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„Mit so etwas rechnest du nie“: Wirt filmte Frauen heimlich auf der Toilette. Jetzt spricht eine Geschädigte

„Er hatte so ein eigenartiges Lächeln …“ Dem Mann droht eine mehrjährige Haftstrafe. Seinen Opfern bleibt ein ungutes Gefühl

Das Geschädigte, die ihre Anonymität bewahren möchte, in den Empfangsräumen des Verlagsgebäudes der Grupo Serra nach dem Gespräch mit den Journalisten. | Foto: Miquel Àngel Cañellas

| Palma, Mallorca |

Paula – ihr Name ist verändert – ist eine von mindestens 400 betroffenen Frauen, die vom Besitzer einer Bar auf Mallorca mit versteckten Kameras in der Damentoilette gefilmt wurde. Bislang hat die spanische Justiz 26 dieser Frauen offiziell identifizieren können.

„Ich ging oft in diese Bar, weil ich in der Nähe arbeitete. An dem Tag, an dem ich gefilmt wurde, damals im Jahr 2022, das war ein Tag wie jeder andere. Ich trank etwas und es waren kaum Leute in dem Lokal. Auch später ging ich weiter regelmäßig dorthin“, sagt Paula. Laut der Geschädigten, die von dem Rechtsanwalt Bernat Mestres vertreten wird, wirkte der Besitzer wie ein relativ normaler Mensch, obwohl er sehr schweigsam war und ein seltsames Lächeln hatte: „Ich kannte ihn ein wenig. Wenn er mich sah, lächelte er mich oft an, und es war ein etwas eigenartiges Lächeln, aber ich hätte nicht gedacht, dass er so etwas tun könnte.“

Der Mann habe nicht viel geredet, er grüßte die Gäste zwar, aber man führte keinen flüssigen Dialog mit ihm. Auf die Frage, wie sie erfahren habe, dass sie möglicherweise auf den Aufnahmen zu sehen sei, sagte Paula, dass ihr das von einer Bekannten erzählt wurde, der dasselbe passiert war. Diese Frau riet ihr, ebenfalls Anzeige zu erstatten. Bei der Polizei erkannte sich Paula auf den Bildern wieder. Sie sagt: „Es gab mehrere Videos, in denen ich zu sehen bin. Ich schämte mich unglaublich, man sah meinen Intimbereich und oft auch mein Gesicht.“

Sorge auch um die kleine Tochter

Und eine noch größere Sorge macht ihr zu schaffen: „Meine Tochter, die damals sieben Jahre alt war, war mit dabei. Aus rechtlichen Gründen wurden nicht alle Mädchen identifiziert, aber es ist eine Qual, sich vorzustellen, dass auch sie sicherlich gefilmt wurde.“

Paula versichert: „Das sind Dinge, mit denen man niemals rechnet“. Was die Entschädigungszahlungen des Verurteilten angeht, die bereits einigen Opfer tatsächlich zugesprochen wurden, sagt die Frau, dass sie selbst noch keine erhalten habe. Der Wirt war vor Gericht ursprünglich zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Vor wenigen Wochen wurde die Strafe jedoch auf vier Jahre erhöht.

Paula erachtet das Strafmaß als nicht ausreichend: „Ich halte das nicht für eine Wiedergutmachung. Es ist sehr hart. Man dringt in deine Intimsphäre ein und demütigt dich. Man muss gemeinsam vor den Richtern die Videos von deinen Intimbereich ansehen. Hinzu kommt, man sieht, wie das auch kleine Mädchen und ihre Mütter miterleben, und man sieht, wie schwer dies auch ihnen fällt.“

Obgleich die Videos von der Justiz beschlagnahmt wurden, bleibt für Paula die Ungewissheit, ob die Aufnahmen nicht womöglich zuvor geteilt worden waren und noch irgendwo im Netz zu finden seien. Abschließend äußerte sie sich zu dem Vorfall, das Frauen stets die Leidtragenden seien. „Man soll uns endlich in Ruhe lassen!“

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