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"Der Tourist sucht nicht nur Freizeit – Nachhaltigkeit gewinnt immer mehr an Bedeutung"

Juan Antonio Amengual, Bürgermeister von Calvià, über seine Präsenz auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) Berlin

Juan Amengual analysiert die diesjährige Tourismusstrategie von Calvià | Foto: R. F.

| Calvià, Mallorca |

Die Teilnahme von Calvià an der ITB in Berlin fällt aus Sicht der Gemeinde positiv aus. Der Ort arbeitet daran, Besuchern Erlebnisse zu bieten, die über klassischen Sonnen- und Strandtourismus hinausgehen. Dieser bleibt zwar weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Angebots, wird jedoch um neue Zielgruppen erweitert – unter dem Leitgedanken von Nachhaltigkeit, Kultur und der Aufwertung des natürlichen und landschaftlichen Erbes der Region.

Frage: Wie fällt Ihre Bilanz der Präsenz von Calvià auf der ITB in Berlin aus?
Juan Amengual: Sehr positiv. Berlin ist ein anspruchsvoller Markt. Die Menschen dort kennen Calvià sehr gut und erwarten jedes Jahr, dass wir ihnen das Beste präsentieren. Der deutsche Markt ist sehr treu, befindet sich derzeit jedoch in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Unser Ziel ist es daher, weiterhin zu den bevorzugten Reisezielen zu gehören – mit einem erneuerten Ansatz und einer klaren Vision, die Tourismus und Nachhaltigkeit miteinander verbindet. Gerade in Deutschland besitzt dieser Ansatz einen hohen Stellenwert.

Frage: Tourismus, Natur und Kultur waren zentrale Themen Ihrer Präsentation. Warum?
Amengual: Weil darin die Zukunft liegt. Der Tourist sucht nicht nur nach sicherer Freizeitgestaltung. Nachhaltigkeit gewinnt bei der Wahl eines Reiseziels immer stärker an Bedeutung – besonders auf dem deutschen Markt. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass verantwortungsvoller Tourismus nachhaltig sein muss. Calvià umfasst eine Fläche von 154 Quadratkilometern, von denen 89 Prozent landwirtschaftlich, ländlich oder bewaldet sind. Zudem verfügen wir über mehr als 50 Kilometer Küstenlinie. Wir sind stolz auf unsere Natur, auf Küste und Berge, auf unsere Agrarlandschaft – und wir müssen sie bewahren, für unsere Besucher, vor allem aber für unsere Einwohner. Aus diesem Grund haben wir unter dem Motto „Calvià, Tierra Viva“ unsere Neuerungen vorgestellt, die sich auf drei symbolträchtige Orte konzentrieren: sa Morisca, wo ein neues Museum kurz vor der Eröffnung steht und ein großes Archäologieareal für Familien entsteht; Galatzó, wo künftig einheimische Tierarten integriert werden; und Torrenova, ein Projekt, das noch vor Ende 2026 in einer ersten Phase eröffnet werden soll. Darüber hinaus nehmen wir Kultur in all ihren Bereichen sehr ernst. In Berlin haben wir zum Beispiel die AI Movie Awards vorgestellt, die am 24. und 25. April in Magaluf stattfinden werden und mehr als 200 Fachleute aus der ganzen Welt zusammenbringen.

Frage: Möchten Sie damit das Image des klassischen "Sonne-und-Strand"-Tourismus verändern?
Amengual: Wir werden uns niemals vom Sonnen- und Strandtourismus distanzieren. Er ist ein unbestreitbarer Anziehungspunkt, den Tausende Menschen suchen und an den wir weiterhin glauben. Das zeigt sich auch daran, dass wir unsere Strände länger öffnen und mit zusätzlichen Dienstleistungen ausstatten. Unsere Strategie besteht jedoch darin, darüber hinauszugehen – etwa durch eine stärkere Förderung von Kultur, Gastronomie, Sport oder Kongresstourismus. Wir haben viel zu bieten. Es geht nicht darum, um jeden Preis zu wachsen, sondern darum, das Angebot zu diversifizieren und die Saison zu verlängern. Das ist unsere Herausforderung.

Frage: Seit Beginn der Legislaturperiode setzen Sie auf „Calvià 365 Tage“. Beobachten Sie bereits einen Wandel in diese Richtung?
Amengual: Absolut. Und das ist nicht nur eine Wahrnehmung, sondern lässt sich mit Zahlen belegen. In den letzten zwei Jahren haben wir deutlich mehr als hundert Restaurants gezählt, die im Winter im Gemeindegebiet geöffnet waren. Gleichzeitig bleiben immer mehr Hotels das ganze Jahr über in Betrieb. Es ist uns gelungen, die Saison zu verlängern: Im Jahr 2025 erreichten die Monate März, April und Oktober eine durchschnittliche Auslastung von rund 60 Prozent, mit Spitzenwerten an Wochenenden von über 75 Prozent. Für dieses Jahr liegen uns bereits Daten der Hotelverbände zur geplanten Öffnung vor Ostern vor, und ich kann sagen, dass sie ausgezeichnet sind: Rund 73 Prozent der Beherbergungsbetriebe werden Anfang April geöffnet und voll einsatzbereit sein.

Frage: Welche Rückmeldungen haben Sie von deutschen Reiseveranstaltern und Partnern erhalten?
Amengual: Wir haben eine sehr hohe Zufriedenheit und eine starke Wiederkehrquote festgestellt. Der deutsche Markt ist Calvià treu geblieben – selbst in Zeiten internationaler Unsicherheiten oder wirtschaftlicher Schwankungen. Das beobachten wir seit mehreren Jahren. Für viele Deutsche gilt Calvià als zuverlässiges und sicheres Reiseziel mit einem immer breiteren Angebot, weshalb sie gerne zurückkehren. Immer wieder wird uns die hohe Servicequalität und die Professionalität der Beschäftigten in Hotels, Gastronomie und Dienstleistungssektor hervorgehoben. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Qualität zu unserem Markenzeichen geworden ist. Ein Beispiel dafür ist ein neues dreiteiliges MICE-Event im Bereich Luxustourismus, das wir in Berlin vorgestellt haben und das im Oktober in Santa Ponça und Magaluf stattfinden wird. Es wird eine weitere Gelegenheit sein, das vielfältige Calvià zu präsentieren – eine Gemeinde, die ihr Natur- und Kulturerbe pflegt und touristische Entwicklung mit Nachhaltigkeit verbindet.

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