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Konzertkritik: Der Duft des Frühlings bei Macia Batle

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(Anmerkung des Autors: diese Kritik können Sie sich auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu bitte HIER.) - Einen Tag nach dem Kalendarischen Frühlingsanfang weckte das Trio Nina Heidenreich (Violine), Alexey Stadler (Cello) und Xavier Ricarte (Klavier) das Frühjahr auch musikalisch aus dem Winterschlaf. In der Bodega Macia Batle fand gestern die erste Matinee dieses Jahres statt, in bewährter Manier mit Weinverkostung und Tapas. Die launige Anmoderation durch den Bodega-Chef, Nina Heidenreich und Kulturredakteur Martin Breuninger vom Mallorca Magazin schlug die Brücke zum zahlreich erschienenen Publikum.

Herausragend: Alexey Stadler. Der 1991 in Sankt Petersburg geborene Cellist gehört zu den markantesten Stimmen seiner Generation. Seit seinem BBC‑Proms‑Debüt 2016 ist er international präsent. Stadler verbindet technische Souveränität mit warmem, konzentriertem Ton und analytischer Klarheit. Er gastiert bei führenden Orchestern und überzeugt durch eine Interpretation, die Emotion aus Struktur entwickelt, nicht aus Effekt. Ihn und Nina Heidenreich begleitete Xavier Ricarte am Klavier. Der mallorquinische Pianist hat sich als vielseitiger, klangbewusster Musiker etabliert. Seine Ausbildung führte ihn von Palma über Barcelona an europäische Hochschulen. Ricarte steht für transparente Klangkultur, präzise Gestaltung und unprätentiöse Bühnenpräsenz. Auf Mallorca ist er eine feste Größe der jungen Klassikszene und ein gefragter Kammermusikpartner.

Der erste Teil des Konzerts setzte in erster Linie auf Atmosphäre. Mit Schumanns Adagio und Allegro opus 70 wurden die Weichen gestellt. Der warme, voluminöse Ton Stadlers überzeugte vom ersten Takt an und schuf jene Verbindlichkeit, ohne die die romantische Klangästhetik nicht denkbar ist. Gabriel Faurés Romance und noch mehr seine Sicilienne oszillierten zwischen Melodienseligkeit und ätherischer Klangmalerei. Mit Glasunows Sérénade espagnole kamen spanische Anklänge à la russe ins Spiel, sein Chanmt de ménestrel bescherte ein fast mittelalterliches Frühlingserwachen. K. Davidoffs „At the Fountain« ließ eine Frühlingsquelle sprießen.

Nach der Pause ging’s mit bekannten Klassikern weiter. Nicht weniger atmosphärisch, aber formal gebändigt, sorgte Beethovens Gassenhauer-Trio mit, bei Beethoven eher seltener humoristischer Leichtigkeit, für überbordenden Elan und Drive. Und auch in Haydns „Gipsy Trio« ließ der Frühling grüßen: die auffallende motivische Nähe zu der berühmten Arie „Schon schreitet froh der Ackersmann zur Arbeit auf das Feld« erinnerte eindrucksvoll an Haydns Darstellung des Frühjahrs in seinem Oratorium „Die Jahreszeiten«. Mit dem finalen „Rondo a l’Ongarese« triumphierte noch einmal die für Haydn typische Ausgelassenheit. Seine Wiederholung als Zugabe etablierte einen Ohrwurm in die Gehörgänge des Publikums, mit dem es sich beglückt und animiert auf den Heimweg machte. - Das nächste Bodegakonzert findet am 12. April statt: ein Klavier-Recital mit Matteo Weber.

Das Programmblatt kündigte für April weitere Konzerte an, erstmals im Rahmen des Festivals Cap Rocat. Über das Programm werde ich Sie rechtzeitig informieren. Außerdem können Sie nächste Woche ein Interview zur Expansion von MallorcaMesuena mit der Veranstalterin Nina Heidenreich hier lesen.

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