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Mallorca erstickt am Verkehr: Auf der Insel gibt es immer mehr Autos, aber kaum Lösungen

Nicht nur die Urlauber, auch die Zahl der Fahrzeuge nimmt auf dem Eiland stetig zu. Das führt zunehmend zu Problemen und Ärger unter Einheimischen. Eine MM-Analyse

Die Staus vor allem rund um Palma sind in den vergangenen Monaten immer zahlreicher geworden. | Foto: P. Lozano

| Palma, Mallorca |

Mallorca ertrinkt mehr und mehr in einem Meer von Autos – nicht nur in der Hochsaison. Anders als in den vergangenen Jahren scheint sich die Entwicklung jetzt allerdings noch zu verschärfen. Das liegt vor allem an zwei Dingen: Zum einen steigt die Zahl der Urlauber, außerdem leben stetig mehr Menschen auf der Insel. Und dann kommt noch folgendes hinzu: Erstens verzichtet die konservative Balearen-Regierung ausdrücklich darauf, den Zustrom von Autos vom Festland zu limitieren. Und zweitens scheint es weiterhin einen Zuwachs bei der Mietwagenzahl zu geben.

Was den Zustrom von Autos vom Festland anbelangt, so versetzte das Balearen-Parlament am 28. April den Beschränkungs-Ideen den Todesstoß: Ein entsprechender Antrag der oppositionellen Sozialisten wurde mit den 33 Stimmen der konservativen und an der Regierung befindlichen Volkspartei PP und den Rechtspopulisten von Vox rundheraus abgelehnt. Nach der Abstimmung äußerte die sozialistische Abgeordnete Amanda Fernández, dass man "sofort" eine Limitierung einführen werde, wenn man nach der Regionalwahl im kommenden Jahr nach dem Aus 2023 wieder an die Macht komme.

Dieser Ansicht schloss sich die linksregionalistische Més-Partei an. Noch vor wenigen Wochen hatte die Regierung insinuiert, dass man eine Beschränkung wolle: Es gab Treffen mit Verkehrsexperten und Vertretern unter anderem der Nachbarinseln Ibiza und Formentera, wo es Fahrzeug-Limitierungen gibt. Der Inselrat von Mallorca hatte bereits Ende Februar eine ähnliche Initiative auf Eis gelegt.

Fast 135 Prozent mehr Mietwagen als vor einem Jahr

Was die Entwicklung an der Mietwagenfront betrifft, so sprechen die nackten Zahlen eine klare Sprache: Im April wurden nach Angaben des Automobilclubs RACC sage und schreibe 134,78 Prozent mehr Mietwagen auf den Balearen angemeldet als im Vergleichsmonat des Vorjahres, 2483 Fahrzeuge statt 1058. Insgesamt gibt es etwa 70.000 dieser Autos auf den Inseln, mit steigender Tendenz.

Nach oben geht auch die Gesamtzahl der Fahrzeuge auf den Balearen: Nach neuesten Angaben der Verkehrsbehörde waren im vergangenen Jahr nicht weniger als 1,14 Millionen registriert – ein Plus von mehr als 34.000 gegenüber dem Vorjahr. Damit durchbricht die Entwicklung den moderateren Trend der vergangenen Jahre deutlich. Vor allem Pkw und Motorräder treiben den Boom an. Allein die Zahl der Autos legte um fast 20.000 zu, bei Motorrädern waren es mehr als 9000 zusätzliche Fahrzeuge. Das entspricht einem Wachstum von 3,1 Prozent innerhalb von nur einem Jahr.

Einige Gemeinden erkennen den Ernst der Lage und haben bereits reagiert: Wer etwa mit dem Mietwagen im beliebten Ferienort Alcúdia unterwegs ist, muss sich auf eine wichtige Änderung einstellen. Die Gemeinde reserviert nämlich rund 2000 Parkplätze ausschließlich für Anwohner – und verschärft gleichzeitig die Kontrollen. Grüne Markierungen auf dem Boden und mehrsprachige Schilder weisen darauf hin, dass diese Stellflächen nur von registrierten Bewohnern genutzt werden dürfen. Wer sein Auto dort trotzdem abstellt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 200 Euro. Ähnliche Regelungen führten vor einigen Tagen die Gemeinden Son Servera für die beliebten Ferienorte Cala Bona und Cala Millor sowie Capdepera für Bereiche im Dorfkern im Umkreis der Plaça Sitjar ein.

In Sóller führte das Chaos auf den Straßen zu Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde-Verwaltung: Die oppositionelle sozialistische Partei verlangte jüngst den Rücktritt des parteilosen Verkehrsdezernenten Pep Porcel.

Die große Fahrzeugdichte zehrt zusätzlich am Nervenkostüm der Menschen auf der Insel: Wenn es wolkig ist, bilden sich vor allem in Palma lange Schlangen vor den Parkhäusern, die überwiegend aus Mietwagen bestehen. Und die Staus auf der Andratx-, Inca-, der Ring- oder der Flughafenautobahn werden immer zahlreicher.

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