Herrlich idyllisch, einfach beschaulich sind zwei Prädikate, die dem MM-Reporter im Gedächtnis geblieben sind nach einem Besuch in Andratx. Anlass war die Einladung von Christian Jahncke, einmal mit ihm gemeinsam den Ort im Südwesten der Insel zu erkunden. Der deutsche Unternehmer wohnt seit sechs Jahren in dem Dorf. Der nachmittägige Spaziergang entpuppte sich dabei als sinnlicher Kurzurlaub.
Christian Jahncke wurde 1957 in München geboren. In Andratx ist der Geschäftsführer des eigenen Unternehmens "Parkvogel" öffentlich vor allem als Trikotsponsor des lokalen Fußball-Regionalligisten CE Andratx in Erscheinung getreten. Über "Parkvogel" können Reisende am Flughafen von Düsseldorf Autostellplätze buchen. Vor dieser Tätigkeit war Jahncke rund 20 Jahre lang direkt beim Flughafen angestellt und reiste viel, weswegen er von sich behauptet, die Welt zu kennen. 1978 war der Deutsche erstmals auf Mallorca.
Jahncke zählt die Gründe auf, wegen denen er mit seiner Ehefrau mittlerweile in Andratx wohnt: "Hier bekommt man alles, was man braucht. Mir war wichtig, an einen Ort zu ziehen, der 365 Tage im Jahr ein Leben bietet. Hier gibt es alle Einkaufsmöglichkeiten und man kann ständig auswärts essen und trinken. Dazu kommt, dass das Dorfbild sehr gepflegt und sauber ist." Vor seiner Wohnung in Andratx bezog das Ehepaar drei Jahre lang ein Apartment in Palma.
Der Rundgang beginnt an der zentralen Plaza España. "Hier trifft man sich, wie zum Beispiel bei der jüngsten Fira am vergangenen Wochenende", so Jahncke. "Von hier strahlt alles aus." Über eine Fußgängerstraße mit korrekt gestutzten Clementinen-Bäumen und zum Verweilen einladenden Sitzmöglichkeiten geht es weiter in den höher gelegenen nördlichen Teil des Dorfes. Hier fällt eine betörende Ruhe auf, hat man die schmalen Straßen fast ganz für sich alleine.
Jahncke macht auf die Architektur aufmerksam: "In Andratx herrscht ein sehr hoher Sanierungsstand. Die Gemeindeverwaltung hat viele leerstehende Häuser übernommen und richtet sie her, um sie dann gefördert zu vermieten." Viele Gebäude würden von Deutschen saniert, die das Leben in Andratx liebten. Dazu gehört auch, dass in Andratx kaum Touristen unterwegs sind, wie Jahncke bemerkt. "Es gibt hier kein einziges Hotel!"
Teil des Komplexes Andratx ist auch die Beziehung zwischen dem Kern des Ortes und dessen Hafen. "Das sind zwei sehr unterschiedliche Welten", so Jahncke. "Der internationale Gast geht in den Hafen, im Landesinneren bleibt man unter Spaniern. Es ist schon sehr einheimisch hier." Dass in Andratx ein gemeinschaftliches Dorfleben existiere, sei ein weiterer Grund für seine Verbundenheit zu dem Ort, sagt Jahncke und führt als förderliche Faktoren regelmäßige Veranstaltungen wie die jüngst gefeierte Fira oder Konzerte an.
Zur Lebensqualität in Andratx werden nach ihrer Fertigstellung auch drei lokale Bauprojekte beitragen, an denen der Spaziergang vorbeiführte: ein Altersheim mit Platz für 60 Senioren, ein Notfall-Krankenhaus sowie ein Hallenbad. Darüber hinaus sorgt die Nähe zum Tramuntana-Gebirge für Wohlgefallen bei Christian Jahncke. Am Nordende des Dorfes zeigt er einen Naturpfad, von dem aus man direkt zum Wanderweg 221 gelangt.
Wieder auf der Plaza España angekommen, stellt Jahncke zum Abschluss des Nachmittages seinen Freund Luis vor, der seit rund 50 Jahren in Andratx wohnt. Der Galicier sagt: "Das Dorf hat sich in den vergangenen 25 Jahren sehr verändert. Es kamen viele Ausländer, die versuchen, sich zu integrieren, darunter Südamerikaner und Europäer." Sie sind Teil der 7000 Einwohner, unter denen Christian Jahncke sich "gut aufgehoben" fühlt.