Der landesweite Ärztestreik in Spanien hat auf Mallorca zum Wochenbeginn zu erheblichen Einschränkungen im Gesundheitswesen geführt. Nach Angaben der Ärztegewerkschaft der Balearen (Simebal) beteiligten sich am Montag "zwischen 70 und 85 Prozent der Krankenhausärzte" an den Arbeitsniederlegungen. In der Primärversorgung habe die Beteiligung je nach Insel zwischen 40 und 60 Prozent gelegen.
Die Streiks sind Teil einer Serie von jeweils fünf Protesttagen, zu denen Ärztegewerkschaften in ganz Spanien aufgerufen haben. Hintergrund ist ein festgefahrener Konflikt mit dem Madrider Gesundheitsministerium über die Arbeitsbedingungen der Mediziner. Die Gewerkschaften fordern ein eigenes gesetzliches Rahmenstatut für Ärzte, das die Besonderheiten des Berufs stärker berücksichtigen soll und unabhängig von den Regelungen für anderes medizinisches Personal ist.
Auf den Balearen führte der Streik bereits am ersten Tag zu zahlreichen abgesagten Behandlungen. Nach Angaben des regionalen Gesundheitsdienstes IB-Salut wurden insgesamt 76 Operationen gestrichen. Zudem fielen mehr als 1.700 Facharzttermine und diagnostische Untersuchungen aus sowie über 2.000 Konsultationen in der Primärversorgung.
Besonders hoch war die Beteiligung unter den Ärzten in Weiterbildung, den sogenannten Médicos Internos Residentes (MIR). In strategisch wichtigen Bereichen wie der Anästhesie habe es eine "massive" Streikbeteiligung gegeben, teilte Simebal mit. Am Großklinikum Son Espases in Palma hätten sich demnach rund 95 Prozent der Assistenzärzte beteiligt.
Die Gewerkschaft sprach von "erheblichen Auswirkungen" auf die medizinische Versorgung. Auch zahlreiche ambulante Dienste seien betroffen gewesen. Zugleich verwies Simebal darauf, dass die von der Regionalregierung angeordneten Mindestdienste höher seien als bei früheren Streiks. Dadurch werde sowohl die "tatsächliche Beteiligung als auch der sichtbare Effekt" für Patienten teilweise begrenzt.
Vor mehreren Krankenhäusern versammelten sich Ärzte zu Kundgebungen, um Kollegen zu unterstützen, die wegen der vorgeschriebenen Mindestdienste (servicios mínimos) weiterarbeiten mussten. Bis kommenden Freitag sind weitere Protestaktionen geplant.
Der Präsident der Ärztekammer der Balearen (COMIB), Carles Recasens, warnte Gesundheitsministerin Mónica García, die Ärzte würden "nicht nachgeben". In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur EFE äußerte er zudem Unverständnis darüber, dass die Ministerin, selbst Ärztin, sich entschieden habe, "wegzuschauen".
Recasens erklärte, viele Ärzte hätten über Jahre hinweg kaum für bessere Arbeitsbedingungen protestiert. Nun wollten sie Verbesserungen durchsetzen, die letztlich auch den Patienten zugutekämen. Auffällig sei zudem, dass sich an den Demonstrationen auch viele Mediziner kurz vor dem Ruhestand beteiligten – "nicht für sich selbst, sondern für die Ärzteschaft und den Nachwuchs“, sagte er.