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El Terrenos täglich Brot: Nach sechs Jahren hat Palmas Stadtviertel wieder eine Bäckerei

Traditionelle Backware handmade in Mallorca: Die Bäckerei Can Pa ist für die Anwohner eine Bereicherung, für drei geistig behinderte Mitarbeiter eine Eingliederung ins Berufsleben

Für die Anwohner und Urlauber in El Terreno ist die kleine Bäckerei Can Pa eine Bereicherung. | Patricia Lozano

| Palma, Mallorca |

Geschichten wie diese machen Mallorca so liebenswert. Und so besonders. Unter den Anwohnern in Palmas Stadtviertel El Terreno gibt es in diesen Tagen kaum ein anderes Gesprächsthema. „Hast du schon die neue Bäckerei gesehen? Warst du schon da?”, fragen sie sich gegenseitig.

Nach fast sechs Jahren, in denen die Menschen im Viertel ohne Bäckerei auskommen mussten, ist in der vergangenen Woche nun das Can Pa eröffnet worden. Es befindet sich in bester Lage: direkt an der Hauptstraße Joan Miró, gleich neben der Plaça Gomila.

Dahinter steckt die Fundación Esment, die 1962 auf Mallorca gegründet wurde und sich seitdem für Menschen mit Behinderungen auf der Insel einsetzt. In der Bäckerei Can Pa arbeiten deshalb drei Menschen mit geistiger Behinderung, erklärt Merce Marrero Fuster von der Stiftung. Im gesamten Projekt sind 40 Menschen mit jenen Behinderungen und neun Fachleute beschäftigt.

„Die Anwohner sind sehr glücklich, dass es endlich wieder eine Bäckerei in ihrer Nachbarschaft gibt und haben sie seit dem ersten Tag sehr gut angenommen”, erzählt Oscar Martínez, der die neue Panadería betreut.

Im Mittelpunkt stehen in Handarbeit gebackene Brote, in denen meistens auch Mehle in Bio-Qualität verarbeitet werden. „Wir setzen auf gute Produkte zu erschwinglichen Preisen”, so Oscar Martínez. „Wir wollen eine klare Linie fahren.”

Beim Blick auf den Tresen wird schnell klar: Im Can Pa geht es ursprünglich zu. Kein moderner Schnickschnack, stattdessen ehrliche, bodenständige Insel-Ware. Ensaïmadas, die mallorquinische Schmalzschnecke, findet sich hier ebenso wie Cremadillos, süße, mit Creme gefüllte Teilchen und Croissants. Wer es lieber herzhaft mag, kann sich eine Coca mit nach Hause nehmen, ein mit Gemüse belegter Teig, der einer Pizza gleicht. Auch Empanadas mit gut gewürzter Hähnchenfüllung sind im Angebot.

Obwohl im Eingangsbereich ein steinerner Tisch samt Bank steht, ist es bisher noch nicht möglich, vor Ort auch direkt zu frühstücken. „Wir haben noch keinen Kaffee-Service, aber schließen nicht aus, dass er in der Zukunft noch geschaffen werden könnte”, kommentiert Martínez. Montags und dienstags sind die Ruhetage des Can Pa. Von mittwochs bis einschließlich freitags ist der Laden von 7.30 bis 16 Uhr geöffnet, samstags und sonntags zwischen 9 und 14 Uhr.

2018 hatte die letzte Bäckerei im Terreno geschlossen, weil kein Nachfolger gefunden werden konnte. Seitdem gab es weit und breit kein Geschäft, in dem man frische Backwaren kaufen konnte. Can Pa wird aber nicht nur für die Anwohner des Viertels, das zwischen Palmas Hafen und dem Schloss Bellver liegt, eine Bereicherung sein. Auch Urlauber werden von der Neuerung profitieren.

Dass El Terreno im Aufschwung ist, wie kaum ein anderes Barrio der Inselhauptstadt, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich bemerkbar gemacht. Mittlerweile gibt es viele Ferienwohnungen und deutlich mehr Urlauber.

Auch baulich hat sich das Bild in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Durch die Gentrifizierung sind immer mehr neue Boutiquehotels, Bars und Restaurants entstanden. Auch kleinere Läden, wie etwa eine Schneiderei, ein Blumenladen und Yogastudios sind in den vergangenen Monaten eröffnet worden. Viele, teilweise zerfallene Immobilien wurden aufwendig saniert und verkauft.

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