Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt, Mallorca sei wie ein Mikrokosmos des gesamten Globus. Alles, was irgendwo auf dem Erdenrund stattfindet, zeichne sich hier wie unter einem Brennglas ab.
An dem Gesagten ist wohl viel Wahres dran. Mallorca ist so kosmopolitisch und multikulti wie die Welt schlechthin. Hier kommt alles zusammen, treffen auf engstem Raum Bootsflüchtlinge aus Schwarzafrika auf Superreiche aus Sphären wie Long Island, Luxemburg, Liechtenstein, Monaco. Skandinavier und Osteuropäer teilen sich den Strand mit Menschen aus dem Reich der Mitte. In Stadtvierteln von Palma prägen leichtest bekleidete Latinas und züchtigst in viel Stoff eingemummelte Nordafrikanerinnen das Straßenbild. Deutsche, Briten (und zuletzt Amis) wetteifern ihrerseits um die edelsten Schlafplätze der Boutiquehotels, die besten Liegeplätze für ihrer Yachten und die gedecktesten Tische in den angesagtesten Lokalen. Mit einem Wort: Die Insel hat sich in den vergangenen 25 Jahren gefühlt extrem gewandelt.
Ein Wandel, wie er Mallorca mindestens seit 1956 heimsucht. Das ist den Luftaufnahmen zu entnehmen, auf denen die zunehmende Bebauung der Insel festgehalten ist (siehe die MM-Doku S. 12-14) . Mallorca wurde mit Bauten zugepflastert, und die Zahl der Bewohner hat sich nahezu vervierfacht. Weltweit sieht es kaum anders aus: Wer heute 50 Jahre zählt, ist im Laufe seines Lebens Zeuge geworden, wie die Weltbevölkerung sich verdoppelte; wer 75 ist, erlebte ihre Verdreifachung.
All diese Menschen, die nach Mallorca geströmt sind, bringen ihre Hoffnungen und Erwartungen mit. Sie benötigen Wohnraum und faire Jobs. Auf der ganzen Welt sieht das nicht anders aus. Doch überall verschärfen sich die Versorgungs- und Umweltsituation durch den Klimawandel. Eigentlich gibt es eine Menge Probleme, die die Menschheit zu lösen hat. Doch stattdessen verliert sie sich in schrecklichen Kriegen und drohenden Kriegs-szenarien, weil mächtige Potentaten ihr Ego ausleben dürfen, während Demokratien sich im Kleinklein nicht einig werden. Weltweit, wie auch auf Mallorca. Die Wohnungsmisere schreit nach Lösungen, die NICHT in zusätzlicher Bebauung, Vermassung und Ressourcenverbrauch gipfeln dürfen.
Es fällt schwer, angesichts der Aussichten nicht den Optimismus zu verlieren. Aber letztlich sind wir verdammt noch mal dazu gezwungen, optimistisch zu sein. In der Hoffnung, dass sich am Ende die Vernunft durchsetzen wird. Hier wie auch anderswo auf der Welt.