Und wieder streicht ein Traditionsgeschäft in Mallorcas Hauptstadt Palma die Segel. Die Kurzwarenhandlung La Veneciana in der Carrer Ample de la Mercè steht vor einem Besitzerwechsel und reiht sich damit in eine wachsende Zahl alteingesessener Läden ein, die aus dem Stadtbild verschwinden.
Noch läuft der Betrieb in den drei Lokalen nahe dem beliebten Mercat de l’Olivar. Nach Angaben von Inhaber Pere Arbona kommen täglich mehr als 100 Kunden. "Das Geschäft funktioniert", sagt er. Dennoch weisen Schilder in den Schaufenstern auf Ausverkauf und Übergabe hin. Man befinde sich bereits in Gesprächen mit Interessenten, das Geschäft könnte also weitergeführt werden – wenn auch unter neuer Leitung.
La Veneciana wird in dritter Generation von der Familie Arbona geführt. Die Wurzeln reichen in die Zeit nach dem Börsenkrach von 1929 zurück, als der Großvater des heutigen Inhabers in Palma neu anfing. Heute sehen die Betreiber ihr Geschäft als "letzte Kurzwarenhandlung dieser Art" in der Stadt.
Trotz der tendenziell negativen Entwicklung zeigt sich Arbona vorsichtig optimistisch. Neben älteren Stammkunden kämen zunehmend auch wieder jüngere Käufer, die sich wieder für Nähen und Handarbeit interessierten.
Branchenvertreter beobachten den Fall jedoch mit Sorge. Der Unternehmerverband des balearischen Einzelhandels (Federación de Empresarios de Comercio de Baleares)erklärte gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora", der lokale Handel profitiere "nicht im gleichen Maße" vom anhaltenden Tourismusboom. "Das Geld wird ausgegeben, aber für andere Dinge", sagt Verbandspräsidentin Joana Manresa. Sie verweist auf weitere Schließungen traditionsreicher Geschäfte.
Als Gründe nennt der Verband "veränderte Konsumgewohnheiten" und steigende Betriebskosten. Verbraucher gäben ihr Geld zunehmend für Erlebnisse aus, während der klassische Einzelhandel an Bedeutung verliere. Selbst wichtige Verkaufszeiten wie Ostern hätten zuletzt "kaum noch Wachstum" gebracht: Die Umsätze hätten lediglich das Niveau des Vorjahres erreicht, bei gleichzeitig sinkender Rentabilität.
Diese Entwicklung gilt in der Branche als strukturelles Problem. Ohne Gegenmaßnahmen drohe dem lokalen Einzelhandel ein weiterer Rückgang – mit Folgen über die Wirtschaft hinaus. "Wir verlieren nicht nur Unternehmen, sondern auch ein Stück Stadtgeschichte", warnt Manresa.