Die balearische Landesregierung setzt im Kampf gegen die Wohnungsnot auf Mallorca und den Nachbarininseln auf ein ungewöhnliches Mittel: Steuernachlässe für Vermieter. Ministerpräsidentin Marga Prohens (PP) kündigte am vergangenen Montag (15.12.) an, Wohnungseigentümer steuerlich zu entlasten, wenn sie im kommenden Jahr auf Mieterhöhungen verzichten. Hintergrund ist das Auslaufen staatlicher Preisbremsen – ab 2026 dürfen Mieten nach Ablauf vieler Verträge wieder frei festgelegt werden. Die Opposition hält den Plan für unzureichend und warnt vor massiven Belastungen für Zehntausende Haushalte.
Hintergrund: Auf den Balearen tickt eine juristische Uhr. In Spanien können Vermieter nach fünf Jahren Vertragslaufzeit den Mietpreis neu festsetzen – anders als in Deutschland ohne Kappungsgrenzen. Genau diese Fünfjahresfrist endet 2026 für Tausende Verträge, die im Corona-Jahr 2021 zu vergleichsweise günstigen Konditionen abgeschlossen wurden. Damals brach die Nachfrage ein, heute herrscht Wohnungsknappheit.
Steuerbonus statt Mietdeckel
Prohens betonte im Parlament, ihre Regierung werde neue Steuererleichterungen für Vermieter schaffen, die ihre Mieten nicht erhöhen und "verantwortungsbewusst handeln". Zugleich verwies sie darauf, dass die Liberalisierung der Preise nicht von den Balearen beschlossen worden sei. Die Zentralregierung in Madrid habe die Begrenzung eingeführt – und sich nun entschieden, sie nicht zu verlängern.
Für Lluís Apesteguia, Sprecher der linksregionalistischen Partei Més, ist das eine Ausrede. Er forderte die Regierung auf, konkrete Maßnahmen gegen die absehbaren Erhöhungen zu ergreifen. Mehr als 24.000 Familien seien betroffen. „Sie sind seit drei Jahren an der Regierung, und die Mietpreise sind um 27 Prozent gestiegen, die Kaufpreise um 30 Prozent“, sagte Apesteguia. „Das ist das Ergebnis Ihrer Politik.“
Prohens hielt dagegen und verwies auf die Zukunft. Ab 2026 solle mit dem Bau von 1000 Wohnungen begonnen werden – „mehr als je zuvor auf den Balearen“. Diese seien ausdrücklich für die Bürger der Inseln vorgesehen. Apesteguia konterte trocken: Derzeit gebe es „kein einziges Projekt“ für diese angekündigten Wohnungen.
Streit um Sozialwohnungen und Zuständigkeiten
Zusätzliche Brisanz bekam die Debatte durch den Streit um Sozialwohnungen. Prohens kritisierte die von Més geführte Stadtverwaltung von Manacor, weil sie einen Vorschlag der konservativen PP abgelehnt hatte: Zugang zu kommunalem Wohnraum sollte nur erhalten, wer seit 18 Jahren in der Gemeinde gemeldet ist. Für die Präsidentin ein Instrument gegen Zuzug und Spekulation, für die Opposition ein Ausschlusskriterium für junge Menschen und Arbeitnehmer.
Auch die Sozialisten der PSIB mischten sich ein. Ihr Sprecher Iago Negueruela erklärte, die von Prohens angekündigten Steuererleichterungen seien bereits im staatlichen Wohnungsgesetz vorgesehen – allerdings nur, wenn die Balearen offiziell als „angespannte Wohnregion“ eingestuft würden. Genau das lehnt die Landesregierung ab. Negueruela wandte sich zudem gegen lange Mindestaufenthaltszeiten: „Ein Arbeitnehmer“ könne nicht erst Jahrzehnte warten, um Zugang zu Wohnraum zu erhalten.
24.456 Verträge – und freie Preisbildung
Die nackten Zahlen verschärfen die politische Auseinandersetzung. Nach Angaben des Ministeriums für soziale Rechte und Verbraucherschutz laufen im Jahr 2026 exakt 24.456 Mietverträge auf den Balearen aus. Sie wurden 2021 unterzeichnet, als die Preise pandemiebedingt deutlich niedriger lagen. Mit dem Auslaufen der staatlichen Begrenzungen drohen nun erhebliche Sprünge nach oben – rechtlich zulässig, sozial brisant.
Ob Steueranreize ausreichen, um Vermieter vom großen Nachschlag abzuhalten, bleibt offen. Die Regierung setzt auf Freiwilligkeit, die Opposition fordert verbindliche Regeln. Sicher ist nur: Der Wohnungsmarkt auf Mallorca und den Nachbarinseln wird 2026 zum politischen Stresstest – und für viele Mieter zur Frage, ob sie sich ihr Leben auf den Balearen noch leisten können.