Am der berühmtesten Ausgeh- und Flaniermeile der Insel, dem Paseo Marítimo von Palma de Mallorca, spitzt sich die wirtschaftliche Lage dramatisch zu. Mit der neuen Plattform "Marítim" haben sich Unternehmer, Gastronomen und Branchenverbände zusammengeschlossen, um Alarm zu schlagen – und konkrete Hilfe einzufordern. "Es gibt Leute, die in Konkurs gehen", warnt Sprecher José Pérez. Viele Betriebe seien "am Ende ihrer Kräfte". Nach den Corona-Jahren habe vor allem die jahrelange Großbaustelle entlang der Promenade tiefe Spuren hinterlassen.
90 Prozent weniger Umsatz – und kein Ende in Sicht
Die Zahlen sind drastisch: Laut Branchenvertretern haben einige Unternehmen Umsatzeinbrüche von bis zu 90 Prozent verkraften müssen. Schon zuvor hatte MM über massive wirtschaftliche Probleme berichtet – von leerstehenden Lokalen bis zu ausbleibenden Investitionen. "Die Prognosen sind gleich null", sagt Pérez. Der Grund: fehlende Kundschaft. Viele Besucher blieben schlicht weg, weil die Gegend schwer erreichbar sei. Gleichzeitig hätten sich neue Hotspots in anderen Stadtteilen etabliert – etwa in Santa Catalina oder am Paseo Mallorca.
Baustelle, Parkplatz-Frust, Verkehrschaos
Besonders scharf kritisiert die Branche die Folgen des Umbaus. Juanmi Ferrer, Präsident des mallorquinischen Gaststättenverbandes, spricht von gebrochenen Versprechen und massiven Fehlplanungen: "Es gibt Leute, die pleitegehen." Ein zentraler Vorwurf: Rund 1200 Parkplätze seien weggefallen. Gleichzeitig fehle es an Alternativen. "Hier kann man weder hinunter- noch hinaufkommen", klagt Pérez. Die Plattform fordert deshalb dringend Shuttlebusse, bessere Taxi-Anbindungen und ein schlüssiges Verkehrskonzept.
Trotz der Krise gibt es punktuelle Lichtblicke. Investoren zeigen weiterhin Interesse: So steht etwa die Wiedereröffnung der bekannten Diskothek Social Club Mallorca bevor, und auch internationale Ketten wie Five Guys siedeln sich an. Doch das reicht nicht, um die strukturellen Probleme zu überdecken. Traditionsorte wie das Mercat 1930 haben bereits geschlossen – ein Symbol für den schleichenden Niedergang.
Ein weiteres Problem: das fehlende Angebot. "Hier gibt es kaum Geschäfte", kritisiert Ferrer. Die Promenade sei zu einseitig auf Gastronomie und Nachtleben ausgerichtet. Für eine nachhaltige Belebung brauche es mehr Läden, mehr Vielfalt – und damit auch neue Zielgruppen. Die große Frage: Soll Palmas Vorzeige-Meile künftig eher wie die mondänen Küstenboulevards von Cannes oder Nizza funktionieren – oder ihren eigenen, lebendigen Charakter zurückgewinnen?
"Wir schaffen das nicht allein"
Hinter "Marítim" steht ein breites Bündnis aus Wirtschaftsverbänden, darunter CAEB, Gastronomie- und Freizeitverbände sowie Vertreter der Immobilien- und Reisebranche. Ihr Ziel: ein Neustart für den Paseo – gemeinsam mit Politik und Behörden. Doch die Botschaft ist eindeutig: Ohne schnelle, direkte Hilfen droht einer der wichtigsten touristischen und wirtschaftlichen Hotspots Palmas weiter auszubluten. Oder, wie es Pérez formuliert: "Wir werden das nicht alleine schaffen."