Folgen Sie uns F Y T I R
Schicksale

Tauber und blinder Rentner von Stadtbus überfahren: Familie fordert Gerechtigkeit

Nach einem Zusammenstoß mit einem Bus der städtischen Verkehrsbetriebe EMT ist der Senior heute vollständig pflegebedürftig

Dem Rentner geht es nach dem Unfall nicht gut. | Foto: Ultima Hora

| Palma, Mallorca |

Ein tragischer Verkehrsunfall in Palma de Mallorca hat das Leben eines 82-jährigen tauben und blinden Mannes und seiner Familie von Grund auf verändert. Nach einem Zusammenstoß mit einem Bus der städtischen Verkehrsbetriebe EMT ist der Senior heute vollständig pflegebedürftig – ein Schicksal, das seine Angehörigen erschüttert und zugleich wütend macht.

Der Vorfall ereignete sich im Februar in der Straße Enric Alzamora. Der Mann war nach einer Operation auf den Rollstuhl angewiesen und überquerte gemeinsam mit einer Pflegekraft einen Zebrastreifen. Nach Angaben der Familie versuchte der Busfahrer offenbar, der Begleiterin auszuweichen – und erfasste dabei den Mann frontal. "Er wurde mehrere Meter weit geschleudert, mitsamt dem Rollstuhl", schildert die Tochter den Moment des Aufpralls.

Zunächst wurde der Unfall als vergleichsweise glimpflich eingestuft. Doch schon bald zeigte sich, wie schwerwiegend die Folgen tatsächlich waren: Der Senior erlitt Brüche an Hüfte und Oberschenkel und musste notoperiert werden. Was danach folgte, war eine Kette medizinischer Komplikationen.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus verschlechterte sich sein Zustand zunehmend. Infektionen durch einen Katheter, Pilzbefall, Atemprobleme sowie Verwirrtheitszustände und Delirium traten auf. "Er sprach plötzlich ganz anders, konnte sich nicht mehr richtig koordinieren – und uns wurde gesagt, das sei altersbedingt", berichtet seine Tochter.

Wochen später kam es zum dramatischen Wendepunkt: Der Mann musste erneut in ein Krankenhaus eingeliefert werden und landete schließlich auf der Intensivstation. „Die Ärzte sagten, es stehe fünfzig zu fünfzig. Wir hatten große Angst, ihn zu verlieren“, so die Familie. Diagnostiziert wurden unter anderem eine schwere, medikamentenbedingte Gastritis, kritisch niedrige Sauerstoffwerte und der Verdacht auf innere Blutungen.

Besonders bitter: Vor dem Unfall führte der 82-Jährige trotz seiner Einschränkungen ein vergleichsweise selbstständiges Leben. „Er kam zu Hause gut zurecht, war geistig fit, regelte seine Angelegenheiten selbst“, heißt es aus dem Familienkreis. Heute ist davon nichts mehr geblieben. Der Mann hat stark an Gewicht verloren, ist immobil und erkennt zeitweise nicht einmal mehr seine engsten Angehörigen.

Für die Familie bedeutet das eine enorme Belastung. Die Kinder mussten ihr Leben komplett umstellen, Pflege organisieren und das Zuhause anpassen. „Wir sind völlig überfordert. Innerhalb weniger Tage hat sich alles verändert“, sagen sie.

Neben der gesundheitlichen Entwicklung ihres Vaters sorgt vor allem eines für Empörung: das Verhalten der EMT. „Seit dem Unfall hat sich niemand bei uns gemeldet – kein Anruf, keine Nachfrage. Einfach nichts“, kritisiert die Familie.

Zwar hat der Fahrer vor Ort seine Daten hinterlassen, und die Polizei nahm den Unfall auf. Auch die Versicherung kommt bislang für die medizinischen Kosten auf. Doch für die Angehörigen greift das zu kurz. „Es geht hier nicht nur um Geld. Es geht um einen Menschen und um ein zerstörtes Leben“, betonen sie.

Die Familie hat inzwischen rechtliche Schritte eingeleitet. Gemeinsam mit spezialisierten Anwälten bereitet sie eine Klage vor – wegen der schweren körperlichen und kognitiven Folgen des Unfalls. „Wir wollen, dass die Verantwortung anerkannt wird“, sagen die Angehörigen.

Zum Thema
Meistgelesen