Jan Ullrich steht wenige Tage vor der diesjährigen Ausgabe der Radveranstaltung Mallorca 312 OK Mobility im Mittelpunkt des Interesses. Der Tour-de-France-Sieger von 1997, inzwischen 52 Jahre alt, wurde am Donnerstag an der Playa de Muro von zahlreichen Radsportfans empfangen und löste dort laut MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" einen regelrechten Hype aus.
Die deutsche Radsport-Ikone soll am Samstag mit der symbolträchtigen Startnummer 312 geehrt werden und das Feld der Teilnehmer anführen. Für den früheren Profi ist es nach 2021 die zweite Teilnahme an der Veranstaltung, die mit rund 8.500 Fahrern zu den größten Jedermannrennen Europas zählt. Allein von den Balearen haben sich dem Veranstalter zufolge mehr als 2.600 Teilnehmer angemeldet.
Zweit Tage vor dem Startschuss genoss Ullrich auf Mallorca das Bad in der Menge. Bei einem gemeinsamen Trainingsausflug, der unter anderem über Muro, Sineu, Petra und den Anstieg zum Puig de Bonany führte, nahm er sich Zeit für Autogramme und Fotos. Wegen des großen Andrangs musste das Fahrerfeld in mehrere Gruppen aufgeteilt werden. Beobachter beschrieben den ehemaligen Profi als "freundlich und zugänglich", er habe "viel gelacht und Grüße verteilt".
Neben Ullrich werden zahlreiche weitere prominente Namen erwartet. Unter ihnen sind frühere Tour-de-France-Größen wie Alberto Contador, Miguel Induráin oder Annemiek van Vleuten sowie ehemalige Profis wie Joseba Beloki, Óscar Pereiro und Samuel Sánchez. Auch Sportler aus anderen Disziplinen, darunter der frühere Tennisspieler Carlos Moyà und Argentiniens Fußball-Nationaltrainer Lionel Scaloni, stehen auf der Startliste.
Die Veranstaltung bietet drei Strecken über 167, 226 und 312 Kilometer. Die längste Distanz führt quer über die Insel und durch das Tramuntana-Gebirge, mit rund 5.000 Höhenmetern eine anspruchsvolle Herausforderung. Auch die kürzeren Varianten gelten als schwierig.
Für Ullrich ist die Rückkehr nach Mallorca auch persönlich bedeutsam. Der ehemalige Olympiasieger, der in der Vergangenheit offen über Probleme mit Alkohol, Drogen und Doping gesprochen hatte und dafür vom Internationalen Sportgerichtshof gesperrt worden war, scheint nach eigenen Angaben wieder Stabilität gefunden zu haben. Die Insel spielt dabei seit Jahren eine wichtige Rolle in seinem Leben – sowohl sportlich als auch privat.
Erst im vergangenen Jahr war Ullrich bei einem Trainingsunfall schwer gestürzt, als ihn ein Autofahrer erfasste. Er zog sich dabei unter anderem einen Schlüsselbeinbruch zu, kehrte jedoch vergleichsweise schnell wieder aufs Rad zurück.
Ambitionen auf vordere Platzierungen dürften bei der Mallorca 312 OK Mobility für ihn keine Rolle spielen. Vielmehr gilt seine Teilnahme als weiterer Schritt zurück in die Öffentlichkeit – und als Zeichen dafür, dass einer der prägendsten Radprofis der Jahrtausendwende wieder Teil der Szene ist.