Auf Mallorca ist nach jahrelangen Ermittlungen ein mutmaßlich führender Betreiber von Fakeshops und eine zentrale Figur der deutschsprachigen Cyberkriminalität festgenommen worden. Der 35-Jährige, ursprünglich aus dem Kreis Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen, soll nach Angaben deutscher Ermittlungsbehörden rund 1.000 Menschen um ihr Geld gebracht und zudem eine Neuauflage der illegalen Plattform „Crimenetwork“ betrieben haben. Der Mann sitze derzeit in spanischer Auslieferungshaft.
Die Festnahme erfolgte am Mittwoch durch spanische Sicherheitskräfte auf der Ferieninsel. Gegen den Deutschen lagen nach Angaben der Behörden zwei europäische Haftbefehle vor. Ihm werden banden- und gewerbsmäßiger Betrug sowie die Beteiligung am Betrieb einer kriminellen Handelsplattform im Darknet vorgeworfen.
Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der Beschuldigte zwischen März 2023 und Januar 2025 insgesamt 42 täuschend echt gestaltete Onlineshops betrieben haben. Kunden hätten dort Waren bestellt und bezahlt, die jedoch nie geliefert worden seien. Der bislang bekannte Schaden belaufe sich auf mindestens 323.000 Euro. Die Geschädigten stammten demnach aus ganz Deutschland.
Das Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg erklärte, der Verdächtige habe seit Jahren unter falscher Identität auf Mallorca gelebt. Ermittler der Polizeipräsidien Reutlingen und Offenburg hätten maßgeblich zu seiner Identifizierung beigetragen.
Parallel zur Festnahme durchsuchten Ermittler die Wohnung des Mannes auf Mallorca sowie mehrere Objekte in Deutschland, darunter Wohnungen mutmaßlicher Komplizen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Auch die Wohnung einer Zeugin im Landkreis Mettmann wurde durchsucht. Dabei stellten die Behörden zahlreiche elektronische Datenträger sowie Bitcoin im Wert von rund 314.000 Euro sicher.
Darüber hinaus steht der 35-Jährige im Verdacht, die kriminelle Onlineplattform „Crimenetwork“ neu aufgebaut zu haben. Die ursprüngliche Version war Ende 2024 von den Behörden abgeschaltet worden. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und des Bundeskriminalamts soll der nun Festgenommene bereits wenige Tage später eine neue technische Infrastruktur eingerichtet und erneut unter dem Namen „Crimenetwork“ betrieben haben.
Über die Plattform seien gestohlene Daten, gefälschte Dokumente und Drogen gehandelt worden. Die Neuauflage habe zuletzt mehr als 22.000 Nutzer und über 100 Verkäufer gezählt. Die Transaktionen seien überwiegend über Kryptowährungen abgewickelt worden. Ermittler gehen von Umsätzen in Millionenhöhe aus; laut Bundeskriminalamt deuten sich bislang Einnahmen von rund 3,6 Millionen Euro an.
Wann der Beschuldigte nach Deutschland ausgeliefert wird, ist bislang offen. Der Betreiber der ursprünglichen „Crimenetwork“-Version war erst im März vom Landgericht Gießen zu sieben Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden.