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Glaskasten am Strand: So könnte Palmas Geister-Hochhaus wiederbelebt werden

Das freistehende Bürogebäude direkt hinter Palmas Stadtstrand besticht vor allem durch seine vorgehängte Glasfassade. | Archiv

| Palma, Mallorca |

Für die einen ist es ein braun glänzender Schandfleck aus den 1970er Jahren, für andere ist das Gesa-Gebäude an der Küste von Palma ein herausragendes Beispiel für moderne Büroarchitektur. Der derzeit leerstehende Komplex war einst der Firmensitz des Energieversorgers Endesa – der den ehemaligen mallorquinischen Stromerzeuger Gesa, gegründet 1927, übernommen hatte. Seit der Konzern 2008 aus dem Gebäude ausgezogen ist, sorgt das Hochhaus immer wieder für Schlagzeilen und Streitigkeiten um seine künftige Nutzung.

Entworfen wurde das seinerzeit hochmoderne Gebäude 1963 vom mallorquinischen Architekten José Ferragut, der unter anderem für den Bau von La Porciúncula, die „gläserne Kirche” in Arenal, bekannt ist. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Gesa-Hauses im Jahre 1977 erlebte Ferragut nicht mehr. Der Kreative war einige Jahre zuvor im Homosexuellenmilieu ermordet worden. Die Umstände um sein Ableben wurden zu Zeiten des Franco-Regimes viele Jahre vertuscht.

Wer über die Flughafenautobahn nach Palma einfährt, der sieht das kupferfarben schimmernde Glashaus wie ein verlassenes Spiegelkabinett auf der Grünfläche neben dem Kongresspalast stehen. Zu Recht fragt man sich, was es mit dem heruntergekommenen Komplex in bester Meereslage auf sich hat. Es ist vor allem eines: Ein Mahnmal, das mit Skandalen, Besitzerwechseln und Gerichtsverfahren belastet ist. Bereits im Jahre 2007 hatte der Inselrat das Gesa-Gebäude zum Kulturgut erklärt, und damit den geplanten Abriss verhindert. Daraufhin begann die Schlacht um das Hochhaus ...

Für das Gesa-Gebäude gab es viele Interessenten und zahlreiche Nutzungsvorhaben, die jedoch nie verwirklicht wurden. Schon 2005 hatte Gesa die Immobilie an Núñez i Navarro, ein Bauunternehmen des ehemaligen Präsidenten des FC Barcelona, für mehr als 85 Millionen Euro veräußert. Beabsichtigt war, das Hochhaus abzureißen und an seiner Stelle 200 Luxuswohnungen mit Meerblick zu errichten. Doch mit dem Denkmalschutz für das Haus wurde das Neubauprojekt vereitelt, und so musste Endesa Núñez i Navarro die komplette Summe zurückzahlen.

Was folgte, war ein politisches Tauziehen zwischen den Parteien. Die Frage zur neuen Nutzung der Immobilie wurde zum Wahlkampfthema. So versprachen die Sozialisten in den Kommunalwahlen, in Palma einen Park rund um das Hochhaus anzulegen. Die Konservativen hingegen wollten das Gebäude im Falle eines Wahlsieges dem Erdboden gleich machen. Im Rathaus von Palma wurde zudem 2011 die Idee geboren, die Räumlichkeiten der Lokalpolizei zuzusprechen sowie ein Restaurant im 13. Stockwerk des Hochhauses zu eröffnen.

Im Jahre 2016 wurde ein ehrgeiziges Projekt ins Leben gerufen, das dem Gesa-Haus einer öffentlich-privaten Nutzung zuführen sollte: Der Plan sah vor, mehrere Etagen für städtische Büros und das Stadtarchiv zu nutzen, während andere Etagen für Coworking-Spaces und künstlerisches Schaffen zur Verfügung stehen sollten. Es fehlte nur noch das Geld für die Renovierung des Gebäudes sowie die gerichtliche Anerkennung der Eigentumsrechte.

In der vergangenen Legislaturperiode war dann die Rede davon, das Gesa-Gebäude in ein Apartmenthaus umzuwandeln und in den oberen vier Stockwerken ein Hotel einzurichten, doch der Inselrat verweigerte die Zulassung dieser Nutzung, da es sich um ein denkmalgeschütztes Objekt handelt.

Im Januar 2021 gelang es indes der Stadtverwaltung, eine Einigung mit Endesa zu erzielen. Die neue Vereinbarung sieht vor, das Geister-Hochhaus erneut für Verwaltungszwecke zu nutzen, da die Deckenhöhe zwischen den Stockwerken, den Vorschriften für die Bewohnbarkeit nicht entsprächen und für Wohnräume zu niedrig seien. Endesa wird einen Teil des Gebäudes privat verwalten, während das Rathaus einige Etagen für städtische Büros und einen Sitz für innovative Energieprojekte nutzen möchte. Zudem will Palmas Bürgermeister José Hila die 21.500 Quadratmeter große Grünfläche am Gebäude als Park in erster Meereslinie erhalten wissen.

Ob dem Glaskasten damit nun endlich neues Leben eingehaucht werden kann und der Alptraum der ständig wechselnden Besitzer schließlich der Vergangenheit angehören wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin wird der verspiegelte Wachturm am Eingang der Inselhauptstadt weiterhin seinen goldenen Glanz auf den Stadtstrand werfen und sich in bestem (Sonnen-)licht präsentieren, um Besuchern und Interessierten ein Postkartenmotiv ganz im Stile der farbenfrohen 1970er Jahre zu bieten.

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