Fast acht Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe vom Oktober 2018 haben auf Mallorca die Arbeiten zur umfassenden Umgestaltung des Torrent de ses Planes in Sant Llorenç des Cardassar begonnen. Das Projekt gilt als zentrale Maßnahme, um künftige Überschwemmungen in der Region zu verhindern und die Sicherheit der Bevölkerung deutlich zu erhöhen.
Nach Angaben des Inselrats (Consell de Mallorca) beläuft sich das Investitionsvolumen auf rund neun Millionen Euro. Kernstück ist die Erweiterung eines Brückenbauwerks an der Umgehungsstraße von Sant Llorenç, das maßgeblich zur damaligen Katastrophe beigetragen haben soll. Bei den Unwettern vor acht Jahren war der Sturzbach über die Ufer getreten, 13 Menschen kamen ums Leben.
Im Zuge der Bauarbeiten wird das Fassungsvolumen des Sturzbachs deutlich erhöht. Künftig sollen bis zu 500 Tonnen Wasser pro Sekunde abgeleitet werden können – nahezu das Fünffache der bisherigen Kapazität von 105 Tonnen. Dafür wird die Zahl der Durchlässe unter der Straße von vier auf zehn erhöht. Zudem werden die Uferbereiche ausgebaut und verstärkt, wobei laut Behörden die traditionelle Bauweise mit Natursteinmauern erhalten bleiben soll.
Die federführende Ingenieurin Laura Montaner erklärte bei der Projektvorstellung, dass sich bei Starkregen bislang ein "Trichtereffekt" eingestellt habe. Infolgedessen habe sich das Wasser aufgestaut und schließlich über die Straße hinweg ergossen. Durch die baulichen Anpassungen werde dieser Engpass beseitigt. Grundlage der Planung seien Berechnungen auf Basis der stärksten Niederschläge der vergangenen 500 Jahre.
Neben der Erweiterung der Durchlässe soll auch die angrenzende Infrastruktur angepasst werden. So soll ein Kreisverkehr so umgestaltet werden, dass er künftig nicht mehr als Barriere für Wassermassen wirkt. Während der Bauzeit, die auf rund elf Monate angesetzt ist, wird der Verkehr durch das Ortszentrum umgeleitet.
Der Präsident des Inselrats, Llorenç Galmés (Volkspartei, PP), sprach von einem "wichtigen Meilenstein" für die Region. Zugleich räumte er Verzögerungen ein und bat die Bevölkerung um Entschuldigung für die lange Planungsphase. "Es mussten nach der Tragödie fast acht Jahre vergehen, um dieses Projekt umzusetzen", sagte er. Die vorige Regionalregierung habe die Reform "in der Schublade liegen lassen". Seine Verwaltung sei nach Amtsantritt daran gelegen gewesen, das Vorhaben "als Priorität" einzustufen.
Tatsächlich war das Projekt jahrelang durch technische Differenzen zwischen Behörden blockiert gewesen. Noch 2023 war es von der zuständigen Wasserbehörde mehrfach negativ beschieden worden. Erst nach neuen Studien, überarbeiteten Berechnungen und zusätzlichen Gutachten konnte die Planung Anfang 2024 wieder aufgenommen werden.
Auch Bürgermeister Jaume Soler begrüßte den Baustart und verwies auf die "Bedeutung für die Gemeinde". Die Flut von 2018 sei bis heute im kollektiven Gedächtnis präsent. Ziel sei es nun, die Auswirkungen vergleichbarer Extremereignisse künftig "auf ein Minimum" zu reduzieren.
Die Bauarbeiten wurden an ein mallorquinisches Unternehmen vergeben. Nach Angaben des Inselrats soll das Projekt innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein.