Die kleine Tramuntana-Gemeinde Escorca auf Mallorca gilt laut einer Studie der Autofahrerorganisation Automovilistas Europeos Asociados (AEA) als eine Art Steuerparadies für Fahrzeuge. Der Grund: Im Jahr 2025 waren dort 3960 Pkw registriert, obwohl der Ort nur 199 Einwohner hat. Rechnerisch kommen damit fast 20 Fahrzeuge auf jeden Einwohner – ein ungewöhnlich hoher Wert.
Möglich wird das durch Unterschiede bei der kommunalen Fahrzeugsteuer, dem Impuesto sobre Vehículos de Tracción Mecánica (IVTM). Zwar legt der Staat Mindesttarife fest, doch die Gemeinden dürfen die Höhe der Steuer innerhalb bestimmter Grenzen selbst bestimmen. Dadurch können sich die Kosten zwischen einzelnen Orten um bis zu 700 Prozent unterscheiden.
Viele Gemeinden haben Spielraum
Viele Gemeinden nutzen diesen Spielraum gezielt. Sie senken die Steuer oder gewähren Ermäßigungen von bis zu 75 Prozent, um als Standort attraktiver zu werden. Besonders Autovermieter und Leasingfirmen melden ihre Fahrzeuge deshalb bevorzugt in solchen Gemeinden an – oft unabhängig davon, wo die Autos tatsächlich genutzt werden.
Für Orte wie Escorca lohnt sich das: Die Gemeinde erhält jedes Jahr Einnahmen aus der Fahrzeugsteuer, obwohl die meisten dieser Autos niemals dort unterwegs sind. Unternehmen eröffnen häufig sogar kleine Niederlassungen vor Ort, um ihre Fahrzeugflotten offiziell dort registrieren zu können.
Ausgelöst wurde dieses Phänomen im Jahr 2000, als Spanien die Provinzkürzel auf Nummernschildern abschaffte. Seitdem können große Fahrzeugflotten ihre Autos problemlos in Gemeinden mit besonders niedriger Steuer anmelden – und so entstehen in Spanien immer wieder neue kommunale "Steuerparadiese" für Fahrzeuge.