Viel Zeit ist nicht mehr: In zahlreichen Hotels der Insel laufen die Vorbereitungen auf die neue Tourismussaison bereits auf Hochtouren. In etwas mehr als einem Monat ist Ostern und dann soll ein Großteil der Übernachtungsbetriebe bereits geöffnet haben. Zehntausende Urlauber wollen dann an den Stränden der Insel in der Sonne liegen, ein erstes Bad im Meer wagen und es sich gutgehen lassen. Noch aber ist vielerorts gänzlich unklar, wie die Strandbewirtschaftung in diesem Jahr vonstattengehen wird. Die Furcht geht um, an manchen Küstenabschnitten müssten die Touristen auf Strandliegen, Sonnenschirme, Rettungsschwimmer, öffentliche Toiletten, Strand-reinigung und sonstigen Service verzichten.
„Ein Unding”, findet Onofre Fornés. „Im Grunde müsste das gesamte Verfahren mit einem Jahr Vorlauf abgeschlossen sein.” Fornés ist Vorsitzender des Verbandes Adopuma, in dem etwa zwei Dutzend Firmen zusammengeschlossen sind, die über Strandlizenzen verfügen. Harsch kritisiert er die Verwaltung für ihre Langsamkeit und fehlende Beweglichkeit. „Das ist ein generelles Problem hierzulande”, sagt er. „Ein endemisches Übel.” Palma, Llucmajor, Sant Llorenç, Sóller, Andratx – wie es dort zum Saisonstart an den Stränden aussehen wird, ist derzeit noch völlig unklar.
Dabei ist die Vergabe der Strandlizenzen für Städte und Gemeinden eine bedeutende Einnahmequelle. „Das sind überlebenswichtige Einnahmen, um die städtischen Haushalte zu finanzieren”, sagt Fornés. Je nach Lage und Größe der Strände müssen die Konzessionäre pro Jahr bis zu mehrere Millionen Euro zahlen. Im Gegenzug betreiben sie in der Regel für vier Jahre das lukrative Geschäft mit den Badegästen. Dabei müssen sie die zuvor von den Städten und Gemeinden aufgestellten Kriterien erfüllen. Die Vorgaben sind sehr detailliert und reichen vom Material der Sonnenliegen über die Häufigkeit der Sandreinigung bis zur Beschilderung der Strände.
Zudem wandeln sich die Kriterien im Laufe der Zeit. „Ja, es gibt eine Tendenz hin zum Luxus”, sagt Onofre Fornés. „Das Ziel ist ganz klar der Qualitätstourismus.” Ein besonders gutes Beispiel dafür ist die Playa de Palma, Mallorcas wichtigste Urlaubsmeile. Jahrzehntelang war dort für die Strandbewirtschaftung das Unternehmen Mar de Mallorca zuständig. Zuletzt wurde die Konzession immer wieder verlängert, erst Ende vergangenen Jahres kam es nun endlich zur Ausschreibung. Diese bringt eine ganze Reihe von Neuerungen mit sich.
45 Euro pro Premium-Liege
So werden etwa die offiziellen Preise, die die Stadt vorgibt, deutlich angehoben. Laut Ausschreibung sollen Strandbesucher künftig zehn Euro pro Sonnenliege zahlen (bisher: sechs). Pro Sonnenschirm werden ebenfalls zehn Euro fällig (bisher: sechs). Die an den Sonnenschirmen befestigten Tresore kosten dann fünf Euro (bisher: ein Euro). Pro Premium-Liege werden 45 Euro fällig (bisher: 30). Ferner wird dem Konzessionär das Recht eingeräumt, an verschiedenen Stellen der Playa de Palma statt der herkömmlichen Standard-Liegen Premium-Liegen aufzustellen.
Die Stadt argumentiert, die Preise seien seit geraumer Zeit nicht angepasst worden, genauer gesagt seit 2019. In dem Zeitraum wiederum habe die allgemeine Teuerungsrate 22,4 Prozent betragen. Nun sei daher eine Anpassung der Preise nötig. Kritik daran kommt unter anderem vom Umweltschutzverband GOB. Es gebe keine Rechtfertigung für eine solch drastische Anhebung, die bei bis zu 400 Prozent liege. Das gesamte Modell sei auf Touristen ausgerichtet, die sich ständig steigende Preise leisten können, aber die Menschen in Palma außer Acht lässt. „Die Politik darf die Strände nicht zu einem Luxus-produkt machen oder die Bewohner von ihrer täglichen Nutzung ausschließen. Das gesamte Vergabeverfahren sei obendrein wenig transparent. „Wir erinnern daran, dass die Küste und die Strände ein öffentliches Gut sind”, heißt es in einer GOB-Pressemitteilung.
Positiv sieht die Neuausschreibung der Strandbewirtschaftung an der Playa de Palma der Vorsitzende der dortigen Hoteliersvereinigung, Pedro Marín. „Zuletzt war die Lage desaströs”, sagt er. Der Konzessionär habe nur das Nötigste getan, Infrastruktur und Sauberkeit hätten zu wünschen übrig gelassen. Die Kriterien seien nun deutlich verschärft worden. Er hofft, künftig werde es nun keine alten Strandliegen mehr geben, dafür aber mehr Duschen und Sporteinrichtungen. Auch die höhere Zahl an Premium-Liegen trage zur Aufwertung der Playa de Palma bei. Dass die Stadt nun mit der Ausschreibung so spät dran ist, sei kein Problem, hofft er. Die Firmen, die sich um die Konzession beworben haben, hätten schließlich langjährige Erfahrung in der Branche und könnten den Betrieb gewiss innerhalb kurzer Zeit aufnehmen.
Nicht betroffen von der aktuellen Neuausschreibung sind derweil die 15 Strandbars, die Balnearios, die an der Playa de Palma verteilt liegen. Diese werden laut Marín im Rahmen einer separaten Konzession bewirtschaftet. Auch hier fordert er eine Neuausrichtung im Sinne der Qualitätsstrategie an der Playa de Palma. Außerdem müsste man ihre Zahl auf fünf reduzieren, findet er. Ein weiteres Problem sei die seit ihrem Abriss fehlende Begrenzungsmauer des Strandes. Die Stürme der vergangenen Wochen hatten den Sand bis auf die Terrassen der Lokale am Uferboulevard verteilt. Auch hier hofft Marín nun auf eine baldige Lösung.
Eine weitere Neuerung der Ausschreibung der Bewirtschaftung der Playa de Palma ist die Reduzierung der Gesamtzahl der Sonnen-Liegen und -Schirme. Ihre Zahl sinkt nicht nur an der Playa de Palma deutlich, sondern auch an den anderen Stränden der Stadt in Cala Major, Ciutat Jardí und Cala Estància. Laut Stadtverwaltung gab es zuletzt vermehrt Beschwerden von Bürgern, die den Mangel an freien Flächen beklagten. Offenbar sorgen in Palma aufgrund des steigenden Meeresspiegels die Wellen für ein Schrumpfen der Strände.
„Das Thema Klimawandel macht uns Sorgen”, räumt Verbandschef Onofre Fornés ein. „Es betrifft uns ganz direkt.” An der Nordküste, an der Platja de Muro, sei der Strand stellenweise nur noch vier Meter breit. Früher seien es zwölf Meter gewesen. Eine Ursache in diesem Fall: veränderte Strömungsverhältnisse im Meer, möglicherweise wegen des Baus eines Wellenbrechers im Hafen von Alcúdia, vermutet er. Stellenweise reiche der Platz an der Küste nicht aus, die erlaubten Sonnenliegen aufzustellen. Denn die Küstenbehörde verlange, dass immer mindestens sechs Meter Platz zum Wasser bleiben. Eigentlich müsste man die Strände künstlich wieder aufschütten. Das aber genehmigten die Rathäuser in der Regel nicht. Laut Fornés ein weiteres Beispiel für die fehlende Beweglichkeit der öffentlichen Verwaltung.