Der Flughafen Son Bonet bei Marratxí steht heute im Schatten seines deutlich größeren Bruders Son Sant Joan. Den meisten deutschen Urlaubern ist der Flugplatz, der früher auch militärisch genutzt wurde und heute vor allem Flugschulen sowie der Sportfliegerei dient, kaum ein Begriff. Nur wenige Hobbypiloten und Luftfahrtenthusiasten dürften ihn kennen.
Bei einer Führung über das kompakte Flughafengelände gibt die spanische Direktorin Isabel Mendiguchía Einblicke in laufende Projekte und einen Rückblick auf die Geschichte von Son Bonet. Mendiguchía studierte Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität Madrid und erwarb anschließend einen Master in Flughafenmanagement und Luftverkehr. 2021 stieg sie beim spanischen Flughafenbetreiber AENA ein und war zunächst am Flughafen Menorca tätig. Seit knapp einem Jahr leitet sie nun den Flughafen Son Bonet.
Flugschulen und Feuerwehr
Aktuell haben rund ein Dutzend private Flugschulen, Helikopterschulen sowie Hangars für Privatflugzeuge und Luftfahrt-Servicefirmen auf dem Gelände ihren Sitz. In Son Bonet ist ebenfalls der zentrale Stützpunkt für die Waldbrandbekämpfung auf Mallorca und den Schwesterinseln untergebracht. Ein großer Teil der insgesamt 115 Hektar des Airports, was etwa 114 Fußballfeldern entspricht, ist als Reserve- und Erweiterungsfläche vorgesehen. Die Chefin des Flughafens Son Bonet nennt einige Fakten, um den Betrieb auf dem Airport anschaulicher zu machen: „Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt 23.232 Flugbewegungen, also Starts und Landungen zusammen.” Son Bonet ist ein sogenannter Sichtflug-Flughafen. Das bedeute, dass wenn das Wetter schlecht sei, viele Piloten am Boden blieben. Bei guten Bedingungen hingegen sehe man viele Sportflugzeuge in der Luft, und auch der eine oder andere Hubschrauber sei unterwegs.
Son Bonet wurde 1920 unter dem Namen „Aeródromo de Mallorca” als erster Flughafen der Insel in Betrieb genommen. Zwischen 1936 und 1939 diente der Airport während des Spanischen Bürgerkriegs als Militärbasis. Danach wurde er für den nationalen und internationalen Flugverkehr ausgebaut. „In den 1950er- und 1960er-Jahren war Son Bonet das wichtigste Ein- und Ausfalltor der Insel. Er spielte eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Tourismus auf Mallorca”, so Mendiguchía. Damals verfügte der Flughafen lediglich über ein kleines Terminal mit wenigen Dienstleistungen und Basis-Einrichtungen wie Polizei, Zoll und einem kleinen Kontrollturm.
In dieser Zeit wurde das Gepäck häufig noch mit von Tieren gezogenen Wagen transportiert, was ein Zeichen für den eher ländlichen Charakter jener Jahrzehnte ist. „Viele Deutsche reisten aus Städten wie Düsseldorf oder Frankfurt an. Sie kamen meist mit Propellerflugzeugen im Rahmen von Charterflügen, die von deutschen Reiseveranstaltern organisiert wurden. Der deutsche Tourismus hat maßgeblich zur Entwicklung Mallorcas beigetragen”, sagt Mendiguchía. 1960 eröffnete der Flughafen Palma de Mallorca (Son Sant Joan) als neuer ziviler Verkehrsflughafen und ersetzte Son Bonet, das dem steigenden Tourismusaufkommen nicht mehr gerecht werden konnte.
Bei dem Rundgang über das Gelände spricht Mendiguchía ferner davon, dass in Zukunft dort ein Luftfahrtmuseum geplant sei. „Die entsprechenden Pläne liegen bereits vor, doch hängt die Eröffnung noch von Genehmigungen ab. Ein genaues Datum kann ich daher noch nicht nennen”, sagt sie.
Generell stehen umfangreiche Investitionen an, um den kleinen Flughafen moderner und zukunftsfähiger zu gestalten. Kürzlich wurden hohe Summen in das Brandmelde- und Brandschutzsystem investiert, zudem erfolgten Anpassungen am Notfallplan. Um eine höhere Flugsicherheit zu gewährleisten, wurden neue Leitungen und Überwachungskameras entlang des gesamten Perimeters installiert. In diesem Jahr sind weitere Maßnahmen geplant, darunter Verbesserungen an den Wasserleitungen. Außerdem sollen die Motoren der Zugangstore am Sicherheitszaun erneuert werden, ebenso die Ausstattung der Feuerwehr auf dem Gelände.
Viel Geld soll in den Airport fließen
In den kommenden fünf Jahren sollen im Rahmen des DORA-III-Investitionsplans viele Gelder in den kleinen Airport fließen, so Mendiguchía. „Im neuen Fünfjahresplan für den Zeitraum 2027 bis 2031 sind Investitionen in Höhe von 7,9 Millionen Euro für den Flughafen Son Bonet vorgesehen”, erklärt sie. Mit den neuen Mitteln seien unter anderem die Erneuerung und Erweiterung der Vorfeldflächen geplant, neue Anschlüsse und Zugänge für die mögliche Verlegung des Kontrollzentrums von ENAIRE sowie die Modernisierung der Betriebsbüros und der Sicherheits- und Guardia-Civil-Posten.
Darüber hinaus sei angedacht, mit den finanziellen Ressourcen das Photovoltaikprojekt für eine Solaranlage am Flughafen intensiver anzugehen. Tatsächlich war erstmals 2021 von einer 19,4-MW-Photovoltaikanlage die Rede, doch kam es zu Verzögerungen und Komplikationen. Die Son-Bonet-Chefin sagt diesbezüglich: „Das Projekt läuft weiterhin durch die entsprechenden Verfahren. Allerdings ist ein solches Vorhaben mit vielen Umweltverfahren verbunden, etwa Genehmigungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen. Das macht den Prozess komplex und entsprechend langwierig.”
Insbesondere ein Bereich des Flugplatzes, südwestlich vom modernen Areal, spielte in der Anfangszeit des Flughafens im Rahmen des internationalen Flugverkehrs eine bedeutende Rolle. Allerdings ist er seit Jahren für die Öffentlichkeit gesperrt, also für Besucher nicht zugänglich. „Im Moment prüfen wir verschiedene Optionen, doch gibt es keine Entscheidung darüber, was künftig mit diesem Gelände geschehen soll”, so Mendiguchía.
Doch das moderne Areal des Flugplatzes dient nicht nur für Luftfahrt und Ausbildung. In einem Hangar werden im Rahmen des Projekt „Mestre d’Aixa” vom Inselrat traditionelle mallorquinische Boote restauriert.