Kurz nach acht Uhr morgens rückten am Dienstag Arbeiter der Baufirma Coexa mit schwerem Gerät am Strand von Son Moll in Cala Rajada an. Weniger als eine Stunde später war der Strandkiosk, der seit Jahrzehnten zum Ortsbild gehört hatte, ein Schutthaufen. Anwohner und Touristen verfolgten den Abriss aus nächster Nähe. Die vollständige Beseitigung des Schutts werde noch "drei bis vier Tage" in Anspruch nehmen, teilte die Bürgermeisterin von Capdepera, Núria Garcia, der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" mit.
Der Abriss war seit Jahren überfällig. Bereits 2018 hatte die zuständige Küstenschutzbehörde (Demarcación de Costas) angeordnet, den Betonbau zu beseitigen, weil er gegen das spanische Küstenschutzgesetz verstößt, das feste Bauten direkt auf Strandgelände untersagt. Hinzu kommt, dass der Kiosk im öffentlichen Küstenbereich stand und die ursprüngliche Betriebsgenehmigung seit Jahren abgelaufen war. Schon 2009 hatten die Behörden und die Gemeinde Capdepera entsprechende Rückübertragungsprotokolle unterzeichnet und den Abriss zugesagt – doch vollzogen wurde er nie.
Ins Rollen gebracht hatte die Sache schließlich die Umweltschutzorganisation GOB: Sie erstattete im August 2024 Anzeige bei der Küstenschutzbehörde, weil der Kiosk-Betrieb seit "mindestens zwei Jahren ohne Rechtsgrundlage fortgeführt" worden sei. Da die Behörde zunächst nicht reagierte, wiederholte der GOB die Anzeige im Oktober 2025 – diesmal mit Erfolg.
Bürgermeisterin Garcia räumte ein, dass der Abriss in der Gemeinde "gemischte Gefühle" hervorrufe. "Einige freuen sich, weil der Strand von Son Moll wieder mehr Platz für Badegäste bekommt. Anderen schmerzt dieser Abriss, weil der Chiringuito längst zur Geschichte des Ortes gehörte", sagte sie. Gleichzeitig betonte sie, die Gemeinde habe keine andere Wahl gehabt: "Wir mussten der Verfügung der Küstenschutzbehörde von 2018 nachkommen." Warum die Anordnung nicht schon früher vollstreckt wurde, wollte Garcia nicht kommentieren.
Gänzlich ohne Strandkiosk wird Son Moll allerdings nicht bleiben. Sobald die Abrissarbeiten abgeschlossen sind, soll eine Genehmigung für eine mobile, saisonale Strandanlage beantragt werden – wie es das Gesetz vorsieht und wie es die Bürgermeisterin ankündigte. Diese soll allerdings kleiner ausfallen als der bisherige Bau. Die bestehende Konzession, die die Gemeinde 2024 bis 2027 ausgeschrieben hatte, soll unter diesen geänderten Bedingungen fortgeführt werden können.