Mallorcas Bahngesellschaft SFM setzt im Kampf gegen Graffiti-Vandalismus künftig auf Drohnenüberwachung. Wie das öffentliche Unternehmen Serveis Ferroviaris de Mallorca (SFM) am Dienstag mitteilte, sind die fliegenden Späher bereits seit April im Einsatz. Ziel sei es, die in den vergangenen Jahren "stark zunehmenden Schmierereien" auf Zügen und Betriebsgeländen einzudämmen.
SFM-Geschäftsführer José Ramón Orta stellte das System auf dem Betriebsgelände Son Rutlan in Palma vor. Dort überwache nun eigens geschultes Sicherheitspersonal mit Drohnen regelmäßig das Areal – überwiegend nachts. Geplant seien zwischen 20 und 25 Kontrollflüge pro Nacht. Die Hightech-Geräte verfügten über Wärmebildkameras und Lautsprecher. Sie würden bereits von Polizeibehörden bei der Suche nach Vermissten eingesetzt und sollen nun auch dazu dienen, Eindringlinge frühzeitig zu erkennen oder abzuschrecken.
Orta kündigte gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" ein konsequentes Vorgehen gegen Sprayer an. "Wir werden sie verfolgen, bis es mit den Schmierereien vorbei ist. Das sind keine Künstler, sondern Straftäter", sagte er.
Die Drohnen sind Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts. Nach Angaben der Bahngesellschaft wurden die Zahl der Sicherheitskräfte erhöht, zusätzliche Überwachungskameras installiert und nächtliche Kontrollen durch eine Hundestaffel ergänzt. Zudem arbeite SFM inzwischen mit einem Schriftsachverständigen zusammen, der Graffiti analysiere, um mögliche Täter zu identifizieren. Die Gutachten sollen Ermittlungen unterstützen und in Gerichtsverfahren als Beweismittel dienen.
Hintergrund der verschärften Maßnahmen sind erhebliche Schäden durch Vandalismus. Nach Angaben von SFM musste das Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als 120.000 Euro für Reinigungsarbeiten aufwenden. Insgesamt seien 37 Waggons besprüht worden. Weitere knapp 40.000 Euro seien für Schäden auf dem Betriebsgelände angefallen. Auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres registrierte die Bahngesellschaft bereits "zehn ähnliche Vorfälle" mit einem Schaden von mehr als 46.000 Euro.
Der Kampf gegen Graffiti beschäftigt auf Mallorca nicht nur die Bahn. Bereits im Frühjahr hatte das städtische Versorgungsunternehmen Emaya berichtet, allein im ersten Quartal 2025 rund 4000 Graffiti entfernt zu haben – mehr als dreimal so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Stadt setzt dafür eigene Reinigungsteams und externe Spezialfirmen ein, insbesondere bei denkmalgeschützten Gebäuden in Palmas Altstadt.
Nach Angaben der Stadtverwaltung würden besonders beleidigende oder menschenfeindliche Schmierereien "prioritär entfernt", oft noch am selben oder folgenden Tag. Gleichzeitig arbeite die örtliche Polizei an der Identifizierung mutmaßlicher Täter und führe dafür eine Bilddatenbank mit dokumentierten Graffiti. Bereits damals hatte die Stadt angekündigt, künftig auch Drohnen und zusätzliche Polizeikräfte einzusetzen.
Aus Sicht der Behörden hat sich Palma inzwischen zu einem "internationalen Zentrum der Graffiti-Szene" entwickelt. Nach Angaben von Emaya würden sich Sprayer aus verschiedenen Ländern über das Internet zu gemeinsamen Aktionen auf Mallorca verabreden. Trotz erster Erfolge rechnen Stadt und Bahn damit, den Kampf gegen den Vandalismus "noch über Jahre" fortsetzen zu müssen.