Wer auf Mallorca einen kurzfristigen Termin in einer Autowerkstatt sucht, braucht Geduld. Hohe Nachfrage, ein wachsender und zugleich in die Jahre gekommener Fahrzeugbestand sowie der akute Mangel an Fachkräften sorgen dafür, dass viele Betriebe hoffnungslos überlastet sind. Nach Schätzungen des Branchenverbands ABERAN fehlen derzeit "mehr als 1000 Mechaniker" auf den vier bewohnten Inseln.
"Das große Problem ist fehlendes Personal", sagt Joan Sureda, Vizepräsident von ABERAN, dem mehr als 400 Kfz-Werkstätten angehören. Zwar verließen jedes Jahr zahlreiche junge Menschen die technischen Berufsschulen, doch benötigten sie zusätzliche Ausbildungszeit im Betrieb. Zudem hätten kleinere Werkstätten im Wettbewerb um Nachwuchs einen strukturellen Nachteil. Pflichtpraktika im Rahmen der Berufsabschlüsse könnten häufig nur große Autohäuser anbieten, die alle geforderten Fachbereiche abdeckten. "Die kleinen Betriebe verlieren dadurch wichtige Ausbildungsmöglichkeiten", so Sureda.
Der Personalmangel wirkt sich unmittelbar auf den Alltag der Kunden aus. Kurzfristige Reparaturtermine seien "kaum noch möglich", sagt Sureda. In vielen Fällen müssten Termine mit zwei Wochen Vorlauf vergeben werden, bei größeren Reparaturen sogar mit bis zu einem Monat. "Es gibt weniger Werkstätten, aber immer mehr Autos", erklärt Sureda. Hinzu komme, dass ältere Fahrzeuge häufiger repariert werden müssten und die Beschaffung von Ersatzteilen zunehmend stocke. Das führe in vielen Betrieben zu einem "faktischen Arbeitsstau".
Die Überlastung zeigt sich auch außerhalb der Werkstätten. Defekte Fahrzeuge stehen auf Mallorca teils tagelang auf öffentlichen Parkflächen, weil es an Abstellmöglichkeiten fehlt. Für Anwohner wie auch für die Betriebe selbst werde dies zunehmend zum Problem, glaubt Sureda.
Gleichzeitig steigen die Kosten. Ersatzteile seien teuer, die Betriebsausgaben wüchsen kontinuierlich, während die Gewinnmargen gering blieben. "Man hält uns für teuer, dabei lassen die Kosten kaum Spielraum", sagt Sureda.
Als mögliche Auswege nennt der Verband die gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte sowie eine stärkere Förderung der Ausbildung. Modelle wie die duale Berufsausbildung hätten sich bewährt. "Diese Absolventen finden alle eine Stelle", sagt Sureda. Entscheidend sei nun, wieder mehr junge Menschen für das Handwerk zu begeistern – um einen weiteren Aderlass in der Branche zu verhindern.