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„Touristenfeindlichkeit” sollte aber nicht überbewertet werden

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Mini-Demos hin oder her: Von einer touristenfeindlichen Stimmung auf Mallorca kann nicht die Rede sein. Auch in diesem Sommer geht (fast) alles seinen gewöhnlichen Gang. Rotgebrannte Urlauber lecken am Eis, auf der Flughafenautobahn reiht sich Mietwagen an Mietwagen, rund um die HotelPools tobt der Handtuch-Krieg um die besten Plätze und in den Lokalen der Insel werden genüsslich Tapas-Orgien gefeiert.Dass sogenannte „Anti-Touristen-Proteste”, zu denen sich oft nicht mehr als 50 Menschen versammeln, ein großes Echo finden, ist nicht zuletzt den deutschen Medien zu verdanken, die sich geradezu besessen auf jede Nachricht von der Insel stürzen und diese ausschlachten. Beim Thema „Turismofobia” zumindest sollten wir aber die Kirche im Dorf lassen. Die große Mehrheit der Mallorquiner weiß sehr wohl, was sie dem Tourismus auf der Insel zu verdanken hat und ist den Besuchern gegenüber offen und herzlich eingestellt. Und die Minderheiten, die den Besuchern derzeit die Schuld an allem geben, sollten sich bewusst machen, dass die einzig nennenswerte „Industrie” auf Mallorca der Tourismus ist. Ihre Botschaft, er sei auf einmal an allem schuld – von Wasserknappheit bis Wohnungsmangel – ist längst in den Ländern der Menschen angekommen, die mit ihrem Urlaub zum Wohlstand dieser Insel beitragen. Es ist zu hoffen, dass die Konsequenzen nicht allzu spürbar werden. Ob der Zustände, die mancherorts auf Mallorca herrschen, muss eine sachliche Debatte über die Frage, wie viele Urlauber die Insel aushalten kann, jedoch erlaubt sein. Den Zeigefinger zu erheben und von den Mallorquinern zu verlangen, den Deutschen, Briten und Skandinaviern auf Knien für ihre Anwesenheit zu danken, ist sicherlich der falsche Weg. Vielmehr ist es angebracht, sich auch als Urlauber Gedanken darüber zu machen, wie man die Infrastruktur auf der Insel entlasten kann. Dazu gehört ein gewisses Bewusstsein für Nachhaltigkeit genauso wie Verständnis für die Probleme und Anliegen der Menschen, die hier leben. Wenn Urlauber nicht mehr kommen, weil es ihnen hier schlicht zu chaotisch zugeht, ist auch niemandem gedient. Autor: Patrick Czelinski

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