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Konzertführer: 2 Highlights der Musikgeschichte im 7. Abokonzert des OSIB

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(Anmerkung des Autors: diese Einführung steht auch zum Hören bereit. Klicken Sie dazu bitte HIER). - Unter den weltberühmten Eröffnungsmotiven, bei denen die Hörer weltweit bereits nach den ersten vier Tönen wissen, was Sache ist, teilen sich das „Ta-ta-ta-taa« aus Beethovens fünfter Sinfonie und das Horn-Thema am Beginn von Tschaikowskys erstem Klavierkonzert den ersten Platz. Ihre Verwendung in der Werbung haben sogar massenhaft außermusikalische Assoziationen geschaffen. Am 19. März können Sie im Auditorium beide Highlights der Musikgeschichte mit dem Sinfonieorchester der Balearen unter der Leitung von Pablo Mielgo erleben. Den Solopart im Tschaikowsky-Klavierkonzert spielt die ukrainische Pianistin Anna Fedorova. Ein Portrait der Künstlerin können Sie HIER hören.

Die Erfolgsgeschichte von Tschaikowskys b-moll-Klavierkonzert kam nur zögernd in Fahrt: Nikolaj Rubinstein, dem Tschaikowsky das Werk widmen wollte, erklärte es für unspielbar und meinte, es müsse komplett umgeschrieben werden. Zum Glück ließ sich Tschaikowsky nicht auf dieses Ansinnen ein: „Keine Note werde ich ändern!«, sagte er trotzig. . Und daran tat er gut: Hans von Bülow führte es 1875 mit überwältigendem Erfolg in Boston auf; von dort trat es seinen Siegeszug um die ganze Welt an. Für Teilnehmer am renommierten Tschaikowsky-Wettbewerb ist es ein Pflichtstück; Pianisten wie Ashkenazy, Sokolov, Gawrilow, Pletnev und Trifonov erspielten sich damit erste Preise. Aktuelle Starpianisten wie Lang Lang, Khatia Buniatishvili und Yuja Wang haben es in ihrem Kernrepertoire.

Außer dem markanten Eröffnungsthema, das vom Klavier über siebeneinhalb Oktaven mit wuchtigen Akkorden umspielt wird (und das seltsamerweise im weiteren Verlauf des ersten Satzes nicht wieder auftaucht), verdankt Opus 23 seine Beliebtheit der Melodik russischer Volkslieder, auf die Tschaikowsky zurückgriff, dem rasanten Drive in den Ecksätzen und der atemberaubenden Tastenakrobatik, zu der eben nur die ganz Großen fähig sind. Der Beginn des zweiten Satzes (Querflöte über Streicher-Pizzicato) könnte (fast) von Mozart sein, den Tschaikowsky über alles verehrte: so melodisch und graziös kommt er daher. Das Finale ist Virtuosenfutter par excellence.

Beethovens Fünfte: vielleicht die meistgespielte Sinfonie überhaupt. Jeder kennt das berühmte Ta-ta-ta-taaa, das bekannteste musikalische Motiv der Welt; omnipräsenter als die „Kleine Nachtmusik« und „Elise« zusammen, nicht verschnulzt wie der „Götterfunken«, dafür verrockt. Das hat die Band Ekseption besorgt. Auch von Walter Murphy gibt es eine rockige Version.

Entstanden ist die Fünfte zwischen 1803 und 1808. Ein solcher Zeitraum ist für Beethoven nicht untypisch. Anders als zum Beispiel Mozart ging er lange mit einem Werk schwanger, sammelte oft über Jahre hinweg Einfälle in seinen berühmten Skizzenbüchern, ehe er sich ans eigentliche Komponieren machte. Was er von den Skizzen zur Fünften wieder verwarf, weil es seinen perfektionistischen Ansprüchen nicht genügte, würde für glatt fünf weitere Sinfonien ausreichen. Auch seine Partiturmanuskripte wimmeln von Streichungen und Korrekturen, sehen aus wie das Protokoll einer blutigen inneren Schlacht.

1803 hatte er sein berühmtes Heiligenstädter Testament verfasst, in dem er das Schicksal, das ihm sein Gehör zu nehmen im Begriff war, anklagte und das mit seinen ersten Worten „O ihr Menschen« ein wenig an das „O-Mensch-Pathos« der expressionistischen Dichter (Trakl, Heym, Benn) erinnert. „Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen« hatte er darin geschrieben. Und, obwohl vor der Komposition der 5. Sinfonie formuliert, kann man diesen Satz, sogar das ganze „Heiligenstädter Testament« als biografischen Kontrapunkt zum Werk sehen. Ob er die ersten Töne der neuen Sinfonie tatsächlich mit den Worten „So klopft das Schicksal an die Pforten« kommentiert hat, ist indes nicht belegbar.

Die ersten Töne: drei Gs und ein Es, drei Achtel und eine Halbe. Noch einfacher als das Dreiklangthema zu Beginn der „Eroica«, noch kürzer, noch schlagkräftiger. Und in noch größerem Ausmaß der alles beherrschende Baustein des ersten Satzes. Die Ökonomie des thematischen Materials geht in der Fünften über die Dritte hinaus, die Komplexität seiner Verarbeitung ist aber womöglich noch dichter, noch konzentrierter. Das Vierton-Motiv des Beginns kommt bereits in den ersten 20 Takten über 30 mal vor, rhythmisch variiert, als Umkehrung, in steigenden und fallenden Sequenzen.

Der zweite Satz, ein eindringliches As-dur-Adagio folgt dem Prinzip der Variation. Der Hauptgedanke ist eine punktierte Melodielinie, auch das zweite Thema greift diese Punktierung auf, zunächst in den Klarinetten, bevor das ganze Orchester dann, dramaturgischer Höhepunkt des Satzes, eine regelrechte Fanfare daraus macht.

Scherzo und Finale sind ohne Pause miteinander verbunden, mehr noch: die letzten Takte des ersteren führen direkt zum strahlenden C-dur des Schlusssatzes hin. Wie eng die beiden Sätze miteinander korrespondieren wird auch dadurch deutlich, dass das Scherzo-Thema – pizzicato – im Finale „herumgeistert«. Die letzten beiden Töne der Überleitung, a und h, sind ein gewaltiges Crescendo. Und dann geht das Licht an, in strahlendem C-dur, fortissimo, ein Dreiklang von affirmativer Power, aufsteigend, überwältigend. Und so endet die Sinfonie auch, als Triumph über die Mächte des Schicksals. Karten gibt’s wie immer auf der Webseite des Auditoriums.

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