(Anmerkung des Autors: Sie können sich diese Kritik auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu bitte HIER!) - Es erstaunt immer wieder aufs Neue, was für großartige Künstler aus der Oberliga der internationalen Klassikszene das Orchestermanagement des OSIB auf unsere kleine Insel zu locken vermag. Die globalen Connections von Chefdirigent Pablo Mielgo dürften dabei nicht ganz unbeteiligt sein. Im fünften Abokonzert im Auditorium gaben sich der junge finnische Dirigent Pietari Inkinen und der deutsche Starviolonist Hans Peter Zimmermann die Ehre und brachten neben Ravels Orchestersuite „Ma Mere L’Oye Frank Martins Violinkonzert und Bela Bartoks „Konzert für Orchester zur glanzvollen Aufführung.
Inkinen, 2025 in den Top Ten der Dirigentenelite mit besonders authentischer Repertoirepflege und in der Reihe der Wagnerdirigenten sogar unter den Top five, eröffnete den Abend mit Ravel zauberhaftem Märchenpanorama „Ma Mère L’Oye«, ohne Taktstock, die schönen Hände genügten, um dem bestens aufgelegten Orchester das zarte Streicher-Flair, die delikaten Bläserpassagen und die charmant akzentuierenden Tupfer des Schlagwerks zu entlocken. Was dabei entstand, war eine nostalgische Reise in die Kindheit, ein atmosphärischer Kosmos kindlicher Wahrnehmung einer versunkenen Welt, wie sie dem Komponisten bei der Orchestrierung des ursprünglich für Klavier komponierten Werkes wohl vorgeschwebt haben mag.
Frank Peter Zimmermann, auf einer nach künstlerischer Prägekraft, interpretatorischer Autorität und diskographischer Bedeutung.sortierten Liste der Top-Geiger auf Platz eins, vor Hillary Hahn, bewies seine Klasse mit der spanischen Erstaufführung von Frank Martins kontemplativem Violinkonzert. Zarte, fast esotherische Klänge standen neben durchaus robust-virtuosen Passagen. Inkinen, jetzt mit Taktstock, hielt das facettenreiche Werk zusammen und wahrte die Logik des Ineinanderverfließens.
Nach der Pause dann Bártoks „Konzert für Orchester. Das Werk entstand in einer Phase, in der Bartóks Leukämie bereits fortgeschritten war – die Diagnose wurde erst spät gestellt, und er sollte nur zwei Jahre später, 1945, in New York daran sterben. Umso bemerkenswerter ist die schöpferische Kraft dieser Partitur: Sie verbindet strukturelle Strenge mit melodischer Erfindung, Volksmusiknähe mit moderner Klangsprache und zeigt Bartók auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft. Inkinen erwies sich hier als Meister der klanglichen Balance und einer federnden rhythmischen Gestaltung. Er erweckte die Partitur zu einer farbenprächtigen und klar strukturierten Aufführung, die das Publikum zu standing ovations hinriss.
Das nächste Konzert, am 29. Januar im Auditorium, ist insofern etwas ganz Besonderes. Als hier, ungewöhnlich für ein Abonnementskonzert, ein Gastorchester spielen wird. Das Orquestra Filharmonica de Málaga führt. Zusammen mit dem russischen Pianisten Alekséi Volodin und unter der Stabführung des mallorquinischen Dirigenten José Maria Moreno das dritte Klavierkonzert von Rachmaninoff und die „Pathétique« von Tschaikowsky auf. Karten wie immer auf der Website des Auditoriums.