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Verkehrswende

Verkehrskollaps und Stau-Wahnsinn auf Mallorca – die Insel gerät "unter die Räder"

Mit einem Bestand von 1,1 Millionen Fahrzeugen sind die Balearen auf dem besten Weg, ihre Straßen für immer zu überlasten. Wie das verhindert werden soll

Stau auf Palmas Ringautobahn Vía de Cintura (Ma-20).

| Palma, Mallorca |

Mit einem Bestand von 1,1 Millionen Fahrzeugen sind die Balearen auf dem besten Weg, ihre Straßen für immer zu überlasten. Bereits jetzt rangiert die Inselgruppe um Mallorca hinter Madrid als zweite spanische Provinz mit der höchsten Anzahl an Autos pro tausend Einwohner – ein alarmierender Rekord, der Jahr für Jahr neue Höhen erreicht. Experten warnen vor einem Verkehrschaos, das nicht nur ökologische und soziale, sondern auch ökonomische Folgen nach sich zieht.

Das Ergebnis dieser Entwicklung ist der stetig steigende Verkehr, der sich in der Hochsaison zu einem lähmenden Stillstand auf den Straßen ausweitet. Der soziale und wirtschaftliche Preis dieses Zustands lässt sich kaum beziffern, doch der Trend ist unverkennbar: Die Inseln ertrinken im eigenen Wachstum. "Was als beschauliches Urlaubsparadies begann, ist längst ein überfülltes Verkehrsmonster", beschreibt die spanischsprachige MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" die Lage. Die Gründe liegen nicht nur im anhaltenden Boom des Mietwagenmarktes, sondern auch in einer verfehlten urbanistischen Planung, die zunehmend zum Hindernis für die Lebensqualität wird.

Zahl der Pendler steigt weiter an

Ein weiteres alarmierendes Signal: Die Zahl der Pendler, die in den vergangenen Jahren aus Palma in die weniger zentralen Regionen der "Part Forana", also aufs Land, gezogen sind, steigt rasant. Die Wohnungskrise in Palma zwingt immer mehr Bürger in die Peripherie, was den Druck auf die ohnehin überlasteten Verkehrsnetze noch verstärkt. Der Trend, sich aus der Hauptstadt in die Vororte abzusetzen, ist längst keine Ausnahme mehr – er ist zur Regel geworden. Wer sich diese Migration leisten kann, zieht in den sogenannten "Zugkorridor" zwischen Marratxí und Inca, um vom kostenlosen öffentlichen Nahverkehr zu profitieren. Die anderen, die auf das Auto angewiesen sind, sind zum täglichen Pendeln verdammt, auf Straßen, die längst an ihre Grenzen stoßen.

Doch der wahre Verursacher des Verkehrsproblems bleibt unbenannt: Während viele den wachsenden Mietwagenmarkt verantwortlich machen, zeigt eine 2019 durchgeführte Studie auf, dass 80 Prozent der Fahrten auf Mallorcas Straßen in der Hochsaison von Einheimischen durchgeführt werden. Der Verkehr auf den Straßen ist damit vor allem ein hausgemachtes Problem, das durch die Unfähigkeit, das Wachstum adäquat zu steuern, weiter angeheizt wird. 40 Prozent der Fahrten betreffen lediglich Bewegungen zwischen den Gemeinden – Palma ist dabei nach wie vor das Zentrum der Insel, mit 20 Prozent der Fahrten, die in und aus der Hauptstadt führen. Doch diese Realität scheint sich in den letzten Jahren rasant zu verändern.

Kollaps im Alltag

Der Straßenverkehr auf den Balearen ist längst keine Randerscheinung mehr, sondern prägt das Leben der Inselbewohner. Die Verkehrsbelastung hat nicht nur in den typischen Stoßzeiten einen kritischen Punkt erreicht, sondern betrifft zunehmend auch Zeiten außerhalb des Berufsverkehrs. Die Zahl der täglichen Fahrzeuge in den Straßen ist so hoch, dass die Inseln es kaum noch schaffen, die Mobilität zu gewährleisten, ohne das ökologische Gleichgewicht weiter zu zerstören. Laut offiziellen Daten von 2023 gibt es auf den Balearen zehn Fahrzeuge für je 9,2 Einwohner, was zu einem täglichen Verkehrsaufkommen von rund 13.000 Fahrzeugen führt. Das bedeutet: Die Straßen sind überlastet, und ein Ende dieses Zustands ist nicht in Sicht.

Eine historische Entscheidung steht bevor

Vor diesem Hintergrund hat der Inselrat nun die Notwendigkeit erkannt, eine drastische Verkehrswende umzusetzen. Ab 2025 soll die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen begrenzt werden – ein mutiger Schritt, der auf den erfolgreichen Modellen von Formentera und Ibiza basiert. Doch die Umsetzung dieser Maßnahmen wird alles andere als einfach. Die Regierung unter Marga Prohens ist in einer Minderheitsposition und muss auf einen breiten politischen Konsens setzen, um diese weitreichenden Einschränkungen durchzusetzen.

Die Balearen stehen also an einem Scheideweg: Entweder wird das Wachstum endlich in die richtigen Bahnen gelenkt, oder die Inseln werden weiterhin in einem Strudel aus überfüllten Straßen versinken. Der Ball liegt nun bei der Regierung und den Entscheidungsträgern, die den Mut aufbringen müssen, die Infrastrukturkrise in den Griff zu bekommen, bevor das Verkehrschaos Mallorca für immer lähmt.

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