Es ist ein Anblick, der einen leicht verstört innehalten lässt: Das einstmals urgemütliche Strandrestaurant am Son-Moll-Strand in Cala Rajada, auf dessen Außenwand unübersehbar auf Deutsch das Wort „Frühstück” aufgeschrieben worden war, steht nicht mehr! In den vergangenen Tagen wurden dort mit Baggern und Presslufthämmern vollendete Tatsachen geschaffen. Das Ziel der zuständigen Gemeinde Capdepera ist, eine neue, abbaubare Strandbar zu errichten, die noch in dieser Saison in Betrieb genommen und dem Bedürfnis der geneigten Strandbesucher nach luftig-solider Beköstigung gerecht werden soll. Der Grund des traurigen Endes jenes lauschigen Ortes, wo so viele Deutsche so schöne Stunden unter der Sonne der Insel verbracht hatten, ist unmissverständlich: Die Strandbar verfügte über eine alte Konzession, die bereits vor vielen Jahren abgelaufen war und zudem nicht verlängert werden kann.
Auch jenseits vom Son-Moll-Strand hat sich einiges verändert in Cala Rajada: Im Hafen, wo der rührige Künstler und MM-Freund Gustavo die Molenwand schon vor Jahren hingebungsvoll mit schön bunten Kunstwerken verziert hatte, laufen unter der Ägide der Behörde Ports IB die Bauarbeiten an einem auffallend großen, modern gestylten Restaurant mit Terrasse und Weitblick für Aperol- und Weintrinker auf Hochtouren. Ob alles bis zum Sommer fertig sein wird, ist allerdings nicht so klar. Was neben dem MM-Emissär bei einer proaktiven Ortsbegehung auch Korbinian Fütterer aus München-Giesing so sieht: „Ja mei, hier wird’s noch viele Wochen laut sein”, so der Bayer, der mit seiner Familie ein paar Tage in Cala Rajada verbringt. „Wurscht is’, Ferien sind Ferien und das Wetter ist ja schee!” Kürzlich lief für das neue Restaurant die Ausschreibung für einen Betrieb von 15 Jahren an, der neue Betreiber muss 70.000 Euro pro Jahr bezahlen und die Innenräume einrichten, was einem Betrag von einer halben Million Euro entspricht.
Der "Sea Club" funkelt
Anders als im Hafen sieht der bereits jetzt von vielen Deutschen besuchte Ferienort fast überall woanders ausnehmend proper und einladend aus: Die erst vor wenigen Jahren auf Vordermann gebrachte kilometerlange Promenade leuchtet fast aus sich selbst heraus, kein Quadratzentimeter wurde mit Graffiti verunstaltet. Der altehrwürdige „Sea Club” erstrahlt unter der Sonne wie ein funkelnder Edelstein, ältere Gemäuer in seiner Nachbarschaft befinden sich noch im tiefen Winterschlaf. Erste Badegäste aalen sich trotz lediglich 14 Grad Lufttemperatur in der schon durchaus spürbaren Sonne, die Terrassen von bereits geöffneten Restaurants und Bars wie „Wikiki” oder „O Sole Mío” sind prall gefüllt vor allem mit mittelmeerhungrigen Mitteleuropäern. Andere Etablissements sind noch geschlossen, leider auch das „Mama Pizza”, das es jüngst bei einem Restaurant-Wettbewerb des Kreditkartenkonzerns American Express wegen seiner herausragenden kulinarischen Erzeugnisse in die Endrunde schaffte. Die ebenfalls an der Promenade befindliche, Residenten wohlbekannte deutsche Galerie Krüger wird ihre Pforten dauerhaft nicht mehr öffnen.
Hinter der Meereslinie sind die Bürgersteige in diesem trotz der vielen Urlauber vielerorts durchaus weiterhin authentisch wirkenden Ferienort so sauber, dass man fast vom Boden essen kann. In einigen Lokalen in dieser von vielen Bäumen bestandenen Gegend im Insel-Nordosten sind die Preise für Speisen und Getränke glücklicherweise deutlich niedriger als an der Promenade, wo kräftig hingelangt wird. In der Bar „Claxón” etwa, wo es vor allem Andalusier hinzieht, schmeckt der hausgemachte Cheeseburger für schlappe 4 Euro besonders gut, was auch für das kleine Bier für 1,80 Euro gilt.
Cala Rajada, das in den vergangenen Jahren ein Ziel von zu vielen Exzesstouristen zu werden drohte, hat sich gefangen und zieht wie der leicht trutschige Ferienort Peguera vor allem mittelständische bürgerliche Urlauber magisch an. Diese erfreuen sich am mediterranen Flair, am intensiven blauen Meer und am Wabern einer sehr pekuniären Authentizität im gastfreundlichen Ambiente.
Einsam liegt die Cala Agulla da
Das augenscheinliche Wohlgefühl der Gäste verwundert nicht, denn die Hotel- und Restaurantstruktur im Ort ist solide bis gediegen. Und mit der Cala Agulla verfügt Cala Rajada bekanntlich über einen der beeindruckendsten Strände im gesamten Mittelmeerraum, was dazu führt, dass im Hochsommer jeder Quadratzentimeter von den Gästen mit Klauen und Zähnen und manchmal mit Fäusten verteidigt wird.
Momentan ist es dort noch wunderbar ruhig, nur einige Spaziergänger verlieren sich auf dem Sand und beäugen sichtlich verzaubert das hier besonders intensiv leuchtende türkisblaue Meer. Am Ende des Traumstrandes, wenn man die versteckte Cala Moltò erreicht, wird es noch einsamer, und man fühlt sich, als würden sich hier Fuchs und Hase täglich mehrfach gute Nacht sagen. Zurück am Ende der Cala Agulla können sich die Rajada-Fans darauf gefasst machen, dass die dortige Strandbude mit der weitläufigen Terrasse anders als diejenige an der Cala Son Moll wie eh und je wie eine Eins steht. Gott sei Dank!