Es gibt Schiffe, die einfach fahren. Und es gibt Schiffe, die schon beim ersten Ablegen so tun, als hätten sie einen eigenen Tourplan für Emotionen. Die neue Mein Schiff Flow gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Bevor das Flaggschiff von Tui Cruises im Sommer 2026 regulär von Palma de Mallorca aus ins Mittelmeer startet, wird die Jungfernfahrt selbst zur Hauptshow: acht Tage von Triest bis Mallorca, getauft wird unterwegs – vor der Bucht von Triest, am 20. Juni.
Die Route wirkt dabei fast wie ein bewusst gesetzter Spannungsbogen: Start in der Adria, große Inszenierung auf See, Ende im vertrauten Kreuzfahrt-Hotspot Palma. Dazwischen kein reiner Transfer, sondern ein kuratiertes Bordfestival unter dem Motto „Go with the Flow“. Das zweite Schiff der InTUItion-Klasse – Schwesterschiff der Mein Schiff Relax – wird damit schon vor dem ersten regulären Einsatz zum schwimmenden Prototyp für das neue Wohlfühlkonzept.
An Bord verteilen sich knapp 4000 Gäste auf bis zu 19 Decks. Das klingt nach Stadt, fühlt sich aber eher nach Resort an. 14 Restaurants, 17 Bars und Lounges sorgen dafür, dass der Begriff „Tagesplanung“ schnell kulinarisch wird. Wer möchte, kann den Tag praktisch im Wechsel zwischen Espresso, Sonnenuntergang und Mitternachtssnack verbringen – oder sich bewusst dagegen entscheiden, was allerdings ebenfalls eine gewisse Disziplin erfordert.
Das Herzstück der Reise ist die Taufwoche selbst. Anders als klassische Zeremonien ist hier nichts auf einen Moment reduziert. Stattdessen verteilt sich das Ereignis über mehrere Tage: Musik, Kunst, Kulinarik und Bewegung greifen ineinander. Die Bühne wechselt ständig – mal Deck, mal Lounge, mal offene See. Es ist diese Idee des „Flow“, die das Schiff nicht nur benennt, sondern auch inszeniert: weniger Pflichtprogramm, mehr Auswahlkurve.
Der proaktive Tim Benzko tritt auch auf
Für die musikalischen Höhepunkte sorgen zwei bekannte Namen: Rea Garvey tritt am 19. Juni auf, Tim Bendzko folgt am 20. Juni – dem eigentlichen Tauftag. Dazwischen und drumherum wird das Bordleben zur Mischung aus Festival und Rückzugsort. Ergänzt wird das Programm durch Kulinarik von Sternekoch Tim Raue sowie kreative Workshops, etwa mit dem Künstler Christian Awe oder Barkultur-Spezialformaten wie der internationalen „Lady Amarena“-Competition für Bartenderinnen.
Auch die Taufe selbst bekommt eine neue Dramaturgie. Erstmals wird eine Taufpatin nicht von der Reederei bestimmt, sondern von den Fans gewählt – drei Kandidatinnen stehen zur Auswahl, die Entscheidung läuft online. Damit wird aus einem symbolischen Akt ein kleines Beteiligungsprojekt, das perfekt in die Marketinglogik der Branche passt: Nähe erzeugen, bevor überhaupt jemand an Bord gegangen ist.
Wer sich für die Reise interessiert, braucht allerdings kein VIP-Format. Die achttägige Taufreise von Triest nach Palma ist bereits buchbar – ab rund 2549 Euro pro Person in der Balkonkabine inklusive Flug. Wer es etwas großzügiger mag, steigt in die Junior Suite ab etwa 5399 Euro ein, ebenfalls inklusive Flug und Premium-Inklusivleistungen im Pro-Tarif. Frühbucherpreise für eine Premiere, die sich selbst als Ereignis versteht.
Technisch setzt die „Flow“ wie ihre Schwesterschiffe auf Flüssigerdgas (LNG), perspektivisch auch auf Bio- und E-LNG. Das ist kein revolutionärer Schritt, aber ein klarer Hinweis auf die Richtung: weg vom reinen Schwerölkapitel der Kreuzfahrtgeschichte, hin zu einer Übergangsphase mit vielen offenen Fußnoten. Die Diskussion über Emissionen bleibt dabei im Hintergrund präsent.