Die Stadtverwaltung von Palma de Mallorca will fast zwei Millionen Euro in die Außenrenovierung der Gebäude von S’Escorxador investieren. Das zentral gelegene Areal, einst städtischer Schlachthof und entworfen vom mallorquinischen Architekten Gaspar Bennàssar, gilt als architektonisches Schmuckstück – und als Sorgenkind. „Ein umfassender Investitionsplan ist erforderlich, um S’Escorxador zu renovieren“, räumten kommunale Quellen ein. Ziel sei es, dass das Gelände wieder zum lebendigen Mittelpunkt des Viertels werde.
Lange war das Ensemble mit seinen Backsteinfassaden und Innenhöfen Treffpunkt für Einheimische, deutsche Residenten und Urlauber gleichermaßen. Cafés, ein Programm-Kino, Kulturangebote und der beliebte Markt sorgten für ein reges Kommen und Gehen. Doch viele Gebäude und Außenanlagen wirken inzwischen heruntergekommen, Geschäfte stehen leer, Grünflächen sind ungepflegt. Anwohner sprechen von einem schleichenden Niedergang.
Nostalgie und leere Treffpunkte
„Ich sehe meine Großmutter nicht mehr mit ihren Freundinnen oder zu ihren Zumba-Kursen gehen, weil dieser Treffpunkt hier nach und nach verschwindet“, sagt Julia Molina gegenüber der spanischen MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". Ihre Großmutter Carmen Inserte habe sich früher regelmäßig mit Bekannten in S’Escorxador getroffen. Spaziergänge mit dem Hund, Freizeitangebote, ein Besuch im inzwischen geschlossenen Mercado de San Juan – all das sei Teil des nachbarschaftlichen Lebens gewesen. „Es ist unangenehm, es so zu sehen, wie es jetzt ist. Man hat keine Lust mehr, hierher zu kommen, wenn man weiß, wie es früher war“, sagt Molina.
Ähnlich äußert sich der 69-jährige López. „Es ist schade, dass S’Escorxador verlassen ist und die Straßen sehr schmutzig sind. Dabei ist die Gegend fantastisch“, sagt er. Es brauche dringend mehr Pflege, wiedereröffnete Cafés und instand gesetzte Gärten. Besonders schmerzlich sei die Schließung des Marktes. „Früher herrschte hier reges Treiben mit Fisch- und Fleischständen, Tapas und sogar einer Disco. Seit der Schließung ist alles sehr tot.“
Studenten fordern mehr Angebote
Auch junge Menschen vermissen Impulse. Molina, die als Studentin regelmäßig die Bibliothek im Komplex nutzt, kritisiert den Zustand der Anlagen und das begrenzte Platzangebot. „Manchmal hat man Glück und findet einen Platz“, sagt sie. Gerade in Prüfungszeiten sei die Situation schwierig. „Die Öffnungszeiten müssten verlängert werden, auch am Wochenende. Sonntags ist geschlossen – das passt nicht zu einem Viertel, das eigentlich lebt.“
Am Vormittag zeigt sich dennoch ein anderes Bild. In geöffneten Cafés, im Supermarkt oder im Gesundheitszentrum herrscht Betrieb. Auf der Terrasse von La Casita del Reloj trinken Diego Hernández (80) und Javier Armadas (65) ihren Kaffee. Armadas kommt seit mehr als 43 Jahren hierher. „Es fehlt ein bisschen Leben“, sagt er. „Der Markt sorgte für Bewegung, seitdem ist es ruhiger geworden.“ Dennoch betonen beide, dass das Viertel Potenzial habe: „Es sind den ganzen Tag über Menschen hier. Die Bars müssen nicht nur am Nachmittag öffnen.“