(Anmerkung des Autors: Sie können sich diese Einführung vorlesen lassen. Klicken Sie dazu bitte HIER!) - Das nächste Abonnementkonzert im Auditorium am 29. Januar bringt uns die Begegnung mit einem Gastorchester: das Orquestra Filharmonica de Málaga wartet, unter der Leitung von José Maria Moreno mit einem Programm der Superlative auf: Klavierkonzert Nummer 3 von Rachmaninoff, kurz Rach 3 genannt und unter Pianisten wegen seiner enormen technischen Anforderung als „Elefantenkonzert« bekannt (es gilt tatsächlich als das schwierigste Klavierkonzert aller Zeiten!) und die letzte, persönlichste Sinfonie von Tschaikowsky versprechen einen Abend voller Emotionen, einen Abend des Staunens und Bewunderns. Am Flügel tritt der russische Pianist Aleksei Volodin an, um dieses Versprechen einzulösen.
Das Orquesta Filarmónica de Málaga verkörpert seit 1991 den musikalischen Pulsschlag einer Stadt zwischen Meer, Licht und Geschichte. Im Teatro Cervantes beheimatet, verbindet es mediterrane Wärme mit europäischer Präzision. Unter der Leitung von José María Moreno entfaltet das Orchester ein Repertoire, das vom klassischen Kanon bis zu zeitgenössischen Uraufführungen reicht. Charakteristisch sind der warme Streicherklang, die kammermusikalische Transparenz der Holzbläser und ein Blech, das kraftvoll leuchtet, ohne zu dominieren. - José María Moreno verbindet mediterrane Wärme mit präziser musikalischer Architektur. Auf Mallorca geboren und in St. Petersburg geprägt, vereint er südliche Klangfarben mit russischer Strenge. Sein Dirigat ist klar, energiegeladen und dialogisch, er formt Atmosphäre, ohne zu dominieren. Internationale Engagements von Buenos Aires bis Zagreb zeigen seine stilistische Vielseitigkeit. Seit 2020 prägt er das Orquesta Filarmónica de Málaga mit einer Mischung aus Empathie, analytischer Tiefe und dramaturgischem Instinkt. Moreno versteht Musik als lebendige Kunst, die Menschen verbindet und Räume öffnet.
Rachmaninoffs d‑Moll‑Konzert von 1909 gehört zu den monumentalsten Prüfsteinen der Klavierliteratur. Auf der Überfahrt in die USA auf einer stummen Klaviatur einstudiert, verbindet es extreme technische Anforderungen mit einer unverwechselbaren lyrischen Handschrift. Das eröffnende Thema entfaltet sich wie eine große, atmende Gesangslinie, die sich zu leidenschaftlichen Steigerungen verdichtet. Das Intermezzo führt in elegische Innenräume, bevor das Finale mit motorischer Energie und triumphaler Kraft aufbricht. Die Uraufführung spielte Rachmaninoff selbst am 28. November 1909 in New York, ein Moment, der den Mythos dieses Werkes begründete. Auf die Interpretation Aleksei Volodins darf man gespannt sein: er zählt zu jenen Pianisten, deren Spiel zugleich von kristalliner Klarheit und tiefem inneren Leuchten geprägt ist. Geboren 1977 in Leningrad und früh an der traditionsreichen Gnessin‑Schule in Moskau ausgebildet, entwickelte Volodin eine pianistische Handschrift, die Präzision, poetische Imagination und eine fast kammermusikalische Hörsensibilität verbindet. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er 2003 mit dem Gewinn des Concours Géza Anda in Zürich. Seither gastiert er in den großen Sälen Europas und Asiens und arbeitet mit Orchestern wie dem Tonhalle‑Orchester Zürich, der NDR Radiophilharmonie oder dem Mariinsky‑Orchester zusammen.
Tschaikowskys Sechste Symphonie, die „Pathétique«, ist sein persönlichstes und zugleich rätselhaftestes Werk. 1893 vollendet, wenige Tage vor seinem Tod uraufgeführt, entfaltet sie einen emotionalen Kosmos, der zwischen Sehnsucht, Verzweiflung und eruptiver Energie oszilliert. Der erste Satz beginnt mit einem tastenden, fast suchenden Motiv, das sich zu leidenschaftlichen Ausbrüchen steigert. Im zweiten Satz verwandelt Tschaikowsky den Walzer in einen schwebenden fünfviertel‑Takt, elegant und zugleich von subtiler Unruhe durchzogen. Das folgende Allegro wirkt wie ein Triumphmarsch, brillant und mitreißend, doch sein Glanz trägt bereits einen Schatten in sich. Das Finale schließlich bricht mit allen symphonischen Erwartungen: ein langsames, resignatives Adagio, das nicht endet, sondern erlischt.
Soweit die musikalische Beschreibung der Pathétique. Tschaikowskys Motive, sein Programm, seine innere Gestimmtheit liegen im Dunkel fehlender authentischer Informationen. Der Briefwechsel des Komponisten mit Nadeshda von Meck, seiner Förderin, war 1893 bereits abgebrochen und die Biografie, die sein Bruder Modest über ihn schrieb, ist eher ein beschönigendes Monument als eine verlässliche Darstellung. Klaus Mann hat die biografischen Gegebenheiten in seinem Tschaikowsky-Roman „Symphonie Pathétique" zu rekonstruieren versucht, sie aber den dramaturgischen Forderungen des Genres gemäß literarisch verarbeitet. Sie können sich die beiden letzten Kapitel des Romans vorlesen lassen. Klicken Sie dazu bitte HIER! Die Lesung dauert eine knappe Stunde, aber ich verspreche Ihnen, dass Sie die Sinfonie danach mit neuen Ohren hören werden. Etwas kürzer ist die Beschreibung des Musikkritikers Joachim Kaiser in seinem Buch „Kaisers Klassik. 100 Meisterwerke«, das auf eine Serie zurückgeht, die Kaiser in den 80er Jahren für die BUNTE schrieb. Das ganze Konzertprogramm habe ich bei Spotify zu einer Playlist zusammengestellt. Karten gibt’s wie immer auf der Website des Auditoriums.