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Heftige Kritik an Kuss nach WM-Triumph von Spaniens Frauen: "Form der sexuellen Gewalt"

Spaniens Fußball-Chef Luis Rubiales küsst Weltmeisterin Jennifer Hermoso nach dem WM-Finale ungefragt auf den Mund. Die Kritik ist scharf, der Verbandsboss verteidigt sich

Der Moment, in dem Rubiales ungefragt einen Lippenkuss verteilte. | Ultima Hora

| Mallorca/Sydney |

Immer war Luis Rubiales beteiligt. Die Bilder nach dem großen Finale in Sydney, das auch auf Mallorca für ausgelassen Feier-Stimmung sorgte, zeigten zwar insbesondere den großen Jubel der neuen spanischen Fußball-Weltmeisterinnen, die tanzend mit dem goldenen Pokal ihren ersten Titel feierten. Die Szenen mit dem übergriffig gewordenen spanischen Verbandschef aber sorgten in der Nacht zum Montag für Aufregung und deutliche Kritik. Spaniens Kultur- und Sportminister Miquel Iceta bezeichnete das Verhalten des Verbandschefs als "inakzeptabel" und forderte, Rubiales müsse nun "als allererstes Erklärungen abgeben und sich entschuldigen".

Rubiales hatte bei der Medaillen-Übergabe Starspielerin Jennifer Hermoso ungefragt auf den Mund geküsst. Der 45-Jährige gratulierte der zwölf Jahre jüngeren Hermoso, umarmte sie innig und küsste ihr zweimal auf die Wange, ehe er mit beiden Händen ihren Kopf packte und sie auf den Mund küsste. "Es ist eine Form der sexuellen Gewalt, die wir Frauen täglich erleiden und die bisher unsichtbar war und die wir nicht normalisieren dürfen", schrieb Spaniens Gleichstellungsministerin Irene Montero auf X, vormals Twitter.

Man solle nicht davon ausgehen, dass Küssen ohne Zustimmung etwas sei, das einfach so passiere: "Die Zustimmung steht im Mittelpunkt. Nur ein Ja ist ein Ja", stellte die Ministerin klar. Und mit ihrer Kritik war sie längst nicht allein. "Das ist inakzeptabel. Es ist unglaublich", sagte der niederländische Frauen-Nationaltrainer Andries Jonker. Und Sportminister Iceta sagte im staatlichen Radiosender RNE: "Gerade wir, die öffentliche Verantwortung tragen, müssen sehr vorsichtig sein, denn wir geben der Gesellschaft eine Botschaft."

Rubiales verteidigte sich gegen die scharfe Kritik. "Idioten gibt es überall. Wenn zwei Menschen miteinander eine unwichtige Geste der gegenseitigen Zuneigung teilen, darf man dem Mist, der da gesagt wird, keine Beachtung schenken", sagte er Radio Marca. Hermoso hatte in einer ersten Reaktion kurz nach der Siegerehrung auf einem Video aus der Kabine gesagt: "Das hat mir nicht gefallen." Sie hätte nicht gewusst, wie sie hätte reagieren sollen.

Andere Spielerinnen küsste Rubiales zudem auf die Wange, wie auf Bildern in sozialen Medien zu sehen war. Der spanische Fußballverband RFEF war anschließend bemüht, die Szenen möglichst schnell herunterzuspielen. Man solle "dieser Geste der Freundschaft und der Dankbarkeit nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken", teilte Hermoso über den Verband mit. Die Stürmerin des mexikanischen Clubs Pachuca fügte auf offiziellem Weg hinzu: "Der 'Präsi' und ich haben ein großartiges Verhältnis zueinander. Sein Verhalten uns allen gegenüber war ausgezeichnet." Man solle den Kuss nun nicht überbewerten.

Die deutsche Ex-Nationalspielerin Tabea Kemme empfand den Übergriff als völlig fehl am Platz. "Ich wünsche mir, dass die Menschen, die für den psychischen Machtmissbrauch im spanischen Verband verantwortlich sind, aus dem System genommen und sanktioniert werden", schrieb die Olympiasiegerin von 2016 in am Montag ihrer Kolumne für das Nachrichtenportal t-online. Im vergangenen Jahr waren nach der EM in England insgesamt 15 Nationalspielerinnen aus Protest gegen Spaniens Verband und den umstrittenen Nationaltrainer Jorge Vilda vorübergehend zurückgetreten. Nur drei kamen anschließend zurück und schafften gegen England sensationell den Triumph im WM-Finale.

Eigentlich wollte die Mannschaft 2022 erwirken, dass sich der Verband von Vilda trennt, doch das passierte nicht, stattdessen hielt vor allem Boss Rubiales öffentlich zu ihm. Grund für den Spielerinnen-Protest waren viele Anschuldigungen. Durch unangebrachte und überzogene Kontrollmaßnahmen soll psychischer Druck aufgebaut worden sein, berichteten Medien übereinstimmend. Das Verhältnis zwischen Nationalcoach und Mannschaft ist angeblich immer noch nicht störungsfrei. Das war auch beim Jubel nach dem Titelgewinn in Australien zu sehen, denn die Spielerinnen feierten lange ohne das Trainerteam.

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