werk unmittelbar der Öffentlichkeit preis", sagt der Münchner Künstler Loomit, der bürgerlich Mathias Köhler heißt.

Manche der Sprayer, die an diesem Wochenende in Portals Nous zusammengekommen sind, haben wie Loomit die 40 schon länger hinter sich gelassen und sind heute anerkannte Künstler. Der 45-Jährige Loomit hat wie viele andere seines Fachs in den 80ern als Sprayer angefangen und dafür häufig Ärger mit den Ordnungshütern der bayerischen Landeshauptstadt riskiert.

"Ich gehöre zu der ersten Sprayer-Generation. Heute habe ich einen Beruf draus gemacht und bin dadurch sogar zum ersten Mal nach Mallorca gekommen", sagt der zweifache Familienvater. Mit dem "Geltendorfer Zug", einem komplett besprühten S-Bahn-Zug, wurde er 1985 zur Legende. Die Geldstrafe soll 10.000 Mark betragen haben und von seiner Mutter als "Ausbildungsbeihilfe" gesehen worden sein.

Über die Jahre hat er seinen Stil perfektioniert, unter anderem in der New Yorker Bronx. Wenn Loomit heute Tunnel in München besprühen will, ruft er beim Münchner Tiefbauamt wegen einer Genehmigung an. "Die Tunnel werden ohnehin besprüht, dann ist denen das lieber, dass es ein Künstler macht", sagt er. Der Münchner Oberbürgermeister Ude soll übrigens ein Bild von ihm im Badezimmer hängen haben. Loomit gibt auch Unterricht an Münchner Schulen oder arbeitet mit Problemkindern in Indien.

Mit drei Litern Schwarz und zwei Litern Blau hat er an diesem Tag eine Fassade am Abrisshaus am Strand von Portals gestaltet. Es soll ein überdimensionales Handtuch werden. Den anderen Teil bestreitet ein Engländer. "Ich habe gedacht, an einem Haus am Strand auf Mallorca würde das Thema Handtuch gut passen, zumal hier viele Engländer sind", sagt Loomit.

Unterstützt wird er dabei von Banek, dem Sohn eines Deutschen und einer Mallorquinerin. Banek heißt eigentlich Pere Botsmann Bennàssar und studiert Kunst in Barcelona. Für die Keramikfabrik seine Mutter hat er aber auch schon Porzellan gestaltet. Ob er von der Kunst leben kann, weiß er noch nicht. Die Organisatoren der Beach Art Jam sind von seiner Arbeit begeistert.

Ein ähnlich klingender Künstler kann mittlerweile sehr gut davon leben. Ein Werk des Streetartkünstlers Banksy ist kürzlich in London für 150.000 Euro versteigert worden.

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