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Neues Gesicht bei Real Mallorca

Der deutsche Unternehmer Utz Claassen ist neuer Miteigentümer von Real Mallorca

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Die Botschaft war nicht zu überhören: Seht her, ich bin ein netter Kerl und führe nur Gutes im Schilde. Mit einem diplomatischen Auftritt hat sich der neue Miteigentümer des Fußballklubs Real Mallorca, der deutsche Unternehmer Utz Claassen (47, auf dem Foto ganz rechts), der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Anschluss an die erste Verwaltungsrats-Sitzung seit seinem Einstieg als Teilhaber stellte er sich am Montagabend im Trophäensaal des Klubs den kritischen Fragen der zahlreichen Journalisten, die den Geschäftsmann misstrauisch beäugten.

„Ich bin keine Bedrohung”, sagte Claassen in flüssigem Spanisch. „Ich bin ein Freund und will dem Klub helfen.” Er sei nicht gekommen, um den Mallorquinern zu erklären, wie man einen Fußballklub zu führen hat. Die anderen Herren im Verwaltungsrat seien allesamt Experten und herausragenden Persönlichkeiten. Der Umgang sei sehr freundschaftlich. Er habe nicht vor, sich in sportliche Belange zu mischen. Auch erwarte er keinesfalls eine kurzfristige Rendite der investierten Summe. Dem Vernehmen nach soll Claassen rund 200.000 Euro für zehn Prozent der Klubanteile bezahlt haben.

Was der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Energie-Konzerns EnBW erreichen will an diesem Montagabend, an dem er erstmals vor die mallorquinische Presse tritt, ist überdeutlich: Es geht ihm darum, die Zweifel an seinen Absichten zu zerstreuen. Es handele sich um ein langfristiges Engagement, versichert er. Das Erreichen bestimmter sportlicher Ziele fordere er nicht ein. Seine Aussage, man müsse versuchen, Real Mallorca zur Nummer drei in Spaniens Fußball hinter Real Madrid und Barça zu machen, sei strikt perspektivisch gemeint. „Ich bin kein Utopist”, wiederholt er mehrmals.

Das Presse-Echo auf Claasens Auftritt fällt verhalten aus. Das mehrmonatige Hin und Her beim Inselklub, der hoch verschuldet ist und mitten in einem Insolvenzverfahren steckt, wirkt offenbar noch nach: Mehrere ausländische Investoren hatten sich im Laufe der Zeit als Retter des Klubs präsentiert, um dann sang- und klanglos wieder in der Versenkung zu verschwinden. Besondere Erwähnung fanden in den mallorquinischen Presseberichten Claasens „mehr als akzeptable Spanischkenntnisse” (Diario de Mallorca) sowie „sein Bodyguard, der ihn auf Schritt und Tritt verfolgte” (Ultima Hora).

Keine Überzeugungsarbeit mehr muss Claassen offenbar beim Präsidenten von Real Mallorca leisten. Jaume Cladera verabschiedete den Deutschen nach guter mallorquinischer Sitte mit einer freundschaftlichen Umarmung.

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