Folgen Sie uns F Y T I R

Der Drang zu vollendeten Tatsachen

Die Flut von Bauprojekten in Palma hängt mit der Regionalwahl im Jahr 2027 zusammen

In Spanien gilt seit jeher das alte Sprichwort, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte. Wenn also – wie jetzt in Palma – allen, die es hören wollen, laut in die Ohren gebrüllt wird, dass im anstehenden neuen Jahr wahnsinnig viele Bauprojekte begonnen werden sollen, heißt das im Prinzip zunächst einmal nicht allzu viel.

Oder wird doch das viele, das angekündigt wurde, rasch unerwarteterweise angeschoben? Ob die Runderneuerung der Plaça Major und der Plaça Mercat, die Renovierung des Gesa-Hochhauses und und und ... Für all das steht angeblich ordentlich Geld zur Verfügung. Dafür, dass die vielen großen Projekte wirklich zügig begonnen werden, spricht, dass im Jahr 2027 wieder Wahlen abgehalten werden. Angesichts der Möglichkeit, dass dann wieder die momentan oppositionellen Sozialisten an die Macht gelangen, müssen die regierenden Konservativen von der PP-Partei vollendete Taten schaffen. Das heißt: Die Spitzhacken müssen geschwungen werden und die Bagger alles gründlich umgraben, damit die anderen – sollten sie an die Fleischtöpfe kommen – nicht alles kurzerhand wieder rückgängig machen können. Genauso lief es bei dem Rückbau des Paseo Marítimo ab, die von den Linken initiiert und begonnen wurde. Die seit 2023 regierenden Konservativen konnten die damals schon weit gediehenen Bauarbeiten nicht mehr stoppen, so gern sie es vielleicht getan hätten. In Spanien denkt man halt in Lagern, und selten partei- oder ideologieübergreifend. Das bedeutet: Haben Linke etwas beschlossen, das – obwohl sinnvoll – den Rechten nicht gefällt, so wird es nicht realisiert. Und umgekehrt.

Werden wir also im kommenden Jahr viele Arbeiter auf Baustellen im Zentrum der Stadt sehen? Wohl ja. Was bei der öden Plaça Major okay wäre, bei der lauschigen Plaça Mercat aber nur schwer nachvollziehbar ist. Aber was soll’s ... Bürgermeister Jaime Martínez will sich nunmal in die Geschichtsbücher beamen, was den Aktionismus erklärt, der auch etwas erratisch daherkommt. Denn braucht Palma neben dem Kongresszentrum wirklich ein Messegelände? Und was soll in den dort und im Gesa-Komplex geplanten Veranstaltungssälen alles bei vielen anderen existierenden Räumlichkeiten bloß stattfinden?

Meistgelesen