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MIT PFEFFERSPRAY

"Wir können nicht mehr": Bewohner in Mallorcas Hauptstadt wehren sich mit nächtlichen Patrouillen gegen Kriminalität

Autoeinbrüche, versuchte Hausbesetzungen und Übergriffe auf offener Straße: In Palmas Viertel Son Güells setzten die Menschen jetzt auf Selbsthilfe. Von der Stadtverwaltung fühlen sie sich im Stich gelassen.

In Gruppen und bewaffnet mit Pfefferspray sorgen Anwohner nachts für Sicherheit in ihrem Viertel. | Foto: F. F.

| | Palma de Mallorca |

Bewohner des Viertels Son Güells in Mallorcas Hauptstadt Palma nehmen ihre Sicherheit nun in die eigene Hand: Aus Frust über "anhaltende Kriminalität und Untätigkeit der Behörden" haben Anwohner damit begonnen, nächtliche Bürgerpatrouillen zu organisieren. Nach Angaben der Nachbarschaftsvereinigung sollen die freiwilligen Gruppen vor allem Einbrüche in Autos, Hausbesetzungen und Übergriffe verhindern.

Die Patrouillen seien seit dem vergangenen Wochenende im Einsatz und bewegten sich vor allem nachts durch das Viertel am Ende der Ausfallstraße Carrer de Manacor. Nach Angaben der Bewohner hätten sich erste Erfolge gezeigt. "Wir hatten zwei Nächte ohne Diebstähle, aber wir dürfen jetzt nicht nachlassen", sagte die Vorsitzende der Nachbarschaftsvereinigung, Melissa Rodríguez.

Die Anwohner schildern die Lage in Son Güells seit längerem als "unerträglich". Immer wieder komme es zu Autoaufbrüchen, Drohungen und körperlichen Angriffen auf offener Straße. Zudem klagen die Bewohner über offen "sichtbaren Drogenkonsum" im öffentlichen Raum. Ein Bewohner sagte gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora", viele Menschen hätten Angst, "nachts überhaupt noch vor die Tür" zu gehen. Selbst tagsüber seien regelmäßig Drogenabhängige auf den Straßen zu sehen, die sich dort Spritzen setzten.

Nach Darstellung der Nachbarschaftsvereinigung habe sich die Situation zuletzt weiter verschärft. Als zusätzlichen Belastungsfaktor nennen die Bewohner die zunehmende Zahl von Wohnmobilen und in ihrem Viertel. Sie berichten von illegalen Anzapfungen von Wasser, Einschüchterungen sowie versuchten Wohnungsbesetzungen.

Die Bürgerpatrouillen organisieren sich demnach über WhatsApp-Gruppen. Freiwillige koordinieren dort ihre nächtlichen Rundgänge und melden verdächtige Beobachtungen. Die Patrouillen sind überwiegend zu Fuß oder in Privatfahrzeugen unterwegs und versuchten, möglichst unauffällig zu agieren. Einige Mitglieder führten Pfefferspray oder einfache Mittel zur Selbstverteidigung mit, so Rodríguez.

Nach Angaben der Anwohner entstand die Initiative aus purer Verzweiflung. "Wir können nicht mehr. Wir wollen nicht, dass jemand unsere Autos aufbricht oder unsere Wohnungen besetzt", zitiert das Regionalblatt Bewohner des Viertels. Gegenüber der Stadtverwaltung habe man die Probleme wiederholt angesprochen, sagte Rodríguez. Dort sei zwar ein Aktionsplan für Son Güells angekündigt worden, konkrete Maßnahmen seien bislang jedoch ausgeblieben. "Wir wissen nicht, ob das noch etwas kommt", sagte sie.

Die Bewohner fühlen sich nach eigener Darstellung von Politik und Sicherheitsbehörden allein gelassen. Mit den nächtlichen Patrouillen wollen sie nun zumindest versuchen, die zunehmende Unsicherheit in ihrem Viertel selbst einzudämmen.

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