Mallorca und die Nachbarinseln hat seit geraumer Zeit eine beispiellose Wohnungskrise fest im Griff. Wie aus einer Studie der Universität Rey Juan Carlos hervorgeht, liegt der durchschnittliche Mietzins mittlerweile bei 1.604 Euro pro Monat. Zum Vergleich: 2001 lag dieser Wert noch bei 1.164 Euro. Treiber der Mieten ist demnach vor allem die Wohnungsknappheit, schreibt am Mittwoch die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". Denn seit dem Ende der Corona-Pandemie 2021 sei die Zahl verfügbarer Mietwohnungen um 32,87 Prozent von 48.921 auf nunmehr 32.843 Einheiten gesunken.
Mehr als 1.600 Euro Miete bedeuten nach Darstellung des Studienleiters Sergio Cardona einen Rekordwert für die Inselgruppe. Neben dem knappen Angebot liegen die Ursachen für den rasanten Preisanstieg in den zurückliegenden vier Jahren auf der Hand: „Die Pandemie hatte zunächst einen dämpfenden Effekt, vor allem weil die Nachfrage nach Ferienwohnungen im Keller war. Aber seit 2021 steigen die Mieten kontinuierlich." Von 1.286 Euro in 2022 über 1.433 Euro in 2023 bis zum aktuellen Spitzenwert von 1.604 Euro zeige die Kurve steil nach oben.
Trotz der üppigen Preise sei die Nachfrage ungebrochen hoch, so der Analyst. "Durchschnittlich bewerben sich innerhalb der ersten zehn Tage 111 Interessenten um eine Mietwohnung." Mehrere Faktoren heizten diese Entwicklung weiter an, etwa das attraktive Klima auf Mallorca und die robuste Inselwirtschaft.
Das habe zur Folge, dass Einheimische beim Kampf um eine Mietwohnung auch zahlreichen ausländischen Mitbewerbern gegenüberstünden. Gleichzeitig hemmten Rechtslage und Unsicherheiten unter Vermietern die Bereitschaft, leerstehende Wohnungen auf den Mietmarkt zu werfen. Die Angst, ungebetene Hausbesetzer erst nach Monaten und langen Mietausfällen wieder loszuwerden, sitze tief, sagt Cardona.
„Die Wohnungspolitik schafft derzeit mehr Probleme als Lösungen", fasst Cardona die gegenwärtige Stimmung zusammen. Komplexe rechtliche Rahmenbedingungen führten dazu, dass Vermieter zurückhaltend und abwartend agierten. Viele Einheimische, vom Studenten bis zum fest im Leben stehenden Erwachsenen, seien daher gezwungen, mit Zweckwohngemeinschaften vorlieb zu nehmen.
Die balearische Landesregierung ist sich der sozialen Sprengkraft des Problems bewusst und versucht gegenzusteuern. Mit dem Programm Alquiler Seguro (deutsch: Sicheres Mieten) sollen Vermieter motiviert werden, leerstehende Wohnungen anzubieten. Für Cardona geht diese Maßnahme aber nicht weit genug. „Entscheidend wird der Wohnungsneubau sein. Eine gezielte Territorialplanung ist der Schlüssel zur Lösung."
Der sprunghafte Anstieg der Mieten auf Mallorca und den anderen Baleareninseln hat nach Meinung von Cardona dazu geführt, dass die Inselgruppe selbst traditionell hochpreisigen Metropolen wie Madrid und Barcelona den Rang abläuft. Eine baldige Entspannung auf dem Mietmarkt werde sich zudem nicht einstellen. "Die Preise werden weiter steigen, dafür sorgt schon die hohe Nachfrage."