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Obdachlose an Mallorca-Strand: : Wohnungsnot in Palma erreicht die Playas

An Palmas Stadtstrand leben Menschen in Zelten unter inhumanen Verhältnissen

Ein Obdachlosen-Zelt am Stadtstrand Can Pere Antoni in Palma. | Foto: Fernando Fernández

| Mallorca |

Was für viele Urlauber auf Mallorca als Postkartenmotiv beginnt, endet für andere nur wenige Meter weiter im nackten Überlebenskampf. An Palmas Stadtstrand von Can Pere Antoni sind in diesen Tagen zwei Zelte aufgetaucht – direkt an der Meeresfront, unweit des beliebten Radwegs. Zwischen Sonnenhungrigen und Spaziergängern leben hier Menschen, die keinen anderen Ort mehr haben. Das Bild sorgt für Aufsehen und wirft erneut ein Schlaglicht auf die wachsende Wohnungsnot in der Inselhauptstadt.

Nach Angaben von Arbeitern aus der Umgebung stehen die Zelte bereits seit mehreren Tagen dort. Drei Personen sollen sich hier niedergelassen haben – zwei Männer und eine Frau. Einer von ihnen lebt allein in einem kleineren Zelt, während sich beim zweiten notdürftig aufgestellten Unterschlupf persönliche Gegenstände im Freien stapeln: Turnschuhe, Flip-Flops, Plastiktüten und Flaschen. Die Polizei sei bereits mehrfach vor Ort gewesen, berichten Augenzeugen, eine Räumung könnte unmittelbar bevorstehen.

Zwischen Badegästen und Alltag: Ein ungewohntes Bild

Das Besondere an diesem Fall ist nicht allein die Notlage der Betroffenen, sondern der Ort selbst. Can Pere Antoni zählt zu den zentralen und stark frequentierten Stadtstränden. Gerade jetzt, Ende April, locken warme Temperaturen und Sonnenschein zahlreiche Besucher an die Küste. Badegäste, Radfahrer und Teilnehmer von Veranstaltungen im nahegelegenen Palau de Congressos de Palma passieren täglich die Stelle – und bleiben oft irritiert stehen.

Trotz der prominenten Lage wirken die Zelte bewusst zurückgezogen platziert. Der Bereich rundherum ist aufgeräumt, direkte Kontakte mit Strandbesuchern sind selten. Kaum jemand wagt es, sich den provisorischen Unterkünften zu nähern. Und doch lässt sich das Bild nicht ausblenden: Urlaub und soziale Realität prallen hier unmittelbar aufeinander.

Wohnungsnot auf Mallorca spitzt sich zu

Die Situation am Strand ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Problems. In verschiedenen Teilen Palmas entstehen zunehmend informelle Siedlungen. So haben sich auch im Park nahe dem ehemaligen Gesa-Gebäude sowie in Stadtteilen wie Nou Llevant Menschen mit Zelten niedergelassen. Selbst entlang der Autobahn von Llucmajor in Richtung Palma wächst eine sichtbare Zeltansammlung – für Autofahrer kaum zu übersehen.

Dass Menschen auf Mallorca im Freien übernachten, ist nicht neu. Doch die Präsenz mitten in urbanen und touristischen Hotspots markiert eine neue Dimension. Gerade für deutschsprachige Urlauber, die die Insel als sorgenfreies Reiseziel kennen, wirkt diese Entwicklung besonders eindrücklich. Sie zeigt, dass hinter der Fassade des mediterranen Lebensgefühls zunehmend soziale Spannungen sichtbar werden. Die kommenden Tage dürften zeigen, wie die Behörden reagieren. Eine Räumung der Zelte am Strand gilt als wahrscheinlich.

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