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Digitaler Datenklau

Russische Hacker fordern von der Gemeinde Calvià Lösegeld in Millionenhöhe

Medienberichten zufolge steckt hinter der Cyberattacke vom vergangenen Samstag die Hackergruppe LockBit. Die Bürger sind derweil angehalten, Behördengängen persönlich zu erledigen.

Nach dem Cyberangriff auf das kommunale Servernetz richtete Calvià einen Krisenstab (Foto) ein. | Rathaus Calvià

| | Palma, Mallorca |

Nach dem Hackerangriff vom vergangenen Wochenende sind die Server des Rathauses Calvià auch zu Wochenbeginn weiterhin lahmgelegt gewesen. Der Bürgermeister der Touristenhochburg im Südwesten von Mallorca, Juan Antonio Amengual, sagte am Montag gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora", dass das Ausmaß der Cyberattacke gegenwärtig noch Gegenstand von Untersuchungen von IT-Forensikern sei. "Wir können derzeit noch nicht sagen, in welchem Umfang sich die Hacker Zugang zu privaten Daten gemacht haben", so Amengual. Die Kommune war am frühen Samstagmorgen auf den Angriff auf ihre Serverinfrastruktur aufmerksam geworden.

Hinter dem Cyberangriff steht Medienberichten zufolge die russische Randomsoftwaregruppe LockBit. Amengual bestätigte am Montag gegenüber "Ultima Hora", dass der Gemeinde eine Lösegeldforderung in Höhe von zehn Millionen Euro zugegangen sei. LockBit habe sich bereit erklärt, nach Zahlung der Summe das gekaperte Servernetz wieder freizugeben. An die Zahlung eines Lösegelds wird laut Amengual aber nicht gedacht. "Wir können und wollen uns von Kriminellen nicht erpressen lassen."

Laut Amengual sind IT-Experten seit Samstag damit beschäftigt, "ein neues und sicheres Netz aufzubauen". Die Gemeinde erhalte dabei Unterstützung von Sachkundigen aus dem Inselrat, der Landesregierung und von externen Spezialisten. Aus Sicherheitsgründen stellte Calvià im Zuge des Hackerangriffs online-Behördengänge bis 31. Januar weitgehend ein. Dieses Zeitfenster habe man sich gesetzt, "um bis dahin die Situation wieder unter zu Kontrolle zu haben", sagte Amengual. In der Zwischenzeit rief der Bürgermeister die Einwohner auf, Behördenangelegenheiten persönlich im Rathaus zu erledigen.

Derweil reichte die Gemeinde am Montag Anzeige bei der auf Cyberkriminalität spezialisierten Einheit der Guardia Civil ein. Gleichzeitig, so Bürgermeister Amengual, habe man das spanische Kompetenzzentrum für Kryptologie (Centro Criptología Nacional) über den Zwischenfall in Kenntnis gesetzt.

LockBit ist derzeit eine der aktivsten Hackergruppen weltweit. Erst Mitte Dezember vergangenen Jahres legte die Gruppe das Servernetz der Deutschen-Energieagentur lahm. Ziel ihrer Cyberattacken waren im vergangenen Jahr unter anderem Chinas größte Bank, die Industrial & Commercial Bank of China, der amerikanische Flugzeugbauer Boeing sowie der Chiphersteller TSMC.

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