Die Straßen werden voller, die Geduld der Autofahrer kürzer: Auf Mallorca und den Nachbarinseln ist die Zahl der Fahrzeuge innerhalb eines Jahres sprunghaft gestiegen. Wie aus aktuellen Daten der spanischen Verkehrsbehörde hervorgeht, waren 2025 rund 1,14 Millionen Fahrzeuge registriert – ein Plus von mehr als 34.000 Einheiten gegenüber dem Vorjahr. Damit durchbricht die Entwicklung den moderateren Trend der vergangenen Jahre deutlich.
Vor allem Pkw und Motorräder treiben den Boom an. Allein die Zahl der Autos legte um fast 20.000 zu, bei Motorrädern waren es mehr als 9000 zusätzliche Fahrzeuge. Insgesamt entspricht das einem Wachstum von 3,1 Prozent binnen eines Jahres – ein bemerkenswerter Anstieg, der die Verkehrsbelastung weiter verschärft.
Fast ein Auto pro Einwohner
Mit dieser Entwicklung nähern sich die Balearen einem symbolträchtigen Wert: nahezu ein Fahrzeug pro Einwohner. Rechnerisch lag die Quote 2025 bei 913 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner. Auf kleineren Inseln wie Ibiza und Formentera ist dieser Wert längst überschritten. Allerdings bildet die Statistik nur einen Teil der Realität ab. Viele Mietwagen sind offiziell auf dem spanischen Festland registriert, werden aber saisonal auf die Inseln gebracht. Ein erheblicher Teil dieser Fahrzeuge bleibt laut Studien dauerhaft vor Ort – und sorgt zusätzlich für Staus auf den ohnehin stark belasteten Straßen.
Kuriose Spitzenreiter
Ein Blick auf die Gemeinden zeigt teils extreme Ausreißer. In Escorca etwa kommen rechnerisch 26 Fahrzeuge auf einen Einwohner – ein Wert, der vor allem durch steuerliche Besonderheiten zustande kommt. Auch Formentera liegt mit fast zwei Autos pro Person deutlich über dem Durchschnitt. Weitere Gemeinden mit besonders hoher Dichte sind Montuïri, Estellencs, Ariany und Santanyí.
Motorisierung mit Tradition
Dass die Balearen Spaniens Spitzenreiter bei der Motorisierung sind, hat Tradition. Schon seit den 1960er-Jahren liegt die Inselgruppe vor Regionen wie Madrid oder Katalonien. Während damals noch 181 Fahrzeuge pro 1000 Einwohner gezählt wurden, hat sich dieser Wert im Zuge des Tourismusbooms vervielfacht. In den vergangenen 30 Jahren ist der Fahrzeugbestand um mehr als 100 Prozent gestiegen – deutlich schneller als die Bevölkerung, die im gleichen Zeitraum um rund 65 Prozent wuchs. Heute entfallen etwa 3,1 Prozent aller Fahrzeuge Spaniens auf die Balearen, obwohl dort nur rund 2,5 Prozent der Bevölkerung leben.
Motorräder im Aufwind
Auffällig ist die besondere Rolle der Zweiräder. Mit 4,3 Prozent aller Motorräder Spaniens liegt ihr Anteil auf den Balearen überdurchschnittlich hoch. Vor allem in Palma nimmt die Zahl leistungsstarker Motorräder zu, während Mopeds an Bedeutung verlieren. Das Wachstum bei Autos verlief dagegen zuletzt etwas langsamer – ein mögliches Zeichen für eine gewisse Marktsättigung oder veränderte Mobilitätsgewohnheiten.
Umweltzone zeigt erste Wirkung
Gleichzeitig wächst der Anteil umweltfreundlicher Fahrzeuge. In Palma, wo 2025 eine Umweltzone eingeführt wurde, stieg die Zahl emissionsfreier Fahrzeuge um 49 Prozent, die der sogenannten ECO-Kategorie um 30 Prozent. Dennoch dominieren weiterhin Fahrzeuge mit der Plakette C das Straßenbild. Spürbare Einschnitte stehen erst bevor: Ab 2027 sollen strengere Regeln greifen, die unter anderem ältere Fahrzeuge von der Einfahrt in bestimmte Bereiche ausschließen.
Alte Autos auf Menorca
Während auf Mallorca und Ibiza viele neue Fahrzeuge hinzukommen, zeigt sich auf Menorca ein anderes Bild. Dort befinden sich mehrere Gemeinden mit besonders alten Fahrzeugbeständen. Experten sehen darin ein Zeichen, dass die Modernisierung der Flotte auf der Insel langsamer voranschreitet.