Es gibt Popstars, die füllen Stadien. Und es gibt Shakira, die sich kurzerhand selbst eines bauen lässt. In Madrid entsteht im September ein temporäres „Estadio Shakira“, ein Monument auf Zeit, errichtet allein für den Hüftschwung einer Frau, die längst mehr ist als Sängerin: Marke, Mythos, globale Erzählung. Wo andere auftreten, inszeniert sie Besitzansprüche – auf Raum, Aufmerksamkeit und, ja, auf Geschichte.
Vier Hektar groß soll dieses Reich werden, so erklärte die Kolumbanierin vor kurzem in einem Interview mit der spanischen Radio-und Fernsehanstalt RTVE, entworfen von der Bjarke Ingels Group, die sonst Städte neu denkt und nun also Pop in Beton gießt. 50.000 Menschen pro Abend, sechs bestätigte Shows, womöglich mehr – und mittendrin eine Künstlerin, die ihre Karriere mit einer fast schon statistischen Wucht untermauert: über 80 Millionen verkaufte Tonträger, Milliarden Streams, drei Grammys, ein Dutzend Latin Grammys, dazu ein Song wie „Waka Waka“, der sich zur inoffiziellen Globalhymne einer ganzen Fußballgeneration aufschwang.
Zwölf Stunden Ekstase statt zwei Stunden Zugabe
Man muss sich das klarmachen: Diese Frau ist kein Popstar im klassischen Sinn mehr, sondern ein Exportprodukt der Globalisierung, das sich selbst kuratiert. Genau das wird nun zum Konzept erhoben. „Es Latina“ heißt das Format –und es dauert so lange wie ein mediterraner Sommertag: Ein halbes Dutzend Auftritte sind bislang angesetzt, doch jeder einzelne soll sich über volle zwölf Stunden erstrecken, von Mittag bis Mitternacht. Musik, Gastronomie, Literatur, Kunst: Alles fließt ineinander, alles trägt ihren Stempel. Der Veranstaltungsort wird in „Macondo Park“ umgetauft, eine Reverenz an Gabriel García Márquez – magischer Realismus als Eventstrategie.
Dass dabei auch ein gewisser Größenwahn mitschwingt, gehört zur Dramaturgie. Wo einst das Mad Cool Festival wegen Lärmbeschwerden juristische Nachspiele hatte, soll nun ein noch größeres Spektakel stattfinden. Die Kritik verhallt bislang an einer Wand aus Selbstbewusstsein. Man habe alles im Griff, heißt es aus dem Management von Shakira. Und überhaupt: Wer wollte Madrid schon verdenken, für ein paar Wochen zur Hauptstadt des globalen Pop zu werden?
Herzschmerz als Geschäftsmodell
Der Glamour speist sich indes nicht nur aus Architektur und Zahlen, sondern auch aus jener privaten Fallhöhe, die Shakiras jüngste Jahre prägte. Ihre Trennung von Gerard Piqué, einst Weltmeister, Barcelona-Ikone und Vorzeigepartner, geriet zur öffentlichen Seifenoper. Dass Piqué sich ausgerechnet mit einer deutlich jüngeren Frau – Berichten zufolge aus dem Umfeld des gemeinsamen Haushalts – neu orientierte, verlieh der Geschichte jene Boulevard-Schärfe, die selbst abgeklärte Popnarrative selten erreichen. Shakira reagierte, wie sie es immer tut: nicht mit Rückzug, sondern mit Musik – und einem der erfolgreichsten Abrechnungssongs der letzten Jahre.
Parallel dazu drohte juristischer Ärger. Die spanischen Behörden warfen ihr Steuervergehen vor, eine Haftstrafe stand im Raum. Am Ende wurde auch dieser Konflikt beigelegt, gegen Zahlung einer Millionenstrafe. Es ist die Art von Episode, die Karrieren beschädigen kann – oder, im Fall Shakira, nur eine weitere Schicht zur Legende hinzufügt.
Von der Copacabana nach Madrid: Weltstar auf Heimkehrkurs
Und so führt die Route dieser Legende zunächst nach Südamerika, bevor sie Madrid erreicht. Der Auftakt ihrer „Las mujeres ya no lloran“-Tournee kulminiert Anfang Mai in einem Auftritt am legendären Strand der Copacabana in Rio de Janeiro. Bleibt die profane Frage nach den Eintrittspreisen – und die fällt, wie so oft im Pop-Olymp, weniger bescheiden aus als die Hüften der Protagonistin beweglich sind. Branchenüblich bewegen sich die Karten für solche Mega-Produktionen in Spanien inzwischen im Bereich zwischen rund 90 und 300 Euro, je nach Nähe zur Bühne und Erlebnisfaktor, während exklusive VIP-Pakete problemlos die 5000-Euro-Marke überschreiten können. Der Vorverkauf beginnt dieser Tage in mehreren gestaffelten Phasen über die üblichen Plattformen rund um Live Nation, wobei der freie Verkauf Ende der Woche startet – ein digitaler Wettlauf, bei dem Geduld selten belohnt wird.