Kurz vor Beginn der Urlaubssaison spitzt sich die Lage an Mallorcas größter Ferienmeile, der Playa de Palma, nach Einbruch der Dunkelheit erneut zu. Unternehmer und Anwohner berichten von gravierenden Sicherheitsmängeln, die vor allem nachts deutlich werden. Im Zentrum der Kritik: geschlossene Polizeistationen, fehlende Rettungskräfte und eine steigende Zahl von Diebstählen entlang der bekannten Partymeile.
Geschlossene Wachen, offene Fragen
Besonders brisant ist nach Angaben der Betroffenen die Situation bei der lokalen Polizei. „Nach Mitternacht sind beide Polizeistationen geschlossen“, klagen Geschäftsleute. Tatsächlich fanden sich an den Eingängen lediglich Hinweisschilder mit Notrufnummern. Für Touristen, die Opfer eines Diebstahls werden, bedeutet das: Sie wissen oft nicht, wohin sie sich wenden sollen.
Hinzu kommt ein praktisches Problem: Anzeigen können vielfach nicht direkt vor Ort aufgenommen werden. „Wenn nachts etwas passiert, ist die Wache zu. Und tagsüber fehlt manchmal ein deutscher Dolmetscher“, berichtet ein Unternehmer gegenüber der spanischen MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“. Die Folge sei, dass viele Delikte gar nicht angezeigt würden – und somit in keiner Statistik auftauchen.
Nach Einbruch der Dunkelheit verlagert sich das Geschehen auf die Straßen rund um die Party-Hotspots. Vor allem in der Calle del Jamón und angrenzenden Bereichen sollen sich Täter gezielt positionieren. „Sie warten einfach vor den Lokalen, bis jemand unvorsichtig herauskommt“, heißt es aus Unternehmerkreisen.
Dabei gehen die Täter offenbar strategisch vor. Einige hielten sich in parkenden Autos auf und spähten Rückkehrer aus, andere tarnten sich als Touristen. „Kurze Hose, T-Shirt, Sandalen mit Socken – so fallen sie nicht auf“, beschreibt ein Anwohner. Besonders perfide: Auch in der Nähe von Geldautomaten lauerten Täter gezielt auf potenzielle Opfer.
Kameras ohne Wirkung
Zwar gibt es in Teilen der Playa de Palma Videoüberwachung, doch deren Nutzen wird zunehmend infrage gestellt. „Die Kameras verhindern keine Diebstähle“, kritisieren Geschäftsleute. Zweifel bestehen vor allem daran, ob die Aufnahmen überhaupt aktiv überwacht werden.
Die Kriminellen jedenfalls scheinen sich davon wenig beeindrucken zu lassen. „Diebstähle und Überfälle passieren täglich“, berichten mehrere Betroffene übereinstimmend. In einigen Fällen komme es sogar zu körperlichen Angriffen, wenn sich Opfer weigerten, Wertgegenstände herauszugeben.
Auch die medizinische Versorgung sorgt für Kritik. Einen festen Rettungsdienst gibt es an der Playa de Palma nicht. Im Notfall müssen Krankenwagen aus Palma anrücken – mit Wartezeiten von teils über 30 Minuten. „Für eine Gegend mit so vielen Urlaubern ist das untragbar“, sagt ein Unternehmer, der nach eigenen Angaben mehrfach selbst Hilfe organisieren musste.
Verstärkung kommt – und geht
Zwar habe die Stadt in der vergangenen Saison die Polizeipräsenz erhöht, erkennen viele Betroffene an. Doch die Wirkung sei begrenzt gewesen. „Gegen halb zwei Uhr morgens machen die Beamten Feierabend – und genau dann kommen die Diebe“, heißt es.
Mit Blick auf bevorstehende Großveranstaltungen wie die Händlerschulung des deutschen Sportwagenherstellers Porsche wächst die Sorge weiter. In den kommenden Tagen werden internationale Gäste erwartet – ein Umstand, der nach Ansicht der Unternehmer auch Kriminelle anzieht. „Die wissen ganz genau, wann sich ein Geschäft lohnt“, sagt ein Anwohner. Die Angst: Ohne schnelle Verbesserungen könnte der Start in die Saison erneut von Unsicherheit überschattet werden.