Wenn sich noch bis Samstag, den 2. Mai, der Hafen von Palma de Mallorca in eine schwimmende Bühne verwandelt, dann ist wieder Zeit für große Träume – und noch größere Preisschilder. Die Palma International Boat Show ist kein Ort für halbe Sachen, sondern ein Schaufenster für das, was technisch möglich und finanziell gerade noch vertretbar ist. Herzstück und eigentlicher Magnet ist dabei das sogenannte Superyacht Village – früher als Superyacht Show bekannt –, jener Bereich der Messe, in dem sich die teuersten, größten und spektakulärsten Yachten versammeln. Anders gesagt: Hier liegt das eigentliche Zugpferd der Veranstaltung vor Anker. Und, was gern vergessen wird: Fast alles, was hier glänzt, steht tatsächlich zum Verkauf.
Das schwimmende Schaufenster der Superreichen
Zwischen diskret plaudernden Brokern, ernst blickenden Interessenten und Besuchern, die zumindest für einen Nachmittag so tun, als wäre alles möglich, liegen sie nebeneinander: Yachten, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch alle das gleiche Versprechen geben. MM hat sich zehn von ihnen etwas genau angeschaut.
"Simena": Luxus in seiner leisesten Form
Unangefochtenes Flaggschiff ist die 62 Meter lange "Simena", eine Segelyacht, die schon beim ersten Blick deutlich macht, dass hier nicht gespart wurde – weder an Material noch an Ideen. Stahl trifft auf Carbon, klassische Linien auf moderne Technik. Der Hybridantrieb erlaubt es, nahezu lautlos durch die Bucht zu gleiten, während an Deck ein Jacuzzi wartet, der eher an ein Boutiquehotel erinnert als an ein Fortbewegungsmittel. Innen dominiert der "Gentleman's Yacht"-Stil: viel Walnussholz, warme Töne, Messingdetails, die leise daran erinnern, dass Luxus hier nicht laut sein muss. Preislich liegt man bei knapp 46 Millionen Euro – eine Summe, bei der selbst erfahrene Broker kurz innehalten, bevor sie wieder routiniert lächeln.
Understatement auf höchstem Niveau
Ein paar Schritte weiter wirkt die "MQ2" wie ein bewusst gesetzter Gegenentwurf. Niederländische Baukunst von Feadship, zeitlos, fast stoisch in ihrer Eleganz. Diese Motoryacht will nicht beeindrucken, sie tut es einfach. Großzügige Außenflächen, lange Reichweiten, ein Interieur, das mehr an Understatement als an Inszenierung interessiert ist. "Viele Kunden suchen genau das", sagt Marta Iglesias, "etwas, das auch in zehn Jahren noch modern wirkt."
Marta Iglesias weiß das besser als jede andere. Seit mehr als 30 Jahren ist die Spanierin in der internationalen Yachtbroker- und Charterszene tätig, aktuell als Senior Brokerin bei dem auf den Verkauf und die Vermietung von Luxusyachten spezialisierten, weltumspannenden Unternehmen Camper & Nicholsons mit eigener Dependance in Palmas La Llotja-Hafen. Gleichzeitig ist Iglesias Präsidentin der sogenannten Balearic Yacht Broker Association (BYBA), einem Verband von verschiedenen auf den Inseln ansässigen Yachtbroker-Unternehmen im Highlevel-Bereich.
Wie die Krise zur Chance wurde
Der Verband war anfangs eine lose Vereinigung von Broker- und Charterunternehmen, deren Portfolio aus hochpreisigen Privatyachten bestand. "Wir richteten zur Eröffnung von Port Adriano 2012 unter anderem eine kleine Superyacht-Messe dort aus, die bei Kunden und Publikum sehr viel Anklang fand. Doch richtig los ging es für uns 2013 mit der Superyacht-Show in Palma."
Dort gab es seit vielen Jahren die Internationale Bootsmesse, anfangs unter dem spanischen Namen "Salón Náutico" bekannt, der später in "Palma International Boatshow" umgetauft wurde. Nach der Wirtschaftkrise 2008 ging es mit der Messe immer mehr den Bach herunter, gerade für kleine Aussteller war es nicht mehr rentabel, zumal die Kundennachfrage ebenfalls immer rückläufiger wurde. 2012 trat schließlich der worst case ein.
"Die Landesregierung, die die Boatshow ausrichtet, musste die Messe in diesem Jahr aufgrund der fehlenden Nachfrage von Ausstellern und dem damit verbundenen Rentabilitätsverlusten ausfallen lassen. Das war ein schwerer Schlag für die gesamte Nautikbranche auf den Balearen. Und dann kamen wir ins Spiel", erinnert sich Iglesias.
Der BYBA schlug der Landesregierung vor, die Messe durch einen eigenen Superyacht-Bereich, die sogenannte Superyacht-Show, für das einheimische aber auch ausländische Publikum interessanter zu machen. Und dieser Plan ging auf. Nach der Corona-Pause wurde die Ausstellung schließlich zu einer Fachmesse für potenzielle Kunden, was den Ausstellern entgegenkam.
Rennpferde und Raumwunder
Doch zurück zu unserer Auswahl an spektakulären Messe-Yachten. Wer Geschwindigkeit und Segelkunst sucht, bleibt bei der "Ohana" stehen. Knapp 50 Meter, entworfen für Performance und Präzision. Der Segelplan wirkt wie eine Drohung an jede Regattastrecke, während unter Deck ein Komfortniveau wartet, das den sportlichen Anspruch elegant abfedert. Ähnlich kompromisslos, wenn auch noch radikaler gedacht, ist die "Mari-Cha III". Ein Super-Maxi, gebaut aus Carbon-Verbundstoffen, leicht, schnell, fast aggressiv in seiner Linienführung – und doch ausgestattet mit allem, was neun Gäste für längere Aufenthalte benötigen. Ein Rennpferd im Maßanzug, könnte man sagen.
Zwischen diesen Extremen findet sich ein breites Spektrum. Die Motoryacht "Emotion 2" bringt italienischen Luxus auf den Punkt: helle Materialien, großzügige Räume, ein Beach Club, der den Übergang zwischen Meer und Deck fast nahtlos erscheinen lässt. Mit 453 GT (Maß für das interne Volumen eine Schiffes) bietet sie ein Raumgefühl, das sich eher nach Apartment als nach Schiff anfühlt. "GT ist entscheidend", erklärt Iglesias, "es sagt dir, wie viel Leben wirklich an Bord passt." Dass viele Yachten knapp unter der 500-GT-Grenze bleiben, sei kein Zufall – darüber werde es regulatorisch deutlich komplizierter.
Auch die "CD Two" setzt auf Volumen und Präsenz. 431 GT, sieben Kabinen, ein Sonnendeck, das eher an eine kleine Promenade erinnert. Sie ist weniger spektakulär im Detail, dafür umso überzeugender im Gesamtbild – eine Yacht, die genau weiß, was sie sein will: zuverlässig, komfortabel, vermietbar.
Ikonen, Innovationen und Ingenieurskunst
Dann sind da die Ikonen. Die "Andromeda La Dea" etwa, eine Perini-Navi-Ketch mit Geschichte. Weltumsegelung, Refit, jetzt wieder im Glanz moderner Ausstattung. Oder die "W Magic", deren minimalistisches Design fast schon asketisch wirkt – bis man die technischen Details betrachtet: hochmodernes Segelhandling, extreme Laufruhe, ein Schiff, das Innovation lieber zeigt als erklärt.
Mit der "Imagine D" wird es dann wieder klassischer – lange Linien, großer Tiefgang, gebaut für weite Reisen. Und schließlich die "Canova", ein technisches Experiment, das längst Realität ist. Ihr Dynamic Stability System reduziert Krängung und Rollbewegung spürbar, während der Hybridantrieb Energie zurückgewinnt. Segeln wird hier zur Ingenieursdisziplin.
Ein globales Netzwerk statt Konkurrenzkampf
Dass all das in Palma zu sehen ist, verdankt man nicht zuletzt Menschen wie Marta Iglesias und dem Superyacht-Messebereich, aus dem heute das Superyacht Village geworden ist – ein Ort, an dem diskret verhandelt wird und Zahlen eine Rolle spielen, die selten ausgesprochen werden.
"Wie man eine 30- oder gar 100 Millionen Euro teure Yacht verkauft? Das ist nicht so einfach, wie man es sich vielleicht denkt. Nein, ganz im Ernst, wir arbeiten in einem globalen Business, andere Yachtbrokerunternehmen des BYBA wie Frazer Yachts, Northrop & Johnson, Camper & Nicholson, Ocean Independence und Burgess sind keine Konkurrenten, sondern Mitspieler. Wir haben im Gegensatz zur Immobilienbranche einen Ethik-Code, machen sozusagen gemeinsame Sache. Außerdem haben wir in unserem Business einen weiteren entscheidenden Vorteil. Wir konkurrieren weniger, als man denkt", erklärt Iglesias. "Es ist ein globales Netzwerk", sagt sie. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsgeheimnis: Vertrauen in einen Markt, in dem es um Summen geht, die jenseits der meisten Vorstellungskraft liegen.
Zukunft im "New Build Hub"
Ein paar Minuten vom eigentlichen Messebereich entfernt, an der Marina La Llotja im neuen "Superyacht Village New Build Hub", wird der Blick in die Zukunft gerichtet. Auf 5000 Quadratmetern zeigen Werften, was als Nächstes kommt: nachhaltigere Antriebe, neue Materialien, Designs, die eher an Architektur als an Schiffbau erinnern. Hier geht es weniger um Verkauf als um Vision. Vom ersten Entwurf bis zum fertigen Schiff – alles beginnt mit einer Idee, die groß genug ist.
Und warum sollte man sich überhaupt eine solche Yacht zulegen? Iglesias lächelt wieder. "Weil sie das Einzige ist, das Ihnen erlaubt, Ihre Adresse jeden Tag zu ändern." Vielleicht ist das die ehrlichste Antwort in einer Branche, die sonst gern in Superlativen denkt. Denn am Ende geht es nicht nur um Länge, Preis oder Technik. Es geht um das Gefühl, dass der Horizont kein Ziel ist – sondern der Eintritt für ein großes Stück Zuhause.